Vor der Küste Kalabriens haben Archäologen die Überreste eines rund 2400 Jahre alten Handelsschiffes entdeckt. Die außergewöhnliche Fracht aus mehr als 300 Amphoren könnte neue Erkenntnisse über den Weinhandel und die Handelsrouten der griechischen Stadtstaaten in der Magna Graecia liefern.
Catanzaro. Vor der süditalienischen Gemeinde Monasterace im Ionischen Meer haben Archäologen die Überreste eines antiken Handelsschiffes entdeckt. Das Wrack liegt in rund 90 Metern Tiefe und wurde bereits 2023 gefunden, die ersten Untersuchungsergebnisse wurden nun veröffentlicht.
Anhand der Form der mehr als 300 Amphoren datieren die Forscher das Schiff in das 5. oder 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Es stammt damit aus der Blütezeit der Magna Graecia, jener Region Süditaliens und Siziliens, in der seit dem 8. Jh. v. u. Z. zahlreiche griechische Stadtstaaten entstanden. Städte wie Sybaris, Kroton, Tarent oder Syrakus entwickelten sich zu bedeutenden Handels- und Kulturzentren und betrieben einen regen Seehandel mit Getreide, Olivenöl und vor allem Wein.
Nur wenige Kilometer von der Fundstelle entfernt lag die antike Polis Kaulon, die um 700 v. u. Z. von achäischen Siedlerinnen und Siedlern gegründet worden war. Die Stadt unterhielt enge Beziehungen zu Kroton und Sybaris und prägte eigene Münzen, die auf einen florierenden Handel hindeuten.
Verbindung zu Dionysios I.?
Kaulon wurde im Jahr 388 v. u. Z. vom Tyrannen Dionysios I. von Syrakus zerstört. Der mächtige Herrscher hatte in mehreren Feldzügen versucht, seine Vorherrschaft über die griechischen Städte Süditaliens auszubauen. Die Zerstörung Kaulons fällt zeitlich in den Zeitraum, in dem auch das entdeckte Handelsschiff unterwegs gewesen sein dürfte.
Ob der Untergang des Schiffes mit den militärischen Auseinandersetzungen jener Epoche oder den politischen Umbrüchen in Zusammenhang steht, lässt sich nach Angaben der Forscher derzeit jedoch nicht belegen.
Die Amphoren stammen nach bisherigen Erkenntnissen aus Werkstätten der Magna Graecia und Siziliens. Ihre Form spricht dafür, dass das Schiff überwiegend Wein transportierte – eines der wichtigsten Exportgüter der griechischen Küstenstädte. Die Fracht könnte helfen, Handelsrouten sowie wirtschaftliche Beziehungen innerhalb des antiken Mittelmeerraums genauer zu rekonstruieren.
Schleppnetz beschädigte Fundstelle
Entdeckt wurde das Wrack im Zuge archäologischer Untersuchungen für einen geplanten Offshore-Windpark. Seit 2025 wird die Fundstelle mithilfe moderner Vermessungstechnik und fotogrammetrischer Verfahren systematisch dokumentiert.
Dabei stellten die Archäologen fest, dass die Amphoren heute in zwei voneinander getrennten Bereichen liegen, zwischen denen eine rund zehn Meter lange Lücke verläuft. Analysen sprechen dafür, dass diese Störung nicht auf antike Ereignisse zurückgeht, sondern vermutlich durch das Schleppnetz eines Fischerbootes verursacht wurde.
Obwohl das UNESCO-Übereinkommen zum Schutz des Unterwasserkulturerbes grundsätzlich empfiehlt, Funde an ihrem ursprünglichen Ort zu belassen, haben sich die Verantwortlichen wegen der Gefahr weiterer Beschädigungen für eine vollständige Bergung der Ladung entschieden.
Vor Beginn der Arbeiten soll die Fundstelle vollständig dokumentiert werden. Zusätzlich werden Untersuchungen durchgeführt, um geeignete Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen für die Amphoren festzulegen.
Der ursprünglich geplante Offshore-Windpark wird nach Angaben des Projektentwicklers Acciona Energía an einem anderen Standort errichtet. Die Planung wurde angepasst, damit sowohl das archäologische Fundgebiet als auch weitere ökologisch sensible Meeresbereiche erhalten bleiben.
Quellen: DerStandard / Vol.at























































































