Es ist nicht das erste Mal, dass Boeing hier bei uns ein Thema ist. Über Kündigungswellen, Widerstand der Belegschaften sowie Gewinne für das Kapital aus Krieg und menschlichem Leid wurde in der ZdA bereits ausführlich berichtet. Und wie die Familien und Freunde der 346 Todesopfern sehr gut wissen, ist es auch keinesfalls das erste Mal, dass Störungen beim Typ Boeing 737 MAX auftreten.
Die neu bestätigte Störung ist softwarebezogen. Sie kann automatische Navigationsfunktionen während Prozessen für die Landung unverfügbar machen. Es wurde beobachtet, dass die Störung vorkommt, wenn nach abgebrochenem Landeanflug die Besatzung die Flugroute ändert.
Diese neue Störung wurde durch einem Bericht des „Wall Street Journal“ bekannt, den Boeing bestätigt hat. Laut Boeing, besteht kein sofortiger Handlungsbedarf. Es wird um eine dauerhafte Lösung bezüglich der Software gearbeitet. Mittlerweile argumentiert Boeing, dass dem Flugpersonal klare Protokolle zur Verfügung stehen, wenn die Störung wieder auftritt.
Während die Bedeutung dieses technischen Fehlers von Laien nicht eingeschätzt werden kann, kann jede und jeder aber ein paar Sachen rund um Verantwortung der Firmen im Kapitalismus verstehen.
Erstens, man sieht hier klar, was Profitmacherei bedeutet. Nicht einmal nach 346 Todesopfern ist die Firma bereit, die Maschinen am Boden zu halten, um seriöse sowie dauerhafte Untersuchungen durchzuführen.
Zweitens, die Aussage, dass man an einer dauerhaften Lösung arbeitet, kann auch als leeres kommunikatives Element verstanden werden. Bei derartigen Problemen sind Software Updates oft als dauerhafte Lösungen gemeint. Solche Updates sind ohnehin geplant und daher bereits budgetiert. Also, die Firma strebt offenbar nach einer Lösung, die das Budget nicht zusätzlich belastet.
Drittens, die Firma schiebt die Verantwortung auf das Flugpersonal und zwar betreffend einer Störung, die während des Fliegens auftritt. Protokolle und Anweisungen für Störungen sind gut und wichtig, jedoch werden sie von Firmen ‑in dem Fall von Boeing- missbraucht, da sie als Drehscheibe für Verantwortung funktionieren.
Solche Fälle legen deutlich offen, dass Kapitalismus und das Privateigentum von großen Firmen bzw. Schlüsselsektoren sehr problematisch für die Gesellschaft sein können. Solange die Produktion profitorientiert ist, kann es passieren, dass finanzielle Interessen der Wenigen zum Lebensrisiko der Vielen werden können.
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