Der Gemeinderat von Rust am Neusiedlersee hat der Erweiterung des Familyparks zugestimmt. Damit ist der Weg frei für eine neue Achterbahn und weitere Ausbauten des größten Freizeitparks Österreichs. Vorausgegangen waren Proteste von Anwohnerinnen und Anwohnern, Naturschutzinitiativen und der Bürgerinnen- und Bürgerbewegung „No Disneyland“, die auf zusätzliche Verkehrsbelastung, Lärm sowie Eingriffe in die Landschaft des Ruster Hügellandes hingewiesen hatten. Auch rund 2.800 Unterschriften gegen das Projekt konnten die Entscheidung letztlich nicht verhindern.
Rust am Neusiedlersee. Wer die Berichterstattung verfolgt, könnte den Eindruck gewinnen, hier stünden wirtschaftliche Entwicklung und Naturschutz gleichberechtigt nebeneinander. Tatsächlich verrät jedoch ein Satz des Ruster Bürgermeisters Gerold Stagl mehr über unsere Gesellschaft als viele politische Grundsatzreden.
Er erklärte nach der Beschlussfassung, vollständig aufatmen werde er erst, wenn die Abgaben des Familyparks an die Gemeinde merklich steigen.
Dieser Satz ist bemerkenswert – nicht, weil er außergewöhnlich wäre, sondern gerade weil er so selbstverständlich wirkt.
Er macht deutlich, nach welchen Maßstäben politischer Erfolg heute häufig bewertet wird. Nicht die Frage, ob ein Projekt die Lebensqualität verbessert oder wertvolle Landschaft erhält, steht im Mittelpunkt. Entscheidend ist vielmehr, ob zusätzliche Einnahmen erzielt werden und wirtschaftliches Wachstum entsteht.
Darin zeigt sich eine grundlegende Logik kapitalistischer Gesellschaften. Gemeinden stehen miteinander im Wettbewerb um Betriebe, Investitionen und Steuereinnahmen. Wachstum gilt als Erfolg, Stillstand als Versagen. Unter diesen Bedingungen erscheint die Ausweitung touristischer Großprojekte beinahe zwangsläufig als vernünftige Entscheidung.
Deshalb greift eine Kritik an einzelnen Personen zu kurz. Die Frage lautet nicht in erster Linie, warum ein Bürgermeister einer Erweiterung zustimmt. Die entscheidendere Frage ist, warum politische Rahmenbedingungen geschaffen wurden, in denen wirtschaftliches Wachstum nahezu automatisch höher bewertet wird als ökologische oder soziale Interessen.
Wer innerhalb dieses Systems handelt, wird für Entscheidungen belohnt, die wirtschaftliche Verwertung fördern. Gemeinden mit steigenden Einnahmen gelten als erfolgreich. Politikerinnen und Politiker, die Investitionen anziehen, werden als wirtschaftsfreundlich bezeichnet. Der Maßstab ist gesetzt, lange bevor über einzelne Projekte abgestimmt wird.
Das bedeutet nicht, dass Naturschutz oder Bürgerbeteiligung bedeutungslos wären. Doch sie geraten regelmäßig in die Defensive, sobald ihnen das Versprechen wirtschaftlichen Wachstums gegenübersteht.
Der Konflikt um den Familypark ist deshalb mehr als eine lokale Auseinandersetzung über eine Achterbahn. Er wirft eine grundsätzliche Frage auf: Nach welchen Kriterien messen wir politischen Erfolg?
Solange wirtschaftliches Wachstum zum entscheidenden Maßstab bleibt, werden Projekte bevorzugt werden, die Einnahmen versprechen – selbst wenn sie Natur, Landschaft oder Lebensqualität dauerhaft verändern.






















































































