Eine gut erhaltene Siedlung aus der byzantinischen Zeit in der Oase Dachla und 18 neu entdeckte Gräber bei Marina el-Alamein liefern neue Einblicke in das Alltagsleben und die Bestattungskultur des antiken Ägyptens.
Kairo. Die ägyptischen Behörden haben zwei bedeutende archäologische Entdeckungen bekanntgegeben. In der Oase Dachla in der westlichen Wüste wurde eine außergewöhnlich gut erhaltene Wohnsiedlung aus der byzantinischen Zeit freigelegt. Gleichzeitig stießen Archäologinnen und Archäologen an der Ausgrabungsstätte Marina el-Alamein westlich von Alexandria auf 18 weitere antike Gräber.
Nach Angaben des ägyptischen Ministeriums für Tourismus und Altertümer stammt die Siedlung in der Oase Dachla aus dem 4. Jahrhundert, als Ägypten Teil des Byzantinischen Reiches war. Die freigelegten Straßenzüge zeigen ein geordnetes Stadtbild mit Nord-Süd-Hauptstraßen, die von Ost-West-Straßen gekreuzt wurden und öffentliche Plätze bildeten.
Im Zentrum der Siedlung befindet sich eine Basilikakirche aus der Mitte des 4. Jahrhunderts. Außerdem wurden die Überreste zweier Wachtürme entdeckt, die einst die Außenbereiche der Stadt sicherten. Die Archäologinnen und Archäologen legten darüber hinaus eine stark befestigte Anlage mit massiven Verteidigungsmauern sowie zahlreiche Wohnhäuser mit Empfangshallen und Gewölbedächern frei.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem sogenannten Haus des Tisous. Das Gebäude wird in die zweite Hälfte des 4. Jahrhunderts datiert und gehörte nach Einschätzung der Archäologen einem Kirchendiakon. Sie gehen davon aus, dass das Haus zunächst als Hauskirche genutzt wurde, bevor die Basilika errichtet wurde.
Einblicke in den Arbeitsalltag
Die Ausgrabungen brachten außerdem zahlreiche Zeugnisse des täglichen Lebens ans Licht. Gefunden wurden Brotbacköfen, Küchen und steinerne Mahlwerkzeuge, die auf die Lebensmittelproduktion hinweisen. Hinzu kommen gut erhaltene Bronzemünzen mit Darstellungen byzantinischer Kaiser, lateinischen Inschriften und christlichen Symbolen sowie Goldmünzen aus der Regierungszeit des römischen Kaisers Constantius II. (337 bis 361).
Ein weiterer bedeutender Fund sind rund 200 sogenannte Ostraka – beschriftete Tonscherben, die in der Antike als Schreibmaterial dienten. Die Inschriften enthalten unter anderem Informationen über Handelsgeschäfte, Korrespondenz und weitere Aspekte des Alltagslebens.
Auch an der archäologischen Stätte Marina el-Alamein gab es neue Entdeckungen. Dort fanden Archäologinnen und Archäologen 18 weitere Gräber, darunter elf in den Fels gehauene Grabkammern mit einer durchschnittlichen Tiefe von acht Metern sowie sieben oberirdische Kalksteingräber. Damit erhöht sich die Zahl der bislang an diesem Fundort entdeckten Gräber auf insgesamt 48.
Zu den weiteren Funden zählen Keramikgefäße, Amphoren, Öllampen, Teller, Altäre und Kalksteinbecken. Außerdem wurde ein 2,5 Meter langer Granitsarkophag mit Skelettresten entdeckt, die derzeit wissenschaftlich untersucht werden. In der Nähe fanden die Archäologen zudem die Überreste einer verputzten Sphinx-Statue.
In mehreren Gräbern wurden Goldstücke entdeckt, die den Verstorbenen in den Mund gelegt worden waren. Diese als „goldene Zunge“ bekannte Bestattungssitte stand mit den Jenseitsvorstellungen der damaligen Zeit in Verbindung.
Marina el-Alamein wurde 1986 entdeckt. Nach Einschätzung der Archäologen handelt es sich um die antike griechisch-römische Hafenstadt Leukaspis am Mittelmeer, die im 2. Jahrhundert gegründet wurde und bis ins 4. Jahrhundert bestand.
Quelle: AP























































































