Der aktuelle Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo entwickelt sich zur schwersten Epidemie des Landes seit Jahren. Bereits rund 1.200 Infektionen und mehr als 300 Todesfälle wurden registriert, internationale Gesundheitsbehörden rechnen damit, dass die Zahl der Erkrankten in den kommenden Monaten auf bis zu 20.000 ansteigen könnte. Besonders dramatisch ist die Situation, weil die derzeit zirkulierende Bundibugyo-Variante weder durch eine Impfung noch durch wirksame Medikamente oder Schnelltests bekämpft werden kann.
Gleichzeitig ist die Epidemie ist jedoch keine Naturkatastrophe. Sie ist das Ergebnis gesellschaftlicher Verhältnisse, globaler Verhältnisse, letztendlich des Kapitalismus.
Seit Jahrzehnten wird der Osten der Demokratischen Republik Kongo von bewaffneten Konflikten erschüttert. Dieser Kampf um Bodenschätze, Einfluss und ökonomische Interessen hat Millionen Menschen in Armut gestürzt und eine funktionierende öffentliche Infrastruktur nahezu verunmöglicht. Krankenhäuser werden zerstört, medizinisches Personal flieht vor der Gewalt, ganze Regionen sind für Gesundheitsdienste kaum erreichbar.
Die Ursachen dieser Zustände liegen nicht in einem Mangel an globalem Reichtum, sondern in dessen Verteilung, weil eben eine Kleine Gruppe an Superreichen – die Musks und Bezos dieser Welt – unanständig viel besitzen, während die Mehrheit durch die Finger schaut. Während durch die zunehmenden innerimperialistischen Widersprüche Rekordausgaben in Rüstung getätigt werden, fehlen die Mittel für den Aufbau stabiler Gesundheitssysteme, für die Bekämpfung von Hunger oder für eine funktionierende medizinische Versorgung in den ärmsten Regionen der Welt.
Krieg, Vertreibung und Hunger als Nährboden für Epidemien
Außerdem finden gerade dort, wo Krieg, Vertreibung und Hunger den Alltag bestimmen, gefährliche Infektionskrankheiten ideale Bedingungen. Unterernährung schwächt das Immunsystem, zerstörte Infrastruktur erschwert die Eindämmung von Ausbrüchen und extreme Armut verhindert selbst einfachste Schutzmaßnahmen. Für viele Menschen bedeutet eine Quarantäne den unmittelbaren Verlust ihrer Lebensgrundlage, weil sie weder Ersparnisse noch Lebensmittelvorräte besitzen.
Medizin für Profite statt für Menschen?
Gleichzeitig zeigt der Ebola-Ausbruch erneut die Widersprüche kapitalistischer Forschung. Obwohl Ebola seit einem halben Jahrhundert bekannt ist und die Bundibugyo-Variante bereits seit Jahren wissenschaftlich beschrieben wurde, existieren bis heute weder zugelassene Impfstoffe noch wirksame Medikamente oder Schnelltests gegen diese Virusvariante. Der Grund liegt nicht in fehlenden wissenschaftlichen Möglichkeiten, sondern darin, dass Forschung dort konzentriert wird, wo hohe Gewinne erwartet werden. Krankheiten, die vor allem arme Länder betreffen, versprechen den Pharmakonzernen keine ausreichenden Renditen und werden deshalb vernachlässigt.
Der Kapitalismus produziert damit einen doppelten Teufelskreis. Einerseits schafft er durch imperialistische Konkurrenz, Kriege, Ausbeutung und soziale Ungleichheit jene Bedingungen, unter denen Epidemien entstehen und sich ausbreiten können. Andererseits verhindert dieselbe Profitlogik die Entwicklung jener Medikamente und Impfstoffe, die Menschenleben retten könnten.
Quelle: ORF



















































































