Der Knesset-Abgeordnete Ofer Cassif sieht im Angriff auf Iran eine gefährliche Eskalation der internationalen Politik. Er warnt vor einer Ausweitung des Konflikts, kritisiert die Rolle der USA und Israels und spricht zugleich von einer Verschärfung der Situation für Palästinenserinnen und Palästinenser.
Der israelische Knesset-Abgeordnete Ofer Cassif von der Kommunistischen Partei Israels (CPI) warnt vor einer gefährlichen Zuspitzung der internationalen Lage infolge des Angriffs auf Iran. In einem Interview mit dem Morning Star erklärte er, die Politik von US-Präsident Donald Trump und dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu könne die Welt in einen „ewigen Krieg“ treiben.
„Die Welt riskiert, durch Donald Trump und Benjamin Netanjahu in einen ‚ewigen Krieg‘ hineingezogen zu werden, und nur Bürgerinnen und Bürger, die sich für den Frieden erheben, können das verhindern“, sagte Cassif.
Der Angriff auf Iran beruhe seiner Einschätzung nach auf falschen Begründungen und diene bereits als „Rauchvorhang für verstärkte Gewalt und ethnische Säuberungen im besetzten Palästina“.
Cassif sieht auch eine geopolitische Dimension hinter der Eskalation. Die Vereinigten Staaten hätten das Jahr 2026 mit Versuchen begonnen, zwei wichtige Öllieferanten Chinas zu schwächen – Venezuela und Iran. „Das ist kein Zufall—eines der Hauptinteressen besteht darin, es China zu erschweren, Öl zu kaufen“, erklärte er. Sollte sich der Konflikt weiter ausweiten, könne dies im schlimmsten Fall sogar zu einer globalen Konfrontation führen. Zugleich betont er jedoch: „Die Situation der Iraner und Palästinenser ist viel schlimmer.“
Nach seiner Einschätzung verfolgen die USA und Israel eine Strategie, den Nahen Osten politisch zu destabilisieren. Ziel sei es, Staaten zu schwächen oder zu spalten, um Kontrolle über die Region zu gewinnen. „Wir haben es in Libyen gesehen. Wir haben es im Libanon, in Syrien und im Irak gesehen. Die imperialistische Absicht ist es, eine Situation zu schaffen, in der Iran geteilt wird“, sagte Cassif.
Kritik an US-Außenpolitik und israelischer Regierung
Der Abgeordnete sieht die aktuelle Politik Washingtons in einer längeren Tradition US-amerikanischer Interventionen. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien die USA von der Monroe-Doktrin zur Truman-Doktrin übergegangen, die weltweite Eingriffe gegen politische Gegner legitimierte.
„Trump—entgegen seinen Versprechen und entgegen den Vorstellungen seiner ‚MAGA‘-Basis—hat die Truman-Doktrin radikalisiert. Aber es ist dieselbe Doktrin“, sagte Cassif.
Aus seiner Sicht verfolgt die US-Regierung dabei nicht nur wirtschaftliche Interessen. „Unaufhörliche Aggression ist politisch, nicht nur ökonomisch“, erklärte er. Zwar verfügten Länder wie Venezuela oder Iran über wichtige Ressourcen wie Öl, doch gehe es darüber hinaus auch um eine umfassendere geopolitische Strategie.
Gleichzeitig widerspricht Cassif der Vorstellung, die USA würden lediglich der Politik Israels folgen. Zwar habe Netanjahu ein eigenes Interesse an einer dauerhaften militärischen Eskalation. „Er ist daran interessiert, alles zu tun, um nicht ins Gefängnis zu kommen, was bedeutet, an der Macht zu bleiben“, sagte Cassif.
Doch auch Washington verfolge eigene strategische Ziele. „Es klingt verrückt, und vielleicht haben wir es mit einem verrückten Präsidenten zu tun, aber es gibt eine Logik—wenn man so will, einen Masterplan.“
Der Angriff auf Iran stehe außerdem im Zusammenhang mit der Aufkündigung des internationalen Atomabkommens durch die USA. Cassif verweist darauf, dass selbst israelische Experten bestätigt hätten, dass Iran sich zuvor an die Vereinbarung gehalten habe. „Sie lügen“, sagte er über die Behauptung, das iranische Atomprogramm stelle erneut eine unmittelbare Bedrohung dar.
