Eine 31-jährige Frau, getötet vom Ex-Partner, verpackt in einem Koffer, verscharrt im Wald – und das alles mitten in Österreich, mitten im Alltag. Wieder ein Frauenmord, wieder ein Mann, wieder eine tote Frau.
Graz. Eine 31-jährige Frau aus Graz wurde tot in einem vergrabenen Koffer in einem slowenischen Waldstück gefunden. Der Ex-Freund zeigt sich geständig. Die Tat ist brutal, die Details erschüttern – doch was Politik, Medien und Justiz meist als „Beziehungstat“ oder „Einzelfall“ verharmlosen, ist in Wahrheit Teil einer gesellschaftlichen Realität: Männer töten Frauen, weil sie Frauen sind. Und der Kapitalismus tötet mit.
Wieder ist es der (Ex-)Partner. Wieder begann alles mit Kontrolle, Besitzansprüchen, Eskalation. Wieder hörten Nachbarinnen und Nachbarn einen Streit – und wieder griff niemand ein. Wieder verschwand eine Frau, wieder wurde tagelang gesucht, wieder folgte die grausame Gewissheit. Der Koffer im Wald, das verbrannte Auto, die Blutspuren in der Wohnung – das ganze makabre Inventar eines Gewaltverbrechens, das sich nahtlos einreiht in die Statistik von Frauenmorden in Österreich und Europa.
Der Täter versuchte, die Spuren zu vernichten, schleppte den Leichnam über die Grenze und zündete sein Auto an. Dieses Vorgehen ist kein Ausdruck „plötzlicher Verzweiflung“, sondern von patriarchaler Gewalt. Und sie wird von einem System getragen, das Frauen weiterhin als Besitz betrachtet – als etwas, das man kontrollieren, benutzen und notfalls auch „entsorgen“ kann.
Dass die Ermordete in Medien oft zuerst als „Influencerin“ bezeichnet wird, ist dabei kein Zufall. Die bürgerliche Berichterstattung reduziert Frauen selbst im Tod auf ihr öffentliches Image, auf Klickzahlen, Reichweite, Marktwert. Der reale Mensch, die Arbeiterin, Freundin, Tochter, verschwindet hinter der verwertbaren Schlagzeile. Auch der Tod wird zur Ware.
Wir dürfen diese Gewalt nicht als individuelles „Beziehungsdrama“ verklären, sondern müssen sie als Resultat gesellschaftlicher Machtverhältnisse begreifen. Frauen werden im Kapitalismus doppelt unterdrückt: ökonomisch ausgebeutet und patriarchal kontrolliert. Ökonomische Abhängigkeit, prekäre Lebensverhältnisse, fehlende leistbare Schutzräume, überlastete Frauenhäuser und ein chronisch unterfinanziertes Hilfesystem sorgen dafür, dass viele Betroffene nicht fliehen können – oder zu spät fliehen.
Der Staat reagiert wie immer: mit Betroffenheitsrhetorik, Kerzen, Schweigeminuten. Aber nicht mit dem massiven Ausbau von Schutzinfrastruktur, nicht mit flächendeckender psychosozialer Betreuung, nicht mit realem ökonomischem Schutz für gefährdete Frauen aus der Arbeiterklasse. Repression ersetzt Prävention, nachdem es bereits zu spät ist.
Der Mord an dieser 31-jährigen Frau ist kein Ausrutscher aus einer sonst „gesunden“ Gesellschaft. Er ist Produkt eines Systems, das Macht, Besitzdenken, Konkurrenz und Gewalt tagtäglich reproduziert. Solange Frauen wirtschaftlich abhängig bleiben, solange Rollenbilder systematisch reproduziert werden, solange der Schutz von Frauen dem Spardiktat untergeordnet ist, solange bleibt jeder weitere Frauenmord nur eine Frage der Zeit.
Es gilt diesen Kreislauf nicht länger zu ertragen, sondern zu brechen. Nicht mit Appellen an „Anstand“, sondern durch die Zerschlagung der materiellen Grundlagen patriarchaler Gewalt: ökonomische Unabhängigkeit für Frauen, kostenloser Zugang zu Schutz, Therapie und Wohnraum, kollektive Verantwortung statt individualisierter Schuld – und letztlich der Bruch mit einem Gesellschaftssystem, das Gewalt gesetzmäßig hervorbringt.
Diese Frau wurde getötet. Nicht aus „Liebe“, nicht aus „Eifersucht“, sondern aus einem tödlichen Anspruchsdenken eines Mannes, das diese Gesellschaft täglich neu hervorbringt. Ihr Tod ist kein tragischer Ausnahmefall. Er ist eine Anklage.
Quelle: ORF















































































