Wien. Die Verhandlungen über einen neuen Kollektivvertrag für die rund 200.000 bis 240.000 Beschäftigten in Gastronomie und Hotellerie sind vorerst gescheitert. Nach mehreren Gesprächsrunden wurde wieder keine Einigung erzielt. Während sich Wirtschaftskammer und Gewerkschaft gegenseitig die Verantwortung zuschieben, ist eines klar, in einer Branche, die seit Jahren über Personalmangel klagt, ist weiterhin niemand bereit, die Arbeits- und Lebensbedingungen ihrer Beschäftigten auch nur ansatzweise zu verbessern.
Die Arbeitgeberseite hatte zuletzt eine Lohn- und Gehaltserhöhung von drei Prozent angeboten. Die Gewerkschaft forderte hingegen zumindest einen vollständigen Inflationsausgleich von 3,6 Prozent sowie Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen, darunter garantierte freie Sonntage und eine bezahlte Mittagspause. Dass die Verhandlungen letztlich an wenigen Zehntelprozentpunkten und einigen Euro in den untersten Lohngruppen scheiterten, verdeutlicht vor allem die geringe Bereitschaft der Tourismusunternehmer, den Beschäftigten auch nur minimale Zugeständnisse zu machen.
Dabei gehört das Hotel- und Gastgewerbe seit Jahrzehnten zu den Branchen mit den schwierigsten Arbeitsbedingungen. Niedrige Löhne, lange und unregelmäßige Arbeitszeiten, Wochenend- und Feiertagsarbeit sowie ein hoher Arbeitsdruck prägen den Alltag vieler Beschäftigter. Der Mindestlohn für Hilfskräfte liegt trotz wiederholter Erhöhungen weiterhin auf einem Niveau, das angesichts der hohen Lebenshaltungskosten kaum ein existenzsicherndes Einkommen garantiert. Viele Beschäftigte sind auf das Trinkgeld angewiesen, also eigentlich eine Subvention ihrer Löhne durch andere Teile der Arbeiterklasse.
Besonders bemerkenswert ist die Haltung jener Tourismusvertreter, die regelmäßig über fehlende Arbeitskräfte klagen. Seit Jahren wird versucht, den Personalmangel mit Appellen an die Attraktivität der Branche, durch die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte oder durch Forderungen nach erleichterter Zuwanderung zu lösen. Die eigentlichen Ursachen werden dabei ausgeblendet, viele Beschäftigte verlassen die Branche weil sie die Belastungen und die schlechte Bezahlung nicht länger akzeptieren können und wollen.
Die sogenannten Unternehmerverbände präsentieren sich gerne als Rückgrat einer wichtigen österreichischen Schlüsselbranche. Während Tourismuskonzerne, Hotelketten und große Gastronomiebetriebe von Rekordnächtigungen und steigenden Umsätzen profitieren, sollen die Beschäftigten weiterhin auf Verbesserungen und sogar den Erhalt des Status Quo verzichten.
Doch auch die Gewerkschaftsführung muss sich kritische Fragen gefallen lassen. Die aktuellen Forderungen bleiben im Rahmen dessen, was die Arbeitgeberseite als verhandelbar betrachtet. Weder die deutliche Verkürzung der Arbeitszeit noch eine grundlegende Verbesserung der Dienstplangestaltung oder spürbare Lohnsteigerungen standen im Zentrum der Auseinandersetzung. Gleichzeitig wurden die Verhandlungen weitgehend als Angelegenheit der Spitzenfunktionäre geführt, während eine breite Mobilisierung der Beschäftigten ausbleibt.
Gerade in einer Branche mit traditionell niedrigem gewerkschaftlichem Organisationsgrad wäre es notwendig, die Beschäftigten selbst stärker in die Auseinandersetzung einzubeziehen und den Druck auf die Unternehmerseite durch betriebliche Aktionen und gewerkschaftliche Kampagnen zu erhöhen. Ohne eine aktive Bewegung von unten droht die Gefahr, dass auch die nächsten Verhandlungsrunden lediglich zu geringfügigen Korrekturen führen, während die grundlegenden Probleme unangetastet bleiben.
Quelle: ORF























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