Gleichzeitig betont Cassif, dass seine Kritik an den Angriffen keine Unterstützung für die iranische Regierung bedeutet. „Es ist ein fundamentalistisches, mörderisches Regime, das sein eigenes Volk unterdrückt“, erklärte er. Veränderungen im Iran müssten jedoch von der iranischen Bevölkerung selbst ausgehen: „Es liegt am iranischen Volk, es zu stürzen, und nicht an Menschen, die ihr Leiden als Vorwand benutzen.“
Sorge um Palästina und zunehmende Gewalt im Westjordanland
Besonders besorgt zeigt sich Cassif über die Auswirkungen des Krieges auf die Palästinenserinnen und Palästinenser. Seiner Einschätzung nach nutzt die israelische Regierung den Konflikt, um ihre Politik in den besetzten Gebieten weiter zu verschärfen.
Bereits vor dem 7. Oktober habe er davor gewarnt, dass Teile der Regierung einen Plan verfolgen, der die Zukunft Palästinas auf drei Möglichkeiten reduziere: „Unterwerfung, Vertreibung und Vernichtung“. Die Regierung plant, „das gesamte palästinensische Gebiet zu annektieren, ohne den Palästinensern grundlegende politische oder zivile Rechte zu gewähren; alle Palästinenser zu vertreiben, die dieses Schicksal nicht akzeptieren; und diejenigen zu töten, die versuchen, Widerstand zu leisten.“
Im Westjordanland beobachtet Cassif eine zunehmende Gewalt durch radikale Siedlergruppen. Diese würden palästinensische Gemeinden angreifen, Felder zerstören und Bewohner bedrohen oder verletzen. Die Gruppen seien zwar formal zivil, würden aber „vom Staat finanziert, ermutigt und unterstützt, geschützt von den Besatzungstruppen“.
Gleichzeitig würden israelische Friedensaktivisten zunehmend eingeschränkt. Teile des Westjordanlands seien zuletzt zu militärischen Sperrgebieten erklärt worden, wodurch Beobachterinnen und Beobachter aus der Zivilgesellschaft ausgeschlossen würden. In einigen Fällen seien israelische Aktivistinnen und Aktivisten selbst von Siedlern angegriffen worden.
Protest als mögliche Gegenkraft
Cassif setzt dennoch auf gesellschaftlichen Widerstand gegen die Eskalation. In Israel sei die Unterstützung für militärische Operationen zunächst oft groß, doch mit der Zeit beginne sich die öffentliche Meinung zu verändern.
„Wie beim ersten Libanonkrieg oder jüngst in Gaza unterstützt die Mehrheit der Bevölkerung zu Beginn vollständig den Angriffskrieg. Nach einer Weile steigt der Druck … und die Menschen beginnen ihre Meinung zu ändern“, sagte er.
Derzeit seien Gegner des Krieges gegen Iran noch in der Minderheit, doch größer als bei früheren Konflikten. „Mehr Menschen als zuvor verstehen, dass wir es mit einer Regierung und einem Premierminister zu tun haben, denen das Wohlergehen der Bevölkerung egal ist und die sich nur um ihre eigene Macht kümmern.“
Die Kommunistische Partei Israels und das Bündnis Hadash wollen deshalb weiterhin Proteste organisieren. Auch eine gemeinsame Erklärung mit den kommunistischen Parteien Irans und der Vereinigten Staaten gegen den Krieg ist geplant. Zudem soll in Tel Aviv eine Demonstration gegen Krieg und Besatzung stattfinden.
„Nur Bürgerinnen und Bürger, die sich für den Frieden erheben, können das verhindern“, sagte Cassif.
Quelle: IDC
















































































