Es gibt Vorschläge, die so unverschämt sind, dass man sie zunächst für Tagespresse-Artikel halten könnte – bis man merkt, dass sie bitter ernst gemeint sind. Der jüngste aus Washington gehört genau in diese Kategorie: Der Iran soll einfach von der Fußball-Weltmeisterschaft gestrichen werden – und Italien darf einspringen. Nicht, weil Italien sich qualifiziert hätte. Sondern weil Qualifikation offenbar zweitrangig ist, wenn sie den geopolitischen Interessen der USA im Weg steht.
Dass ausgerechnet ein Gesandter von US-Präsident Donald Trump beim Weltverband FIFA anklopft und ernsthaft vorschlägt, Teilnehmerländer einfach auszutauschen, ist nichts anderes als blanker imperialer Reflex. Wer politisch nicht spurt, soll gefälligst auch sportlich verschwinden. Regeln? Gelten offenbar nur für andere – und auch nur so lange, bis sie Washington im Weg stehen.
Italien hat den Vorschlag immerhin zurückgewiesen. Sportminister Andrea Abodi erinnerte daran, dass man sich auf dem Platz qualifizieren müsse – eine fast schon altmodische Vorstellung. Der Iran hingegen hat genau das getan: sich sportlich qualifiziert. Doch das scheint zweitrangig zu sein, wenn geopolitische Interessen ins Spiel kommen.
Die Logik ist so simpel wie durchsichtig. Wenn militärischer Druck nicht reicht, wird politischer Druck aufgebaut – und wenn selbst das nicht genügt, greift man zur symbolischen Ebene. Sport wird dann zum Spielfeld der Machtpolitik. Wer teilnimmt, entscheidet nicht mehr allein die Leistung, sondern die politische Opportunität.
Dass parallel ein Krieg gegen den Iran geführt wird – ein Krieg, der noch dazu als klarer Bruch der UN-Charta und damit als illegale Aggression einzustufen ist – und man gleichzeitig darüber nachdenkt, dem Land auch noch sportlich den Stecker zu ziehen, wird fast schon als Nebensache behandelt. Bomben auf Infrastruktur, getötete Zivilistinnen und Zivilisten, Blockaden, Drohungen – und nebenbei noch die WM-Teilnahme kassieren. Die Botschaft ist so plump wie brutal: Wer militärisch angegriffen wird, soll gefälligst auch politisch und kulturell ausradiert werden.
Die Präpotenz liegt nicht nur im Inhalt des Vorschlags, sondern in seiner Selbstverständlichkeit. Es wird gar nicht erst so getan, ob so etwas legitim wäre. Es wird vorausgesetzt, dass man überhaupt darüber entscheiden kann.
Dass die FIFA überhaupt Ziel solcher Forderungen wird, zeigt zugleich, wie durchlässig internationale Institutionen für politischen Druck sind. Der Sport wird nicht nur instrumentalisiert – er ist längst Teil der globalen Machtarchitektur.
Und deshalb gilt umso mehr: Love Football, fuck FIFA!
Quelle: ORF




















































































