Tel Aviv/Stockholm. Es gehört mittlerweile zum festen Repertoire imperialistischer Politik, Kritik nicht zu widerlegen, sondern zu delegitimieren. Wer sich gegen Krieg, Besatzung und Massenverbrechen stellt, wird diffamiert. Die jüngsten Angriffe auf Greta Thunberg liefern dafür ein besonders durchsichtiges Beispiel.
Die schwedische Klimaaktivistin, die einst von westlichen Regierungen und Medien als Symbol einer „engagierten Jugend“ gefeiert wurde, findet sich plötzlich auf einer Liste der angeblich „gefährlichsten Antisemiten der Welt“ wieder – erstellt vom israelischen Diaspora-Ministerium. Ihr „Vergehen“: Sie bezeichnet die militärische Realität in Gaza als das, was sie ist – als Belagerung, als Hungerkatastrophe, als Völkermord.
Dass sie damit ein großes Publikum erreicht, wird ihr nun nicht als Stärke, sondern als Bedrohung ausgelegt. Wer Millionen Menschen erreicht und dabei nicht die offizielle Erzählung reproduziert, wird zur Gefahr erklärt.
Der Zynismus erreicht eine neue Qualität, wenn man sich die Gesellschaft ansieht, in die Thunberg auf dieser Liste gestellt wird. Neben ihr finden sich offen rechtsextreme Figuren, Holocaust-Leugner und rassistische Agitatoren. Die Gleichsetzung ist Methode: Kritik soll diskreditiert werden, indem sie mit tatsächlichem Antisemitismus vermischt wird.
Parallel dazu tritt ein weiterer Akteur auf den Plan: der Tech-Milliardär Peter Thiel. Für ihn ist Thunberg nicht einfach eine politische Gegnerin, sondern gleich eine apokalyptische Figur – der „Antichrist“. Eine religiös aufgeladene Dämonisierung, die weniger über Thunberg als über das Weltbild ihrer Kritiker aussagt.
Thiels Unternehmen liefert Technologien für militärische Zielerfassung und Massenüberwachung – auch im Kontext der israelischen Kriegsführung. Dass ausgerechnet ein Profiteur digitalisierter Kriegsführung eine Aktivistin als „Endzeitfigur“ darstellt, die sich gegen Gewalt und Umweltzerstörung ausspricht, ist eine Ironie, die kaum noch übertroffen werden kann.
Hier zeigt sich ein klares Muster: Wer die Interessen des militärisch-industriellen Komplexes stört, wird nicht nur kritisiert, sondern moralisch vernichtet. Begriffe wie „Antisemitismus“ oder religiöse Feindbilder werden immer mehr als politische Werkzeuge missbraucht.
Besonders deutlich wird das im Umgang mit Kritik an der israelischen Politik. Die Gleichsetzung von Kritik am Staat Israel mit Antisemitismus ist längst zu einem zentralen Instrument geworden, um jede ernsthafte Auseinandersetzung zu unterbinden. Wer von Hungerblockaden spricht, wird zum Antisemiten erklärt. Wer zivile Opfer benennt, wird diffamiert. Wer von Völkerrecht spricht, wird delegitimiert.
Das Ziel ist offensichtlich: Einschüchterung.
Greta Thunberg steht exemplarisch für diese Entwicklung. Ihr politischer Fokus hat sich erweitert – von der Klimafrage hin zu globalen Machtverhältnissen, Krieg und Ungleichheit. Genau das macht sie gefährlich. Nicht, weil sie Gewalt propagiert, sondern weil sie Zusammenhänge benennt.
Die Diffamierung Greta Thunbergs ist deshalb kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren Musters. Es geht nicht nur um eine Person, sondern um die Kontrolle darüber, was gesagt werden darf – und was nicht.
Quelle: Fr.de



















































































