Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) hat im vergangen Herbst einen Umbau des Bildungssystems angekündigt, der auch Änderungen bei den Lehrplänen vorsieht. Nun gibt es erste Hinweise, wie diese Änderungen konkret aussehen sollen.
Wien. Den vollständigen sogenannten „Plan Z“ zum Umbau des Bildungssystems will Christoph Wiederkehr erst im März vorlegen. Jedoch wurden in der Kronen Zeitung nun bereits erste Vorschläge berichtet, die vom Bildungsministerium bestätigt wurden. So soll im Gymnasium künftig ein neues Fach „Medien und Demokratie“ unterrichtet werden, ebenso soll aus Informatik der Gegenstand „Informatik und Künstliche Intelligenz“ mit mehr Wochenstunden werden.
Im Gegenzug sollen Lateinstunden gekürzt werden. Die zwölf Wochenstunden in den vier Oberstufenjahren sollen auf acht gekürzt werden. Im Durchschnitt wären das also zwei statt drei Stunden Latein pro Woche. Die Kürzung würde jedoch nicht nur Latein betreffen, denn auch in den Realgymnasien, wo die Schülerinnen und Schüler zwischen Latein und einer lebenden Fremdsprache, etwa Französisch oder Spanisch, wählen können, sollen Stunden gestrichen werden.
Applaus kam sofort von der Interessensvertretung des Kapitals in Österreich, der Industriellenvereinigung. In einer Aussendung wurde der Vorschlag als „erster Schritt auf dem Weg zu einem zukunftsfähigen Fächerkanon“ beschrieben. Auch der IT-Fachverband in der Wirtschaftskammer lobte den Vorschlag.
Die AHS-Lehrergewerkschaft kritisierte den Schritt im Ö1-Mittagsjournal als „Anschlag auf das Gymnasium und auf die Allgemeinbildung“. Lehrergewerkschafter Herbert Weiß von der Fraktion Christlicher Gewerkschafter kritisierte vor allem das Kürzen bei Sprachen und beklagte, dass die Gewerkschaft bisher nicht eingebunden gewesen sei.
Interessant ist, dass die Lehrergewerkschaft offensichtlich überhaupt keine Informationen darüber hat, wer „Medien und Demokratie“ sowie den „Kritischen Umgang mit KI“ im neuen Informatikfach unterrichten soll. Dafür brauche es ausgebildete Lehrkräfte: „Das wäre der wichtigere Schritt, dass man das zuerst macht und dann erst etwas einführt“.
Offen ist auch, worum es in den vorgeschlagenen Fächern überhaupt konkret gehen wird. Schon jetzt wird „Demokratie“ etwa im Geschichteunterricht oftmals als euphemistisches Synonym für das herrschende kapitalistische System verwendet, vor allem um in geschichtsrevisionistischer Manier den Sozialismus zu verunglimpfen. Die Gefahr, dass das Fach „Medien und Demokratie“ in erster Linie als Instrument des ideologischen Klassenkampfes des Kapitals vorgesehen ist, ist also durchaus real. Dieser ideologische Klassenkampf zeichnet sich an den Schulen dadurch aus, dass „die kapitalistische Gesellschaft samt des Konkurrenzdenkens, der Vereinzelung und des Ohnmachtsgefühls positiv verklärt werden“, schreibt die Jugendfront der Partei der Arbeit in ihren politischen Thesen zum Bildungssystem.
Auch dass in dem vorgeschlagenen Fach „Informatik und Künstliche Intelligenz“ eine tatsächlich kritische Auseinandersetzung mit KI vorgesehen ist, ist mehr als fraglich. Die letzten Bildungsreformen sprechen eine andere Sprache. „Eine Allgemeinbildung – auch innerhalb von Schultypen mit unterschiedlichem Schwerpunkt – wurde durch Kompetenzen und ‚tools‘, die nützlich für den Arbeitsmarkt sind, ersetzt.“, so die Jugendfront. Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer würden sich in jedem Fall damit zufriedengeben, wenn ein möglichst effektiver Umgang mit KI gelehrt wird, der für die zukünftigen Arbeitgeber der Schülerinnen und Schüler profitabel verwertbar ist.
Quellen: ORF/ORF/Jugendfront




















































































