90 Jahre nach Beginn des Spanischen Bürgerkriegs veröffentlichen wir drei Biografien österreichischer Spanienkämpfer. Rund 1.400 Österreicherinnen und Österreicher machten sich ab 1936 auf den Weg nach Spanien, um gegen den Faschismus zu kämpfen. Sie riskierten dabei ihr Leben – viele von ihnen kehrten nicht zurück. Ihr Einsatz steht bis heute für internationalistische Solidarität und den entschlossenen Widerstand gegen den Faschismus. Der erste Teil behandelt das Leben von Bruno Furch.
Bruno Furch wurde 1913 in Wien als Sohn eines Bäckers, der Mitglied des Republikanischen Schutzbundes war, geboren. Die Klassenkämpfe der Ersten Republik hatten ihn daher schon als Jugendlichen geprägt. So wurde er auch Mitglied des Bundes sozialistischer Mittelschüler. Wie bei so vielen klassenbewussten Antifaschisten führte die Enttäuschung mit der Sozialdemokratie dazu, dass er zum Kommunistischen Jugendverband Österreichs wechselte und in den Februarkämpfen 1934 am antifaschistischen Widerstand teilnahm.
1937 wurde er wegen staatsfeindlicher Tätigkeit vom austrofaschistischen Regime verhaftet und nach der Besetzung Österreichs durch die deutschen Faschisten verließ er im März 1938 das Land, um in Spanien mit den Internationalen Brigaden erneut gegen den Faschismus zu kämpfen. Über seine Ankunft und seinen militärischen Einsatz am Fluss Ebro berichtete er:
Ich kam mit einigen anderen nach Mora del Ebro und dann weiter nach Venta de Camposines, und dort hat man mir einfach gesagt, wo die 11. Brigade liegt, sodass ich den Ebro-Übergang selber nicht mitgemacht habe. Ich bin dann von Venta de Camposines losmarschiert, schwer bepackt, Rucksack, Stahlhelm, Gewehr, dazu einen Mantel, bei der Hitze, Ende Juli, und kam nach einigem Suchen zur 11. Brigade und zu meiner Transmissions-Kompanie. […]. Wir hausten in Höhlen und wurden eingesetzt zur Kontrolle der Linien vom Brigade-Stab zu den Bataillonen. Das war in der Sierra Cavalls. Auf der anderen Seite der Straße, die nach Gandesa führt […] liegt die Sierra Pandols. Auf der Sierra Pandols lag die 15. Brigade. Das war ein Hochplateau, zur Hälfe von uns und zur anderen Hälfte von den Faschisten besetzt. Die Sierra Cavalls und die Sierra Pandols waren Schlüsselstellungen der Republikanischen Armee, und um sie tobten die schwersten Kämpfe. Es gab ununterbrochen Angriffe der Faschisten auf unsere Stellungen, denen immer schwere Artillerie-Bombardements vorausgingen. Die Faschisten waren uns an Artillerie und an Luftwaffe gewaltig überlegen.
Die Zeit in der Furch nach Spanien an den Ebro kam, war der Auftakt zur Ebro-Offensive. Diese war die letzte große Offensive der republikanischen Regierung gegen die bereits militärisch überlegenen faschistischen Truppen. In der Nacht vom 24. zum 25. Juli überquerten republikanische Truppen den Fluss Ebro und es wurden fünf Ponton Brücken errichtet, damit die Armee mit Panzerfahrzeugen queren konnte und Nachschub bringen konnte. Ziel war es einen Angriff der Faschisten auf Katalonien zu verhindern. Furch berichtet zwar von der Ebro Überquerung und hatte auch einen Holzschnitt davon angefertigt, war aber selber nicht unmittelbar dabei. Andere Kämpfer des österreichischen Bataillons „12. Februar 1934“ waren aber durchaus Teilnehmer der Ebro Überquerung. Diese war zuerst erfolgreich und die republikanischen Truppen konnten zig Kilometer vordringen und tausende Gefangene nehmen. Das war jedoch erst der Beginn dieser Offensive, die bis in den November dauerte, durch besonders blutige Frontalangriffe gekennzeichnet war und schließlich in der Niederlage der Spanischen Republik mündete.
Diese erlebte Furch allerdings nicht mehr an der Front, denn er und viele andere Interbrigadisten wurden frühzeitig abgezogen. Unter anderem weil der Völkerbund alle direkt oder indirekt beteiligten Mächte aufforderte, ihre Truppen und Materialien aus Spanien zurückzuziehen. Furch berichtete:
Wir haben dann auch erfahren, im September, als wir nach wochenlangem Einsatz vorübergehend in der Reserve waren, dass die spanische Regierung den Entschluss gefasst hat, diesem Appell [des Völkerbunds] zu entsprechen. […] Wohl aufgrund dieses Beschlusses sind wir gegen Ende September vom Ebro zurückgezogen worden. Es war auch schon höchste Zeit, weil unsere Verluste im Laufe der Wochen natürlich auch keine geringen waren. Wir sind eines schönen Abends aus den Stellungen gezogen worden und marschierten in der Dunkelheit im Gänsemarsch auf der Straße nach Mora de Ebro.
