Innsbruck. Eine Studie im Auftrag der Arbeiterkammer Tirol bestätigt, was viele Beschäftigte längst spüren: Trotz steigender Löhne bleibt am Ende weniger übrig. Zwischen 2022 und 2025 haben die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Tirol real Einkommen verloren. Die Lohnerhöhungen wurden großteils von steigenden Preisen für Wohnen, Lebensmittel und andere Grundkosten aufgefressen.
Bei der Präsentation der Studie erklärte AK-Präsident Erwin Zangerl, dass die Lohnsteigerungen nicht auf den Sparkonten der Beschäftigten gelandet seien, sondern „zum überwiegenden Teil in höhere Preise“ geflossen seien. Mit anderen Worten: Was auf dem Lohnzettel mehr erscheint, verschwindet beim Bezahlen von Miete, Supermarkt und Gasthaus sofort wieder.
Zwei Drittel der Lohnerhöhung verschwinden in höheren Preisen
Die Studie rechnet das Problem einfach herunter: Von 100 Euro zusätzlichem Lohn gingen laut den Berechnungen der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung im Durchschnitt 66 Euro direkt für höhere Preise drauf.
Besonders stark belasten laut Studie die Kosten für Wohnen und Miete (15 Euro), Lebensmittel (11 Euro) und Gastronomie (ebenfalls 11 Euro). Und selbst das verbleibende Drittel der Lohnerhöhung ist nicht wirklich frei verfügbar – denn auch andere Ausgaben und Abgaben sind gestiegen.
Die Folge: Viele Beschäftigte verdienen nominell mehr, können sich real aber weniger leisten.
Kaufkraftverlust trotz Arbeit
Ein durchschnittlicher Konsument musste laut Studie im Juni 2025 384 Euro mehr für seinen monatlichen Konsum ausgeben als noch im Jänner 2022. Besonders deutlich wird das bei Beschäftigten, die über den gesamten Zeitraum beim gleichen Arbeitgeber geblieben sind. Für diese rund 128.000 Tirolerinnen und Tiroler ergibt sich laut Berechnung ein realer Einkommensverlust von 2.166 Euro.
Auch drei der fünf untersuchten Beschäftigungsgruppen verloren real Einkommen. Nur eine Gruppe – Beschäftigte, die ihre Arbeitszeit ausweiteten oder den Job wechselten – konnte ihre Verluste teilweise ausgleichen. Diese Gruppe umfasst allerdings nur etwa 26 Prozent der Beschäftigten.
Die alte Erzählung von den „zu hohen Löhnen“
Die Studie widerspricht außerdem einem beliebten wirtschaftspolitischen Narrativ: dass steigende Löhne die Inflation verursachen würden.
Laut den vorgelegten Daten verlief die Entwicklung genau umgekehrt. Die Preise stiegen zuerst – die Löhne folgten erst später. Lohnabschlüsse in Branchen wie Metall oder Tischlerei konnten zeitweise Entlastung bringen, doch über den gesamten Zeitraum blieb dennoch ein realer Verlust.
Mit anderen Worten: Die Beschäftigten haben die Teuerung nicht ausgelöst. Sie zahlen sie.
Kapitalismus mit Preisgarantie – für Konzerne
Diese Entwicklung überrascht kaum. In einer Wirtschaft, in der Wohnen, Lebensmittel und Energie vor allem Waren sind, entscheidet nicht der Bedarf der Menschen über Preise – sondern Profitinteressen.
Wenn Preise steigen, werden die Kosten an die Konsumentinnen und Konsumenten weitergegeben. Wenn Löhne steigen, werden sie über höhere Preise wieder abgeschöpft. Das Ergebnis ist ein vertrauter Mechanismus: Der Lohn steigt – und gleichzeitig steigt alles, was man davon bezahlen muss.
So entsteht die paradoxe Situation, dass Beschäftigte offiziell mehr verdienen, aber real weniger Kaufkraft haben.
Die Studie aus Tirol zeigt damit vor allem eines: Die Teuerung ist kein vorübergehendes Problem, sondern Ausdruck eines Systems, in dem Einkommen für Arbeit immer wieder durch steigende Preise neutralisiert wird. Oder einfacher gesagt: Mehr Lohn bedeutet im Kapitalismus oft nur eines – nämlich, dass das Geld schneller wieder weg ist.
Quelle: ORF


















































































