Kolkata. Zwei Krankenpflegerinnen haben sich laut westbengalesischen Gesundheitsbehörden mit dem tödlichen Nipah-Virus infiziert, eine von ihnen kämpft nun um ihr Leben und liegt im Koma. Infektionsquelle war Berichten zufolge ein Patient, der Ende Dezember ins Krankenhaus gebracht wurde und der inzwischen verstorben sei. 196 Kontaktpersonen der Infizierten wurden ermittelt, die jedoch alle negativ auf das Virus getestet wurden.
Das Nipah-Virus ist laut Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg eine seltene, aber sehr schwere Viruserkrankung, die sowohl Menschen als auch Tiere betrifft. Beim Menschen hat es eine Sterblichkeitsrate von bis zu 92 Prozent. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt die Sterblichkeitsrate auf 40 – 75 Prozent. Es tritt vor allem in Asien auf, in letzter Zeit kam es zu Infektionen in Indien, Bangladesh und Malaysia. Vor allem Flughunde sind Träger des Virus in diesen Regionen.
Die Übertragung auf den Menschen kann durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Tiere, Verzehr von unzureichend gegartem Schweinefleisch oder anderen tierischen Produkten, die mit dem Virus infiziert sind oder Baumsäften, die mit Fledermauskot infiziert sind. Von Mensch zu Mensch kann sich das Virus insbesondere durch direkten über Tröpfchen in der Atemluft, beispielsweise durch Niesen oder Husten, übertragen.
Symptome des Nipah-Virus reichen von Husten, Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen bis zu Entzündungen des Gehirns, Krampfanfällen und Koma, die zum Tod führen können. Aktuell gibt es weder erprobte spezifische Behandlungsmethoden noch einen Impfstoff.
Das indische Gesundheitsministerium hat nach den Infektionen eine Warnung für das gesamte Land ausgerufen, mehrere südostasiatische Länder reagierten mit verstärkten Kontrollen.
Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC schätzt das Risiko einer Ansteckung in Europa aktuell sehr gering ein, da eine Einschleppung zwar nicht auszuschließen, jedoch sehr unwahrscheinlich sei. Aufgrund der hohen Sterblichkeitsrate und der Möglichkeit, eine Epidemie auszulösen, zählt die WHO das Nipah-Virus zu den gefährlichsten Erregern weltweit.
Nipah-Ausbrüche Ausdruck eines sozialökologisches Problem
Laut dem australischen Epidemiologen Dicky Budiman sollten Nipah-Ausbrüche nicht nur als medizinisches Problem, sondern als Ausdruck eines sozialökologisches Problem verstanden werden. Denn Umweltveränderungen, Abholzungen, Zerstörung von Ökosystemen wie auch ein schlechtes Gesundheitssystem und schwache Hygienerichtlinien erhöhen das Risiko für Ausbrüche des Virus, wie sie in den letzten Jahren schon mehrfach vorkamen.
Laut Budiman braucht es unter anderem stärkere Infektionsprävention, schnellere Isolation von Infizierten und angemessene Schutzausrüstung für Gesundheitspersonal. Die WHO drängt derweil auf stärkere Forschung an Impfstoffen und Behandlungsmethoden.
Unter kapitalistischen Verhältnissen werden wir auf die Erfüllung solcher Forderungen allerdings lange warten. Da umfassende Gesundheitsversorgung, Schutzausrüstung und Forschung an Impfstoffen wenig profitabel sind. Wir haben während Covid-19 erlebt, dass erst wenn eine Pandemie schon im vollen Gang ist, die ein massenhaftes Sterben der Arbeiterklasse verursacht und damit die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft erschwert, erst dann werden Milliarden für Impfstoffentwicklung und wirksame Regelungen gegen die Ausbreitung der Infektion getroffen.
In einem Gesundheitssystem, das nicht an Profiten, sondern an den Bedürfnissen und der bestmöglichen Gesundheit aller orientiert ist, wäre den zwei Pflegerinnen vielleicht die Infektionen erspart geblieben.
Quelle: Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin/Südwest Presse/ORF/Merkur/Tempo/ORF




















































































