Wien. Am Mittwoch, den 23. September beschloss der Nationalrat eine Steuerentlastung für Personen, die trotz Pensionsbezug arbeiten. Denn, um die rasant erhöhten Rüstungsausgaben zu finanzieren, muss die Regierung anderswo sparen. Eine Möglichkeit dafür ist das Erhöhen des Pensionsalters, wie sie die NEOS zum Beispiel fordern.
Das Spiel mit der Statistik
Der ORF berichtet: Zwei Drittel aller Personen, die in Alterspension arbeiten, sind Frauen. Die Anzahl dieser Personen verdoppelte sich von 2020 auf 2025 auch beinahe von 25.650 auf 43.069. Als Hauptgrund für ihre Entscheidung zeigt die Statistik für 48,7 Prozent Freude an der Arbeit, für 17,0 Prozent notwendiges zusätzliches Einkommen und 12,3 Prozent für nicht notwendiges zusätzliches Einkommen. Demgegenüber wird die Statistik zum Hauptgrund der Beendigung der Erwerbstätigkeit ab Pensionsbezug gestellt. In dieser geben 82,0 Prozent an, dass die Voraussetzungen erfüllt waren und 12,5 Prozent gesundheitliche Gründe.
Doch 76,1 Prozent der Personen, die 2023 eine Alterspension bezogen, gaben an, ihre Erwerbstätigkeit mit Pensionsbeginn beendet zu haben. Der ORF erweckt somit den Eindruck, als wäre das Arbeiten in der Pension etwas Positives, das die Lebensqualität erhöht. Arbeit in der Pension bereite ja beinahe der Hälfte der in der Pension Arbeitenden Freude. Es sind jedoch nur 5,5 Prozent der 65- bis 74-Jährigen, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Oder anders gesagt, etwa 2,7 Prozent aller Pensionsbeziehenden gehen aus Freude weiterhin arbeiten, 1,6 Prozent aufgrund von zusätzlichem Einkommen, 1,2 Prozent aus sonstigen Gründen und 94,5 Prozent können oder wollen keiner Erwerbstätigkeit in ihrer Pension nachgehen.
Die Statistik blendet somit Personen aus, die aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten können. Sie blendet Personen aus, die arbeiten wollen oder auf zusätzliche Verdienste angewiesen sind, aber keinen Arbeitsplatz finden. Die fehlende Bereitschaft von Unternehmen, ältere Personen anzustellen, wird auch durch den Anstieg des Frauenpensionsalters demonstriert. Weiters ist auch die Gegenüberstellung von Zahlen irreführend, die sich einerseits auf den derzeitigen Status aller Pensionierten und andererseits auf den Status zu Pensionsantritt beziehen.
Altersarmut
Die Inflation der vergangenen Jahre wirkt sich nicht gleichmäßig aus. Einerseits stiegen die Kosten von Lebensmitteln, Energie und Mieten überdurchschnittlich, so dass selbst bei einem Inflationsausgleich der Pensionen der Lebensstandard sinkt. Außerdem weist Österreich eine hohe Pensionslücke von 35,6 Prozent im Jahr 2024 auf. Das bedeutet, dass Frauen im Schnitt eine um 35,6 Prozent niedrigere Pension beziehen als Männer. Dies spiegelt sich auch in der Armutsgefährdung wider. Laut Statistik Austria sind 28 Prozent aller alleinlebenden Pensionistinnen und 14 Prozent aller alleinlebenden Pensionisten armutsgefährdet.
Arbeiten bis zum Tod
Die Regierung gibt den Ton an und die großen Medien formen den Diskurs entsprechend. Ähnlich wie bei der Debatte zur Wehrdienstverlängerung, sprechen verschiedene bürgerliche Parteien darüber, wie man den Wehrdienst am besten verlängert. Weniger thematisiert wird dabei, warum es notwendig ist, den Wehrdienst zu verlängern, bzw. wird dies oftmals als naturgemäß oder mit Trick 17: Putin erklärt.
Genauso ist es auch bei der Debatte um die Pension. Die NEOS und der Industriellenverband fordern eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters und die Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS beschließen die Aktivpension. Es wird einem also das Bild vermittelt, als wäre eine Reform des Pensionssystems unausweichlich. Doch wozu muss bei den Pensionen überhaupt gespart werden?
Während das Bundesheer aufrüstet, Mateschitz dreistellige Millionenbeträge an Dividenden kassiert, Wirtschaftsförderungen mit der Gießkanne verteilt werden und mit Grundbedürfnissen wie Wohnraum oder Lebensmitteln Profit eingesackt wird, sollen ausgerechnet jene draufzahlen, die bereits bis 65 Jahre gearbeitet haben? Die Partei der Arbeit sagt: Nein! Arbeiten bis 65 ist mehr als genug.
Quelle: ORF






















































































