Kronstorf. Auf der Baustelle für das geplante Rechenzentrum des Tech-Konzerns Google in Kronstorf stehen derzeit die Arbeiten still. Auslöser ist eine Razzia der Finanzpolizei, bei der zahlreiche Verstöße festgestellt wurden. Was hier als „Problem mit Subfirmen“ dargestellt wird, ist in Wahrheit ein altbekanntes System: globale Konzerne, die ihre Profite auf einem Geflecht aus Subunternehmen und prekärer Arbeit aufbauen.
26 Verstöße bei 30 Arbeitern
Bei der Kontrolle wurden 26 Verstöße festgestellt – bei etwas mehr als 30 beschäftigten Arbeitern. Es geht um illegale Beschäftigung, Probleme bei der Sozialversicherung sowie mögliche Fälle von Lohn- und Sozialdumping. Mit anderen Worten: Ein Großteil der Arbeit auf dieser Baustelle bewegte sich außerhalb legaler oder zumindest fairer Arbeitsbedingungen. Die möglichen Strafen belaufen sich auf rund 70.000 Euro.
Subunternehmen als System
Offiziell zeigt sich der Konzern überrascht. Man habe die Arbeiten selbst gestoppt und versichere, solche Vorgänge nicht zu tolerieren. Derartige PR-Aussagen sollen nur den Kern des Problems verschleiern. Denn genau dieses System – die Auslagerung von Arbeit an Subfirmen – ist Teil der Geschäftsstrategie. Große Konzerne vergeben Aufträge an Generalunternehmer, diese wiederum an Subunternehmen, die oft noch weitere Subfirmen beschäftigen. Am Ende der Kette stehen Arbeiter, die unter prekären Bedingungen arbeiten, oft schlecht bezahlt, häufig ohne ausreichende Absicherung und mit hohem Risiko.
Saubere Bilanz nach oben, Ausbeutung nach unten
Für den Konzern selbst bleibt die Bilanz sauber. Nach außen präsentiert man sich als verantwortungsbewusst, nachhaltig und regelkonform. Die tatsächlichen Arbeitsbedingungen verschwinden hinter Vertragskonstruktionen und Zuständigkeitsfragen. Wenn dann Verstöße auffallen, kann man sich distanzieren: Es seien „die Subfirmen“ gewesen. Doch ohne dieses System wäre die Kostenstruktur vieler Großprojekte nicht aufrechtzuerhalten.
Die entscheidende Frage ist daher nicht, wann die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden. Die entscheidende Frage ist: Unter welchen Bedingungen? Solange Großkonzerne ihre Projekte über komplexe Subunternehmerketten abwickeln, solange Kostenminimierung über Arbeitsrechten steht und solange Kontrolle erst dann erfolgt, wenn Verstöße bereits Realität sind, wird sich an diesem Muster wenig ändern.
Quelle: ORF



















































































