Rund um die Wahlen zu den Landesschülervertretungen (LSV) sind rassistische und sexistische Chatverläufe von Mitgliedern der ÖVP-nahen Schülerunion aufgetaucht. Der Vorfall offenbart die ideologischen Abgründe in Österreichs größter Schülerinnen- und Schülerorganisation. Das Problem mit der Schülervertretung ist jedoch ein tieferliegendes. Wie kann konsequenter Widerstand an Schulen wirklich aussehen?
„A Frau ohne Brüste ist wertlos“, heißt es unter anderem in Chats, die am Mittwoch veröffentlicht wurden. „Ich geh als SS-Offizier bei da party dan“ und „Desto mehr ein Tier leidet, desto besser schmeckt das essen…“, geben Einblicke in das Gedankengut, das in den Reihen der Schülerunion umgeht. Die Chats stammen von Funktionären der Schülerunion in Kärnten, in der Gruppe sollen sich laut Medienberichten aber auch Mitglieder des Bundesvorstandes sowie Bundes- und Landesschülerinnenvertreter und ‑vertreterinnen befunden haben. Kurz darauf wurde ein Gruppenfoto aus dem Jahr 2024 bekannt, auf dem ein rechtsradikaler Handgruß gezeigt wird. Ein Kandidat für die Wiener LSV-Wahl wurde mittlerweile aus der Organisation ausgeschlossen.
Die Chats wurden im Vorfeld der LSV-Wahlen 2026/2027 veröffentlicht, was sicherlich kein Zufall ist. Die LSV ist die gesetzliche Vertretung der Schülerinnen und Schüler eines Bundeslandes gegenüber der Bildungsdirektion, dem Landtag und weiteren Behörden. Die Landesschulsprecherinnen und ‑schulsprecher sind zusätzlich Teil der Bundesschülervertretung (BSV).
LSV: Unbekannt bei der Masse
Die veröffentlichten Chats offenbaren rassistische und sexistische Strukturen innerhalb der größten Schülerinnen- und Schülerorganisation Österreichs. Gleichzeitig ist das Problem ein tieferliegendes. Die meisten Schülerinnen und Schüler wissen gar nicht, dass es Vertretungen wie LSV und BSV gibt. Das liegt vor allem an dem undemokratischen Wahlverfahren, denn nur Schulsprecherinnen und Schulsprecher sind bei den LSV-Wahlen stimmberechtigt. Auf Bundesebene setzt sich dieses System fort. Die Bundesschulsprecherin, die 1.2 Millionen Schülerinnen und Schüler vertritt, wurde von lediglich 29 Personen gewählt.
Aufgrund des Wahlverfahrens bleibt die Schülervertretung isoliert von der breiten Masse der Schülerinnen und Schüler. Die beiden führenden Organisationen, Schülerunion und die Aktion Kritischer Schüler_Innen (AKS), sind Vorfeldorganisationen der Regierungsparteien jewels ÖVP und SPÖ. Sie fungieren als Kaderschmieden. In Stil und Arbeitsweise agieren Schülerunion und AKS angepasst.
Schülerfeindliche Politik der Regierung
Für eine kämpferische Schülerbewegung gäbe es genug Gründe: Die aktuelle Hitzewelle hat einmal mehr die schlechte Ausstattung vieler Schulen demonstriert. Schülerinnen und Schüler müssen bei Temperaturen von bis zu 40 Grad in Klassenzimmern sitzen, teilweise ohne Klimatisierung. Der Lehrermangel ist ein Dauerbrenner und führt zur Massenabfertigung. Um auf die individuellen Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern einzugehen, fehlt es vielfach an Personal.
Die Jugendfront der Partei der Arbeit Österreichs (PdA) kritisiert in ihrer aktuellen Stellungnahme zu den LSV-Wahlen auch die neuen Pläne der Bundesregierung: „Die neue Lehrplanreform des Bildungsministeriums zielt darüber hinaus darauf ab, Bildungsinhalte an Schulen noch einseitiger auf die Verwertung am Arbeitsmarkt auszurichten, anstatt umfassende und kritische Wissensvermittlung zu fördern. Mit dem rassistischen Kopftuchverbot versucht die Bundesregierung außerdem von den wahren Problemen im Bildungswesen, die durch den Kapitalismus verursacht werden, abzulenken, indem sie gegen muslimische Mitschülerinnen hetzt und Lehrkräfte gegen ihre Schülerinnen und Schüler ausspielt.“
Widerstand an Schulen organisieren
Die aktuellen Schülerstreiks gegen die Wehrpflicht in Deutschland, die sich gegen die Wiedereinführung des Wehrdienstes in der BRD richten, zeigen, wie es gehen kann. Auch in Österreich kam es in der Vergangenheit zu vereinzelten Streiks an Schulen. Im Winter 2022 streikten Schülerinnen und Schüler an einer Schule in Villach. Aufgrund fehlender Beheizung kam es zu unzumutbaren Temperaturen in den Klassenzimmern, durch die sich Jugendliche verkühlten.
Widerstand gegen die schülerfeindliche Politik der Bundesregierung und das kapitalistische Bildungswesen kann nur durch kämpferische Organisationen in den Schulen selbst organisiert werden. Die Jugendfront ist eine Organisation, in der Jugendliche sowie Schülerinnen und Schüler aus dem gesamten Bundesgebiet organisiert sind, um eine neue kommunistische Jugendbewegung aufzubauen.




















































