Für Furch und die österreichischen Kommunisten war klar, dass ihr Einsatz in Spanien kein „revolutionärer Ausflug“ war. Er war Teil einer größeren und breiteren antifaschistischen Front. Es ging darum den Aufstieg des Faschismus in Europa zu stoppen und einen Zweiten Weltkrieg zu verhindern. Die Teilnahme am Spanischen Krieg begriffen sie somit auch als Kampf einer breiten antifaschistischen Front und für die Wiederherstellung eines unabhängigen Österreichs. Entsprechend blickte auch Furch auf diese Zeit so zurück:
Die Panzer beschossen unsere Stellungen von den Straßen aus. Unsere Stärke bestand absolut in der moralischen Überlegenheit unserer Soldaten, der Spanier wie der Interbrigadisten, trotz einer geringeren Bewaffnung, die aus Maschinengewehren, Mörsern und Gewehren, Maschinenpistolen usw. bestanden hat. Unsere Stärke bestand in der besseren Moral. Wir waren eine politische Armee. Wir waren am Laufenden durch die Polit-Stunden, die es gegeben hat, fast jeden Tag, wenn es die Frontlage erlaubt hat, waren informiert über die Vorgänge in Spanien, um Spanien herum, und wir wussten auch um die Bedeutung unseres Einsatzes. […] Wir Österreicher zum Beispiel waren uns vollkommen klar, so war auch sozusagen die politische Instruktion, die wir bekommen haben, dass unser Einsatz in Spanien auch ein Beitrag zur Verhinderung der Entfesselung eines Zweiten Weltkrieges, der ja praktisch schon begonnen hatte, war und ein Beitrag zum Kampf um die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Österreichs. Wir haben schon in Paris vor unserem Abgang nach Spanien von dem Aufruf des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei an das österreichische Volk zum Widerstand und zum Kampf um die Wiederherstellung eines unabhängigen demokratischen Österreich erfahren, und in diesem Bewusstsein sind wir nach Spanien gegangen, und dieses Bewusstsein hat uns auch am Ebro begleitet.
Nach dem Fall der Spanischen Republik flüchteten viele Interbrigadisten, unter ihnen auch Bruno Furch, über die Grenze nach Frankreich. Dort wurden sie allerdings in Lager interniert und später an die deutschen Faschisten ausgeliefert. 1941 landete er so im KZ Dachau, von wo er gemeinsam mit anderen österreichischen Häftlingen weiter nach Flossenbürg gebracht wurde. Furch musste in Flossenbürg Zwangsarbeit beim Bau von Flugzeugrümpfen leisten und überstand Hunger und Krankheiten im überfüllten Lager. Als die SS im April 1945 die Gefangenen auf einem Todesmarsch nach Dachau trieb, konnte sich Furch auf dem Weg von der Kolonne absetzen und stellte sich am 1. Mai den auf München vorrückenden US-Amerikanern. Er konnte schließlich im Oktober 1945 ins befreite Wien zurückkehren.
Bruno Furch arbeitete in der Nachkriegszeit in der Redaktion der Volksstimme, dem Zentralorgan der KPÖ. In der Parteikrise der Jahre 1968 bis 1970 positionierte er sich in den innerparteilichen Auseinandersetzungen im marxistisch-leninistischen Flügel. Gemeinsam mit Ernst Wimmer wirkte er als Redakteur des neuen Parteiorgans Neue Stimme mit. 1970 wurde er ins Zentralkomitee der KPÖ gewählt und wurde stellvertretender Chefredakteur der Volksstimme. Im Jahr 2000 starb Furch in Wien. Hinter sich hatte er ein bewegtes Leben im Widerstand gegen den österreichischen Faschismus und als Brigadist im Spanischen Krieg. Nach 1973 war er außerdem in der österreichischen Chile-Solidaritätsbewegung eine wichtige Figur, hat einige Bücher und Essays verfasst und sich um wichtige Beiträge in der Entwicklung der KPÖ verdient gemacht.
Quellen: Bruno Furch, Unsere Stärke bestand in der besseren Moral: DÖW / Manfred Scheuch, Die Entscheidung am Ebro: Der Standard / IM Museum, Eine Tuschezeichnung von Bruno Furch im DÖW: immuseum.at






















































































