Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Gesamtsterblichkeit um nahezu 20 Prozent senken – und dafür braucht es weder Marathonläufe noch Hochleistungssport. Schon einfaches Gehen zeigt einen erstaunlich starken Effekt. Das ist das zentrale Ergebnis einer neuen Auswertung großer US-amerikanischer Langzeitstudien, die kürzlich im British Medical Journal veröffentlicht wurde.
Ein Forschungsteam von der T. H. Chan School of Public Health der Harvard Medical School analysierte Daten aus zwei der weltweit renommiertesten epidemiologischen Untersuchungen: der Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-Up Study. Über einen Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten (1986–2020) wurden rund 111.000 Krankenschwestern, Ärzte und andere Angehörige von Gesundheitsberufen begleitet. Die körperliche Aktivität der Teilnehmenden wurde alle zwei Jahre erfasst – eine außergewöhnlich solide Datengrundlage.
Das Ergebnis ist eindeutig: Wer sich regelmäßig bewegt, lebt länger. Im Beobachtungszeitraum von über 2,4 Millionen Personenjahren wurden knapp 39.000 Todesfälle registriert. Insgesamt war körperliche Aktivität mit einer deutlich geringeren Sterblichkeit verbunden – unabhängig davon, ob die Todesursache Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Atemwegserkrankungen waren.
Gehen schlägt fast alles
Besonders bemerkenswert: Unter den einzelnen Sportarten schnitt Gehen am besten ab. Personen aus dem aktivsten Fünftel der Studiengruppe hatten durch regelmäßiges Gehen ein um 17 Prozent geringeres Sterberisiko als jene mit der geringsten Aktivität. Langsames Laufen senkte die Mortalität um elf Prozent, schnelleres Laufen um 13 Prozent. Tennis oder Squash reduzierten das Risiko um 15 Prozent, Krafttraining um 13 Prozent, Rudern oder Gymnastik um 14 Prozent, Stiegensteigen um zehn Prozent. Radfahren zeigte einen geringeren, aber dennoch messbaren Effekt von vier Prozent.
Eine Ausnahme bildete lediglich Schwimmen: Hier ließ sich statistisch kein signifikanter Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit nachweisen – ein Befund, der in der Fachwelt durchaus für Diskussionen sorgen dürfte.
Abwechslung als Lebensverlängerer
Noch deutlicher als die Wirkung einzelner Sportarten fiel ein anderer Zusammenhang aus: Entscheidend ist nicht nur wie viel, sondern auch wie vielfältig man sich bewegt. Menschen, die mehrere unterschiedliche Formen körperlicher Aktivität ausübten, hatten ein um bis zu 19 Prozent geringeres Risiko, vorzeitig zu sterben – selbst dann, wenn das gesamte Aktivitätsniveau berücksichtigt wurde.
„Die Vielfalt der körperlichen Aktivität korrelierte negativ mit der Sterblichkeit, unabhängig vom gesamten Aktivitätsniveau“, schreiben die Autoren. Anders gesagt: Wer verschiedene Sportarten kombiniert, profitiert zusätzlich – selbst ohne insgesamt mehr Zeit in Bewegung zu investieren.
Besonders stark war der Effekt bei Atemwegserkrankungen: Hier sank die Sterblichkeit um mehr als 50 Prozent. Auch Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen gingen um rund 30 Prozent zurück. Auffällig ist zudem, dass der Nutzen bei vielen Sportarten kein lineares Verhältnis zur Intensität zeigt. Stattdessen erreichen die positiven Effekte ab einem bestimmten Punkt ein Plateau – mehr Anstrengung bringt dann kaum zusätzlichen Gewinn.
Eine ermutigende Botschaft
Für die Forschenden liegt darin der praktische Wert der Studie: „Menschen wählen im Laufe ihres Lebens unterschiedliche Aktivitäten – abhängig von Vorlieben und Gesundheitszustand. Unsere Ergebnisse zeigen, dass es sinnvoll ist, mehrere Formen körperlicher Aktivität zu kombinieren, anstatt sich ausschließlich auf eine zu verlassen.“
Die Botschaft ist klar und ermutigend: Wer regelmäßig spazieren geht, Rad fährt, Stiegen steigt oder gelegentlich Krafttraining betreibt, tut bereits sehr viel für die eigene Gesundheit. Leistungsdruck ist nicht nötig – entscheidend sind Regelmäßigkeit und Abwechslung. Bewegung, so zeigt diese Studie eindrucksvoll, ist kein Luxus, sondern eine der wirksamsten und niedrigschwelligsten Maßnahmen für ein längeres Leben.
Quelle: OÖ Nachrichten




















































































