Knappe Kassen, sinkende Auflagen und ein tiefgreifender Strukturwandel setzen der renommierten US-Zeitung zu. Nun verliert rund ein Drittel der Belegschaft ihren Job – auch die Redaktion ist massiv betroffen.
Washington D.C. Die Washington Post hat Anfang Februar umfangreiche Entlassungen eingeleitet, die etwa ein Drittel aller Beschäftigten betreffen. Nach Angaben der Zeitung und von Gewerkschaftsvertreterinnen und ‑vertretern verlieren insbesondere in der Redaktion „Hunderte“ Journalistinnen und Journalisten ihre Stellen. Die Kürzungen betreffen sämtliche Abteilungen, darunter die internationalen Ressorts, Redaktion und Lektorat, die Lokalberichterstattung sowie den Sport.
Chefredakteur Matt Murray informierte die Belegschaft in einer unternehmensweiten Telefonkonferenz über die Maßnahmen. Er begründete den Schritt mit einer überholten Organisationsstruktur, die aus einer Zeit stamme, in der die Post faktisch eine lokale Monopolstellung gehabt habe. Angesichts veränderter Mediennutzung brauche es nun ein neues Fundament.
Einschnitt von historischer Dimension
Die Entlassungen sind Teil eines länger andauernden wirtschaftlichen Abwärtstrends. Die Washington Post verzeichnet seit Jahren sinkende Einnahmen und eine stark rückläufige Auflage. Die durchschnittliche bezahlte tägliche Auflage lag 2025 bei rund 97.000 Exemplaren, sonntags bei etwa 160.000 – deutlich weniger als noch 2020, als sie im Tagesdurchschnitt bei 250.000 lag.
Bereits 2023 hatte das Unternehmen angesichts von Verlusten in Höhe von rund 100 Millionen US-Dollar freiwillige Abfindungsprogramme angeboten. Im vergangenen Jahr folgten weitere Sparmaßnahmen, die laut damaliger Darstellung die Redaktion noch nicht betreffen sollten. Zuletzt wurde zudem die Berichterstattung über die Olympischen Winterspiele 2026 reduziert.
Die Washington Post steht mit diesen Problemen nicht allein da: Auch andere große US-Stadtzeitungen kämpfen damit, dass viele Leserinnen und Leser Nachrichten zunehmend über soziale Medien konsumieren.
Folgen für den US-Journalismus
Die aktuellen Einschnitte stoßen innerhalb der Zeitung auf scharfe Kritik. Gewerkschaften erklärten, die Entlassungen gefährdeten die journalistische Mission des Blattes. Besonders aus dem politischen Ressort kam Warnung: Das White-House-Team der Post wies darauf hin, dass zentrale Berichterstattung nur durch enge Zusammenarbeit mit jenen Teams möglich sei, die nun von Stellenstreichungen bedroht sind.
In den vergangenen Jahren war es zudem wiederholt zu Konflikten zwischen Eigentümer Jeff Bezos und Teilen der Redaktion gekommen. Für Unmut sorgte unter anderem die Entscheidung, bei der US-Präsidentschaftswahl 2024 keine Wahlempfehlung auszusprechen – ein Schritt, nach dem über 200.000 digitale Abonnements gekündigt wurden. Auch die Neuausrichtung des Meinungsressorts auf „persönliche Freiheiten und freie Märkte“ wurde intern kritisch gesehen.
Bezos, der die Washington Post 2013 für 250 Millionen Dollar gekauft hatte, hatte damals zugesichert, die journalistische Tradition zu bewahren und sich nicht in den Tagesbetrieb einzumischen. Gleichzeitig kündigte er Veränderungen an. Mit den aktuellen Massenentlassungen erreicht dieser Wandel nun eine neue, für viele Mitarbeitende existenzielle Dimension – und wirft grundsätzliche Fragen über die Zukunft des Journalismus in den USA auf.
Quelle: Reuters

















































































