Vorarlberg. In dem inzwischen gelöschten Clip wird ein Mann gezeigt, dem eingeblendet wird, er habe „Stress“ und wolle „etwas schlagen“. Zuerst werden Bürogegenstände mit Preisschildern gezeigt. Dann erscheint eine Frau – mit dem eingeblendeten Preis „0 Euro“. Der Mann springt auf sie zu. Schnitt. Ende.
Dass ausgerechnet eine regionale Filiale der Raiffeisenbank Dornbirn ein Video veröffentlicht, das Gewalt gegen Frauen als „witzige“ Pointe inszeniert, ist kein peinlicher Ausrutscher. Es ist ein besonders deutlicher Ausdruck jener Logik, in der jede gesellschaftliche Grenze überschritten werden dürfe – solange Reichweite, Aufmerksamkeit und Markenpräsenz stimmen.
Dass dieses Bild in einem Bankmarketingvideo reproduziert wird, ist kein Zufall. Es passt zu einer ökonomischen Kultur, in der selbst menschliche Würde und körperliche Unversehrtheit als verfügbare Kulisse für Aufmerksamkeit herhalten müssen.
Die Erklärung, die Irina Oberguggenberger vom ORF liefert, mag sachlich korrekt sein, doch gleichzeitig ist sie entlarvend: Unternehmen versuchten, „die Sprache der Plattformen“ zu sprechen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Übersetzt heißt das: Die Sprache der Plattformen ist längst die Sprache des Marktes – zugespitzt, zynisch, entmenschlichend. Und wenn sich diese Sprache nur noch mit Gewaltbildern steigern lässt, dann werden eben Gewaltbilder produziert.
Dass Frauen dabei besonders häufig zur Projektionsfläche werden, ist strukturell. Sexismus verkauft sich. Angst verkauft sich. Erniedrigung verkauft sich. Und in einem kapitalistischen Kommunikationssystem gilt: Alles was Klicks bringt, ist legitim.
Der Vorstandsdirektor der Raiffeisenbank im Rheintal, Gernot Erne, erklärt den Vorfall mit einem versagenden internen Freigabeprozess. Man habe klare Abläufe, diese hätten „in diesem Fall nicht funktioniert“. Das ist eine bequeme Ausrede. Denn das Problem ist nicht ein fehlender Haken im Freigabetool. Das Problem ist, dass offenbar niemand im Produktionsprozess dieses Videos ernsthaft hinterfragt hat, ob es akzeptabel ist, Gewalt gegen Frauen als Pointe zu verwenden.
Ein „Fehler“ ist das nur dann, wenn man davon ausgeht, dass Marketing grundsätzlich neutral wäre – und nur versehentlich in menschenverachtende Bilder abrutscht. In Wahrheit zeigt der Clip, wie selbstverständlich patriarchale Gewaltmotive in der Werbe- und Kommunikationspraxis abrufbar sind.
Gewalt gegen Frauen ist kein abstraktes Kulturproblem. Sie trifft in erster Linie Frauen aus der Arbeiterklasse, prekär Beschäftigte, Migrantinnen, Alleinerzieherinnen – jene, die ökonomisch am wenigsten geschützt sind.
Während Banken wie Raiffeisen täglich von den Einkommen lohnabhängiger Menschen leben – von Kontoführungsgebühren, Krediten, Zinsen und Gebühren –, wird die reale Gewalt, die viele Frauen im Alltag erleben, zur humoristischen Staffage degradiert. Die Logik dahinter ist dieselbe, die auch in der Arbeitswelt wirkt: Frauenarbeit gilt als billiger. Frauenleben gelten als weniger schützenswert. Frauenkörper gelten als verfügbar.
Dass bei der Frau „0 Euro“ eingeblendet werden, ist keine missglückte Pointe – es ist die zynische Botschaft eines Systems, in dem Frauenleben im Zweifel als wertlos gelten, solange sie keinen Profit abwerfen.
Quelle: ORF



















































































