Klagenfurt/Wien. Die Zahlen sind eindeutig – und politisch gewollt: Die Wohnkosten steigen weiter, während die Einkommen kaum mithalten. Laut einer aktuellen Studie der Arbeiterkammer Kärnten sind die Kosten für das Wohnen in den vergangenen zwei Jahren um mehr als zwölf Prozent gestiegen. Wer glaubt, es handle sich dabei um eine bedauerliche Fehlentwicklung, verkennt die Realität.
Wohnen frisst Einkommen
Wie die AK aufzeigt, sind die Quadratmeterpreise im privaten Bereich seit 2023 um 14,4 Prozent auf durchschnittlich 12,70 Euro gestiegen. Auch im geförderten Wohnbau – einst als sozialer Ausgleich gedacht – kletterten die Preise um 10,5 Prozent auf 9,50 Euro pro Quadratmeter. Für Haushalte mit geringem Einkommen bedeutet das: Mehr als die Hälfte des gesamten Einkommens fließt mittlerweile in Miete und Betriebskosten.
Damit ist Wohnen im Kapitalismus längst kein Grundbedürfnis mehr, sondern eine ökonomische Belastungsprobe – jeden Monat aufs Neue.
Verzicht als Normalzustand
Die Folgen sind so banal wie brutal: 58 Prozent der Mieterinnen und Mieter geben an, dass sie aufgrund der Wohnkosten auf andere Ausgaben verzichten müssen. Verzicht auf was genau? Auf Freizeit, auf Konsum, auf Gesundheit, auf Lebensqualität. Kurz gesagt: auf alles, was über das bloße Überleben hinausgeht. Fast jeder dritte Mieter denkt inzwischen darüber nach, umzuziehen – im privaten Bereich sogar rund 40 Prozent. Nicht, weil er oder sie es will, sondern weil es finanziell notwendig wird.
Befristet, teuer, unsicher
Dazu kommt die systematische Unsicherheit. Mehr als die Hälfte der privaten Mietverträge ist befristet. Hohe Kautionen, steigende Betriebskosten und unklare Preisentwicklungen sorgen dafür, dass Wohnen zu einem permanenten Risiko wird. Ein Zuhause? Im Kapitalismus ist das vor allem eines: ein jederzeit kündbares Geschäftsverhältnis.
All das ist keine Überraschung. Wohnen ist im Kapitalismus keine soziale Frage, sondern ein Markt. Wohnraum wird nicht gebaut, um Menschen unterzubringen – sondern um Rendite zu erzielen. Jede Mietsteigerung, jede Befristung, jede Kaution erfüllt genau diesen Zweck: die maximale Verwertung von Eigentum. Dass Menschen dafür immer größere Teile ihres Einkommens aufbringen müssen, ist kein Fehler im System. Es ist die logische Folge eines Systems, in dem Grundbedürfnisse zur Ware gemacht werden.
Politische Untätigkeit als Programm
Die Arbeiterkammer fordert mehr leistbaren Wohnraum, strengere Mietregeln und mehr Transparenz. Forderungen, die seit Jahren gestellt werden – und ebenso lange ignoriert werden. Denn während Mieterinnen und Mieter rechnen müssen, rechnen sich für Investoren und Immobilienkonzerne steigende Preise hervorragend. Die Politik steht dabei nicht außerhalb dieses Systems. Sie verwaltet es.
Die Realität hinter den Zahlen
Die Studie aus Kärnten zeigt nur besonders deutlich, was längst überall Realität ist: Wohnen wird systematisch teurer, während die Einkommen stagnieren oder real sinken. Für die Arbeiterklasse bedeutet das eine schleichende Enteignung. Wohnen ist im Kapitalismus kein Recht, sondern ein Geschäft. Und solange dieses Geschäft funktioniert, wird sich daran nichts ändern.
Quelle: ORF



















































































