Mexiko-Stadt. Die Fußball-Weltmeisterschaft präsentiert sich gerne als Fest der Völkerverständigung. Millionen Menschen verfolgen die Spiele, die FIFA beschwört Einheit, Fairness und internationalen Austausch. Doch offenbar gelten diese Prinzipien nicht für alle.
Der Präsident des palästinensischen Fußballverbandes, Jibril Rajoub, konnte Medienberichten zufolge bislang nicht in die USA einreisen, um an der Weltmeisterschaft teilzunehmen. Obwohl die FIFA traditionell die Vorsitzenden aller nationalen Fußballverbände einlädt, wartet Rajoub in Mexiko-Stadt weiterhin auf die notwendige Genehmigung.
Man könnte meinen, bei einem Turnier, das sich als globales Ereignis inszeniert, sollten zumindest die offiziellen Vertreter aller Mitgliedsverbände willkommen sein. Doch Palästinenserinnen und Palästinenser lernen seit Jahrzehnten, dass für sie andere Regeln gelten. Rajoub brachte das Problem selbst auf den Punkt. Es sei nicht fair, das Recht von Fußballfunktionären aus aller Welt auf Teilnahme, zu missbrauchen oder zu verweigern.
Tatsächlich ist der Vorgang weit mehr als eine bürokratische Frage. Die Vereinigten Staaten haben ihre Einreisebestimmungen für Inhaber palästinensischer Pässe in den vergangenen Jahren verschärft. Bereits im Vorjahr wurde dem Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, die Einreise zur Generalversammlung der Vereinten Nationen verweigert. Nun trifft es einen Fußballfunktionär.
Natürlich wird auch diesmal niemand offen sagen, dass es um politische Diskriminierung geht. Stattdessen versteckt sich die Macht hinter Formularen, Genehmigungen und administrativen Verfahren. Der Vorfall offenbart einmal mehr die Doppelmoral der westlichen Mächte. Dieselben Regierungen, die ununterbrochen von Demokratie, Offenheit und Menschenrechten sprechen, verweigern Vertretern eines unterdrückten Volkes die Teilnahme an internationalen Veranstaltungen.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Selbstverständlichkeit, mit der solche Entscheidungen getroffen werden. Während israelische Vertreter weltweit reisen können, während Militärs, Politiker und Lobbyisten ungehindert internationale Bühnen betreten, muss ein Vertreter des palästinensischen Fußballs auf eine Genehmigung warten.
Der Fall zeigt erneut, dass der Sport nicht außerhalb der Politik steht. Internationale Sportverbände sprechen gerne von Neutralität. In Wirklichkeit spiegeln sie aber dieselben Machtverhältnisse wider, die auch die internationale Politik prägen. Natürlich überrascht das nicht. Internationale Institutionen bewegen sich nicht im luftleeren Raum. Sie existieren innerhalb einer Weltordnung, die von den Interessen der mächtigsten kapitalistischen Staaten geprägt wird.
Dass ein palästinensischer Verbandspräsident möglicherweise nicht einmal an einer Fußball-Weltmeisterschaft teilnehmen darf, während sein Volk seit Jahrzehnten Besatzung, Vertreibung und Entrechtung erlebt, ist bezeichnend.
Es geht nicht um Fußball. Es geht um die fortgesetzte politische Isolation eines Volkes, das selbst die grundlegendsten Rechte immer wieder neu erkämpfen muss.
Quelle: junge Welt




















































































