Der US-Konzern schließt ein umfangreiches Sparprogramm ab, lässt aber weitere Kürzungen offen. Künstliche Intelligenz, Bürokratieabbau und strategische Neuausrichtung stehen im Zentrum der Entscheidung.
Seattle. Amazon hat den Abbau von insgesamt rund 30.000 Stellen im Unternehmensbereich bestätigt und damit die größte Entlassungswelle in seiner dreißigjährigen Geschichte abgeschlossen. Allein 16.000 der Stellenstreichungen wurden in dieser Woche bestätigt, nachdem der Konzern bereits im Oktober 14.000 Jobs gekappt hatte.
Obwohl die Zahl gemessen an Amazons weltweiter Belegschaft von rund 1,58 Millionen Beschäftigten relativ gering erscheint, trifft der Abbau fast zehn Prozent der sogenannten Corporate Workforce. Die meisten Amazon-Mitarbeitenden arbeiten weiterhin in Logistikzentren und Lagerhäusern.
Der Stellenabbau ist Teil einer umfassenden Umstrukturierung unter CEO Andy Jassy. Ziel sei es, Hierarchieebenen abzubauen, Verantwortung stärker zu bündeln und Bürokratie zu reduzieren. Gleichzeitig trennt sich Amazon von Geschäftsbereichen, die hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind.
In diesem Zusammenhang kündigte das Unternehmen an, seine verbleibenden stationären Fresh-Lebensmittelgeschäfte sowie die Go-Märkte zu schließen. Zudem wird das biometrische Bezahlsystem Amazon One eingestellt, das auf dem Scannen der Handfläche basierte.
Zweite große Kündigungswelle innerhalb von drei Monaten
Personalchefin Beth Galetti betonte, die Kürzungen seien notwendig gewesen, um das Unternehmen zu stärken. Sie schloss jedoch weitere Anpassungen nicht aus und erklärte, dass einzelne Teams auch künftig Stellen überprüfen könnten. Zugleich wies sie Spekulationen zurück, wonach Amazon künftig in regelmäßigen Abständen große Entlassungsrunden plane.
Die jüngsten Maßnahmen markieren bereits die zweite große Kündigungswelle innerhalb von drei Monaten. Amazon hatte im Oktober erklärt, dass unter anderem Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz sowie Veränderungen der Unternehmenskultur eine Rolle gespielt hätten. Zudem räumte der Konzern schon wieder ein, während der COVID-19-Pandemie zu stark eingestellt zu haben, als die Nachfrage nach Onlinehandel sprunghaft anstieg.
Unruhe unter den Beschäftigten entstand zusätzlich durch eine versehentlich versendete interne E‑Mail, in der der Stellenabbau offenbar als „Project Dawn“ bezeichnet wurde. Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen – darunter Amazon Web Services, Alexa, Prime Video, Geräte, Werbung und Zustelldienste – berichteten, von den Kürzungen betroffen zu sein.
Mehr KI – weniger menschliche Arbeitskraft
Die Entlassungen verdeutlichen auch den wachsenden Einfluss von künstlicher Intelligenz auf die Arbeitswelt großer Konzerne. Verbesserte KI-Systeme übernehmen zunehmend Aufgaben von administrativen Tätigkeiten bis hin zu komplexer Softwareentwicklung. Andy Jassy hatte bereits im vergangenen Sommer erklärt, dass der verstärkte Einsatz solcher Technologien langfristig zu weniger Arbeitsplätzen im Unternehmensbereich führen werde.
Auch andere große Technologieunternehmen wie Meta und Microsoft befinden sich derzeit in Umstrukturierungsprozessen, nachdem sie während der Pandemie stark expandiert hatten. In den vergangenen Tagen kündigten zudem Unternehmen wie UPS, Pinterest und der Chipausrüster ASML Stellenstreichungen an. Amazon investiert parallel weiter in Automatisierung und Robotik in seinen Lagerhäusern, um Abläufe zu beschleunigen und Kosten zu senken.
Quelle: Reuters


















































































