Eigentlich versteht sich die Europäische Union gern als globaler Akteur: gerne hält man der ganzen Welt eine vermeintlich regelbasierte Ordnung, strategische Autonomie, Wertegemeinschaft vor. Der aktuelle Konflikt mit Trump um Grönland zeigt einmal mehr ihre wahre Größe und Bedeutung im imperialistischen Weltsystem.
US-Präsident Donald Trump hat erneut klargemacht, dass er Grönland als sicherheitspolitisches Schlüsselgebiet betrachtet – und dass er bereit ist, ökonomischen Druck einzusetzen, um diesem Anspruch Nachdruck zu verleihen. Zusätzliche Zölle von zunächst zehn, später bis zu 25 Prozent sollen jene europäischen Staaten treffen, die es gewagt haben, auch nur symbolisch militärische Präsenz auf der Insel zu zeigen. Betroffen sind unter anderem Dänemark, Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Die Botschaft aus Washington ist unmissverständlich: Wer amerikanischen Interessen im Weg steht, zahlt.
In Brüssel reagiert man darauf mit einer Mischung aus Empörung und Ritualen. EU-Ratspräsident António Costa kündigt eine außerordentliche Gipfelrunde an, betont den „Respekt vor internationalem Recht“ und versichert Solidarität mit Dänemark und Grönland. Die Zölle, so heißt es, seien „unvereinbar“ mit transatlantischen Vereinbarungen. Denn was genau die EU diesem Vorgehen entgegensetzen will, außer ernsten Worten und dem Hinweis auf Dialogbereitschaft, bleibt wie so oft offen. Wie diese Dialogbereitschaft der EU im letzten Zoll Streit mit Trump ausgesehen hat, ist allgemein bekannt. Die EU hat in allem nachgegeben und sich vom NATO-Partner USA die Bedingungen diktieren lassen.
Währenddessen demonstrieren Tausende in Kopenhagen und Nuuk gegen die amerikanischen Pläne. „Greenland for Greenlanders“ steht auf den Transparenten, und Umfragen zeigen eine klare Ablehnung eines Anschlusses an die USA. Selbst Teile des US-Kongresses distanzieren sich demonstrativ von Trumps Kurs. Die europäische Politik hingegen beschränkt sich darauf, militärische Übungen anzukündigen und ihre prinzipielle Treue zur Souveränität zu betonen.
Gerade diese Rhetorik wirkt allerdings unerquicklich selektiv. Die EU beruft sich gern auf die Unverletzlichkeit nationaler Grenzen – vorausgesetzt, sie selbst ist nicht beteiligt. Ob in der Migrationspolitik, bei wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen oder in früheren außenpolitischen Interventionen: Der Respekt vor Souveränität galt stets unter Vorbehalt.
Hinzu kommt die ökonomische Dimension. Schon im vergangenen Jahr hatte die EU im Zollstreit mit Washington nachgegeben, vermittelt von nationalen Regierungen und unter starkem Druck exportabhängiger Industrien. Das Ergebnis galt selbst in Brüssel als dürftiger Kompromiss. Nun steht erneut die Frage im Raum, ob man Widerstand wagt oder abermals einlenkt.
So bleibt vom Anspruch der EU als geopolitische Großmacht vor allem ein vertrautes Bild: viel Pathos, wenig Hebel. Während Trump offen mit Zöllen, Drohungen und Machtpolitik operiert, setzt Europa auf Appelle und Gipfeltreffen. Grönland wird damit nicht nur zum Schauplatz eines transatlantischen Konflikts, sondern auch zum Spiegel europäischer Selbstüberschätzung – und ihrer erstaunlichen Hilflosigkeit, sobald jemand die Bühne wirklich betritt.
Quelle: jW/902.gr/902.gr/902.gr


















































































