Die angekündigte Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf sorgt weiter für Unruhe. Neben den Beschäftigten sind auch hunderte landwirtschaftliche Betriebe im Marchfeld von der Entscheidung betroffen. Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich hofft noch auf eine Lösung zur Weiterverarbeitung des heimischen Tiefkühlgemüses.
Ardo hatte vergangene Woche angekündigt, das Werk in Groß-Enzersdorf schrittweise zu schließen. Die Produktion soll noch bis Dezember weiterlaufen, anschließend werden die Produktionslinien nach und nach stillgelegt. Rund 190 Beschäftigte sollen gekündigt werden, lediglich sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vertrieb und Vertriebsinnendienst sollen am Standort verbleiben. Außerdem verliebt über fünfzig Leihrarbeiter ihren Einsatzort.
Für die betroffenen Beschäftigten bedeutet die angekündigte Schließung einen tiefen Einschnitt.
500 landwirtschaftliche Betriebe betroffen
Die Auswirkungen der Schließung gehen weit über das Werkstor hinaus. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer Niederösterreich sind rund 500 Betriebe Mitglied der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG). Auf etwa 3.300 Hektar wird vor allem im Marchfeld Gemüse für die Verarbeitung angebaut.
Im vergangenen Jahr wurden laut Landwirtschaftskammer rund 40.000 Tonnen Rohware mit einem Wert von etwa 18,5 Millionen Euro an Ardo geliefert. Für viele landwirtschaftliche Betriebe ist die Verarbeitung damit ein wesentlicher Bestandteil ihrer Produktion.
Besonders problematisch ist, dass es für bestimmte Kulturen derzeit kaum Alternativen gibt. Landwirtinnen und Landwirte haben über Jahre in Bewässerungsanlagen, Maschinen und die entsprechende Infrastruktur investiert. Anders als Ardo selbst also versucht in die Zukunft zu 8nvestieren. Fällt der bisherige Abnehmer weg, können diese Investitionen nicht ohne Weiteres für andere Kulturen genutzt werden.
Hinzu kommt, dass Tiefkühlgemüse nach der Ernte möglichst rasch verarbeitet werden muss. Lange Transportwege zu anderen Verarbeitungsstandorten könnten daher zusätzliche Kosten verursachen und die Verarbeitung erschweren.
Gespräche über Zukunft der Produktion
Die Landwirtschaftskammer will die Schließung deshalb noch nicht als endgültig hinnehmen. Für die kommende Woche sind Gespräche mit dem Land Niederösterreich und dem Bund angekündigt. Ziel ist es, Möglichkeiten zu finden, wie die Verarbeitung von heimischem Tiefkühlgemüse weiterhin in Österreich stattfinden kann.
Die Ausgangslage ist allerdings schwierig: Ardo will die Produktionsanlagen aus Groß-Enzersdorf an andere bestehende Standorte in Europa verlagern. Eine einfache Übernahme des Standorts durch einen anderen Betreiber ist damit nach derzeitigem Stand nicht vorgesehen.
Trotzdem besteht bei Abnehmern weiterhin Interesse an Gemüse aus dem Marchfeld. Ein deutsches Lebensmittelunternehmen sowie eine internationale Handelskette haben laut ORF Interesse signalisiert, weiterhin Gemüse aus der Region zu beziehen. Offen bleibt damit vor allem, wo dieses Gemüse künftig verarbeitet werden soll.
Beschäftigte dürfen nicht zum Verlierer werden
Neben der Frage, ob die regionale Gemüseproduktion gerettet werden kann, bleibt damit die Situation der Beschäftigten zentral. Die Entscheidung von Ardo betrifft nicht nur abstrakte Arbeitsplätze, sondern insgesamt rund 240 Menschen und ihre Familien.
Sollte die Schließung tatsächlich umgesetzt werden, muss daher sichergestellt werden, dass die Betroffenen nicht ohne ausreichende Unterstützung dastehen. Ein guter Sozialplan und eine Arbeitsstiftung können zwar den Verlust des Arbeitsplatzes nicht ersetzen, sie können aber dazu beitragen, die sozialen Folgen der Betriebsschließung abzufedern und neue berufliche Perspektiven zu schaffen.
Die Belegschaft zeigte sich in der Vergangenheit als kampfbereit, vielleicht gelingt es ihnen auch dieses Mal für ihre Interesse gemeinsamen zu kämpfen.
Quelle: ORF





















































































