In Österreich waren im Jahr 2023 121.930 junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren weder in Ausbildung noch erwerbstätig oder in einer Schulungsmaßnahme. Das entspricht 12,9 Prozent dieser Altersgruppe. Diese sogenannten NEETs („Not in Education, Employment or Training“) stehen im Mittelpunkt einer aktuellen Auswertung der Statistik Austria.
Auf den ersten Blick wirkt der Anteil stabil: Seit rund fünfzehn Jahren bewegt sich die Quote in einer ähnlichen Größenordnung. Doch ein genauerer Blick zeigt deutliche Veränderungen innerhalb dieser Gruppe. Wie die fachstatistische Generaldirektorin der Statistikbehörde, Manuela Lenk, hervorhebt, hat sich vor allem die soziale Zusammensetzung der betroffenen Jugendlichen verschoben.
Migration und Bildungsniveau prägen das Bild
Besonders auffällig ist der steigende Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund unter den NEETs. Rund jede zweite betroffene Person gehört mittlerweile zu dieser Gruppe. Gleichzeitig hat sich auch das Bildungsprofil verändert: Der Anteil jener, die maximal einen Pflichtschulabschluss haben, ist gestiegen, während weniger Jugendliche mit abgeschlossener Lehre in der NEET-Gruppe vertreten sind.
Auch regional zeigen sich deutliche Unterschiede. Während die NEET-Quote österreichweit bei knapp 13 Prozent liegt, fällt sie in der Bundeshauptstadt Wien mit 17,7 Prozent deutlich höher aus, das ist fast jeder vierte.
Die Statistik zeigt außerdem, dass der NEET-Status für viele Jugendliche nicht dauerhaft ist. Rund 60 Prozent der Betroffenen finden innerhalb von zwei Jahren wieder Zugang zu Ausbildung oder Beschäftigung. Dennoch bleibt es eine Gruppe, bei der sich Ausgrenzung über längere Zeit verfestigt. Gerade längere Phasen ohne Ausbildung oder Arbeit können den späteren Einstieg in den Arbeitsmarkt erschweren.
Entwicklung seit der Finanzkrise
Dass sich die Gesamtquote seit rund eineinhalb Jahrzehnten kaum verändert hat, ist auch vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung zu sehen. Seit der internationalen Finanzkrise und der darauffolgenden wirtschaftlichen Umbrüche stagnieren zentrale Indikatoren für junge Menschen am Arbeitsmarkt. Übergänge von Schule in Ausbildung oder Beschäftigung sind komplexer geworden, gleichzeitig hat sich der Druck auf niedrig qualifizierte Arbeitskräfte erhöht.
Die aktuellen Daten zeigen somit eine strukturelle Stabilität auf relativ hohem Niveau, bei gleichzeitig wachsender sozialer Ungleichheit innerhalb der betroffenen Gruppe. Wieder einmal hat die Politik gesagt, es wurden keine adäquaten Maßnahmen gesetzt um die Lage der Jugendlichen zu verbessern.
Neue Unsicherheiten
Hinzu kommt, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen derzeit erneut verändern. Vor dem Hintergrund von Budgetkonsolidierungen und angekündigten Sparmaßnahmen in verschiedenen Bereichen wird in der Sozial- und Bildungsforschung diskutiert, welche Auswirkungen dies auf Jugendliche am Übergang zwischen Schule, Ausbildung und Arbeitsmarkt haben könnte. Eines ist klar: Für die Krisen des Kapitalismus zahlen nicht die Profiteure des Systems, es zahlt die Arbeiterklasse und so auch ihre Jugend.
Gerade Programme der Arbeitsmarktintegration, Bildungsangebote oder sozialpädagogische Begleitung gelten als wichtige Faktoren, um längere Phasen ohne Ausbildung oder Beschäftigung zu verhindern. Wenn sich diese Rahmenbedingungen verändern, könnte sich die Situation jener Jugendlichen verschärfen, die bereits heute besonders von Ausgrenzung betroffen sind.
Quelle: Statistik Austria





















































































