Oberösterreich. Mit steigenden Temperaturen und hoher Bodenfeuchtigkeit beginnt auch heuer wieder die Hochsaison für Zecken. Fachleute gehen von einem intensiven Zeckenjahr aus. Besonders relevant ist dabei die hohe Durchseuchung der Tiere mit Krankheitserregern: Laut aktuellen Einschätzungen kann bis zu jede dritte Zecke Borrelien in sich tragen.
Hohe Erregerbelastung bei Zecken
Im Ordensklinikum Elisabethinen Linz wird bereits ein Anstieg von Zeckenstichen beobachtet. Die Virologin Heidrun Kerschner weist darauf hin, dass die Durchseuchung mit Borrelien regional sehr hoch ist. Neben Borrelien spielen auch FSME-Viren (Frühsommer-Meningoenzephalitis) eine wichtige Rolle. In sogenannten Hochendemiegebieten trägt etwa jede zwanzigste Zecke das Virus.
Übertragungsrisiken und Zeitfaktor
Die Übertragung der Krankheitserreger hängt stark von der Dauer des Zeckenbisses ab. Während FSME-Viren bereits innerhalb weniger Stunden übertragen werden können, erfolgt die Übertragung von Borrelien in der Regel verzögert – oft erst nach mehreren Stunden bis zu zwei Tagen. Daraus ergibt sich eine zentrale Präventionsmaßnahme: Zecken sollten möglichst rasch und vollständig entfernt werden, um das Infektionsrisiko zu minimieren.
Unterschiedliche Krankheitsbilder
Die beiden wichtigsten durch Zecken übertragenen Erkrankungen unterscheiden sich deutlich in Ursache und Verlauf:
- FSME ist eine Virusinfektion, die häufig zweiphasig verläuft. Nach einer ersten, unspezifischen Phase kann es nach einer symptomfreien Zeit zu einer zweiten Phase mit hohem Fieber und starken Kopfschmerzen kommen. In schweren Fällen ist das zentrale Nervensystem betroffen.
- Borreliose wird durch Bakterien verursacht. Typisch ist ein sich ausbreitender Hautausschlag (Erythema migrans) an der Einstichstelle, der sich über mehrere Tage vergrößert.
Die Infektiologin Petra Apfalter betont, dass insbesondere der neurologische Befall bei FSME die schwerwiegende Komplikation darstellt.
Impfung als wirksamer Schutz
Gegen FSME steht eine wirksame Schutzimpfung zur Verfügung. Diese wird idealerweise in den Wintermonaten begonnen, kann aber auch im Frühjahr noch sinnvoll nachgeholt werden. Die epidemiologische Bedeutung zeigt sich auch in den Zahlen: In Oberösterreich mussten im Jahr 2025 insgesamt 53 Personen aufgrund einer FSME-Erkrankung stationär behandelt werden – der höchste Wert im bundesweiten Vergleich.
Neue Zeckenarten im Fokus
Neben den heimischen Zeckenarten werden vereinzelt auch sogenannte „Riesenzecken“ (z. B. Hyalomma-Arten) in Österreich nachgewiesen. Diese stammen ursprünglich aus südlicheren Regionen, etwa dem Balkan, und unterscheiden sich durch ihr Verhalten: Sie verfügen über Augen und können aktiv auf potenzielle Wirte zulaufen. Bisher wurden in Österreich nur wenige Exemplare gefunden, ihre weitere Ausbreitung wird jedoch wissenschaftlich beobachtet.
Prävention entscheidend
Zecken halten sich bevorzugt in hohem Gras und in feuchten Umgebungen auf. Neben der raschen Entfernung von Zecken wird empfohlen, geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen, etwa durch lange Kleidung und regelmäßige Kontrolle des Körpers nach Aufenthalten im Freien. Angesichts der hohen Durchseuchung mit Krankheitserregern und der zunehmenden Aktivität der Zecken bleibt die Prävention ein zentraler Bestandteil im Umgang mit zeckenübertragenen Infektionen.
Quelle: ORF




















































































