Fast jede zweite Kassenordination in Tirol hat derzeit einen Aufnahmestopp für neue Patientinnen und Patienten. Laut einer aktuellen Erhebung liegt das Bundesland damit über dem österreichweiten Durchschnitt und kämpft in mehreren Fachbereichen mit Versorgungsengpässen.
Innsbruck. In Tirol nehmen derzeit rund 45 Prozent der Kassenordinationen keine neuen Patientinnen und Patienten mehr auf. Das geht aus einer aktuellen Erhebung der Plattform krankenversichern.at hervor. Damit liegt Tirol über dem österreichischen Durchschnitt.
Nach Angaben der Tiroler Ärztekammer bestehen die Probleme in einzelnen Fachrichtungen bereits seit Jahren. Kammerpräsident Stefan Kastner verweist insbesondere auf Engpässe in der Gynäkologie. Auch in der Augenheilkunde sei die Versorgung im Oberland schwierig, vor allem westlich von Telfs. Darüber hinaus gibt es laut Ärztekammer Probleme in der kinderärztlichen Versorgung, etwa im Bezirk Kitzbühel.
Nach Einschätzung der Ärztekammer sind die bestehenden Kassenstellen zwar weitgehend besetzt, ihre Anzahl reiche jedoch nicht aus, um eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Der niedergelassene Bereich sei zu wenig ausgebaut und könne daher Aufgaben, die derzeit in Krankenhäusern anfallen, nicht ausreichend übernehmen.
Die Tiroler Ärztekammer fordert deshalb seit längerem einen Ausbau der Kassenstellen, insbesondere in Bereichen mit hohem Versorgungsbedarf. Nach Angaben von Kastner sei die Notwendigkeit zusätzlicher Stellen wiederholt angesprochen worden, bislang jedoch ohne Umsetzung.
Als weiteres Hindernis nennt die Ärztekammer fehlende finanzielle Spielräume für den Ausbau des niedergelassenen Bereichs. Die Versorgung über Kassenärzte sei überdies weitaus effizienter und kostengünstiger als die Behandlung in Spitalsambulanzen. Neben zusätzlichen Kassenstellen seien daher auch attraktivere Rahmenbedingungen erforderlich, um die medizinische Versorgung nachhaltig zu verbessern.
Aus diesem Missstand geht klar hervor, dass im kapitalistischen Gesundheitssystem eine flächendeckende Versorgung durch Kassenärzte und der gleichberechtigte Zugang zu medizinischer Betreuung für alle Menschen einen nicht besonders hohen Stellenwert einnehmen.
Quelle: ORF




















































































