Made in Italy für die Industrie des Genozids: Ein neues Dossier zeichnet ein detailliertes Bild fortgesetzter Rüstungsexporte und Treibstofflieferungen – trotz gegenteiliger politischer Beteuerungen.
Rom. Zwischen Oktober 2023 und Ende 2025 sind mehr als 400 Lieferungen militärischer Güter von Italien nach Israel erfolgt. Zusätzlich wurden über 220.000 Kilotonnen Treibstoff transferiert. Diese Zahlen stammen aus einem Dossier mit dem Titel „Made in Italy für die Industrie des Genozids“, das von mehreren Organisationen, darunter die Giovani palestinesi d’Italia, erarbeitet und Anfang Mai im italienischen Parlament vorgestellt wurde.
Die Ergebnisse stehen im klaren Widerspruch zu den öffentlichen Aussagen der italienischen Regierung, wonach die Rüstungsexporte nach Israel eingeschränkt worden seien. Laut Bericht wurde der Fluss an militärischen Gütern jedoch nie unterbrochen. Geliefert wurden unter anderem Waffen, Komponenten für Kampfflugzeuge, Luft- und Raumfahrttechnik sowie Ausrüstung im Zusammenhang mit Drohnen – allesamt Güter, die laut Dossier eine zentrale Rolle bei den militärischen Operationen Israels im Gazastreifen spielen.
Besonders hervorgehoben wird die Beteiligung des Rüstungskonzerns Leonardo Spa, an dem der italienische Staat maßgeblich beteiligt ist. Rund 150 nachverfolgbare Lieferungen von Luft- und Raumfahrtkomponenten werden diesem Unternehmen zugeschrieben. Teile dieser Lieferungen gingen an das israelische Unternehmen Elbit Systems und umfassen unter anderem elektronische Systeme für Cockpits und Kommunikationssteuerungen. Diese Technologien tragen laut Bericht direkt zur Einsatzfähigkeit von Kampfflugzeugen wie der F‑15 bei, die bei Angriffen auf Gaza eingesetzt werden.
Auch die logistische Infrastruktur Italiens ist tief in diese Lieferketten eingebunden. Große Flughäfen wie Rom-Fiumicino und Mailand-Malpensa dienen als Umschlagplätze für sensible Güter, darunter Elektronikkomponenten, Ersatzteile und Radarbauteile. Parallel dazu spielen zentrale Häfen wie Genua, Tarent oder Triest eine wichtige Rolle beim maritimen Transport.
Ein weiterer Schwerpunkt des Dossiers liegt auf den Treibstofflieferungen. Seit Mitte 2024 wurden mindestens 85 Kilotonnen Rohöl aus Tarent nach Israel verschifft, ergänzt durch 138 Kilotonnen Diesel aus Sizilien. Teilweise deaktivierten die beteiligten Schiffe ihre Ortungssysteme, um ihre Routen zu verschleiern – ein Hinweis auf die Brisanz dieser Transporte.
Die Autorinnen und Autoren des Berichts werfen Italien vor, durch diese kontinuierlichen Lieferungen aktiv zur Fortsetzung der militärischen Gewalt Israels beizutragen. Sie fordern ein sofortiges Waffenembargo, vollständige Transparenz über militärische Lieferketten sowie die Aussetzung bestehender militärischer Abkommen zwischen beiden Ländern.
Die politische Debatte in Italien hat durch das Dossier neuen Auftrieb erhalten. Eine parlamentarische Anfrage wurde bereits eingebracht. Doch unabhängig von der innenpolitischen Aufarbeitung bleibt der zentrale Vorwurf bestehen: Dass europäische Lieferketten eine militärische Praxis unterstützen, die die systematische Zerstörung palästinensischen Lebens nach sich zieht.
Quelle: IlFattoQuotidiano



















































































