Teil 1: Die Vorgeschichte 1945 – 1949
Am 8. Mai 1945 kapitulierten die Hitlerfaschisten bedingungslos vor den alliierten Streitkräften der Sowjetunion, der USA, Großbritanniens und Frankreichs. Die Hauptlast des Krieges, sowohl die Opfer unter den Soldaten als auch die Zivilbevölkerung betreffend, sowie die Vernichtung von großen Teilen ihrer Infrastruktur, hatte die UdSSR zu tragen. Das betraf Gebiete, in denen fast die Hälfte der Sowjetbevölkerung lebte und in denen sich ein ebenso großer Prozentsatz der landwirtschaftlich genutzten Flächen befand sowie ein Drittel der industriellen Produktion stattfand.
Die Front der Alliierten im Westen zur Hilfe der Sowjetunion im Kampf gegen die deutschen Faschisten wurde erst, obwohl schon 2 Jahre zuvor vereinbart, 1944 eröffnet. Und das auch nur, um dem Vormarsch der Roten Armee, sollte er weite Teile Europas umfassen, militärisch Einhalt gebieten zu können. Dies auch in Sorge um die spätere politische Ausrichtung der befreiten europäischen Staaten. War doch die Hoffnung der kapitalistischen Verbündeten, dass sich die Rote Armee und die Hitlerfaschisten im Kampf gegenseitig aufreiben würden, durch die militärische Stärke der UdSSR zunichte gemacht worden. Zitat des späteren US-Präsidenten Harry S.Truman (1884–1972): „Wenn wir sehen, dass Deutschland den Krieg gewinnt, sollten wir Russland helfen, und wenn Russland gewinnt, sollten wir Deutschland helfen und auf diese Weise so viele wie möglich umbringen lassen.“
Teilung in vier Besatzungszonen
Durch das Kriegsende im Mai 1945 ergaben sich entlang des Frontverlaufs, der von Nord nach Süd quer durch Deutschland verlief, die entsprechenden Besatzungszonen der drei westlichen Staaten und der Sowjetunion. In der sogenannten sowjetischen Besatzungszone (SBZ) lag als Sonderfall Berlin, das durch alle vier alliierten Staaten verwaltet wurde. Im Wesentlichen entstand auf dem Gebiet der SBZ (ohne einige an Polen abgetretene Ostgebiete) die nachmalige DDR, mit dem Ostteil Berlins als Hauptstadt. Westberlin erhielt einen Sonderstatus und war weder Teil der DDR noch der BRD, wenngleich es politisch als Frontstadt des Westens aufgebaut wurde.
Im Juni 1945 konstituierte sich die sowjetische Militärverwaltung (SMAD) in der sowjetisch besetzten Zone und gestattete in diesem Bereich umgehend die Tätigkeit antifaschistisch-demokratischer Parteien und Jugendorganisationen sowie Gewerkschaften.
Volksmacht oder Frontstaat?
In allen, auch den westlichen, Besatzungszonen wünschte sich ein Teil der Bevölkerung ein antifaschistisches, demokratisches und ungeteiltes Deutschland. Dies unterstützte auch der oberste Repräsentant der Sowjetunion und Oberbefehlshaber Roten Armee, Josef Stalin (1878–1953), der ähnlich wie im Falle Österreichs, eine politisch und militärisch neutrale Pufferzone zwischen den einzelnen Blöcken wünschte (und nicht verhinderte, wie es in deutschen und österreichischen Schulbüchern zu lesen stand). Dem gegenüber stand der Wille des deutschen ehemaligen Rüstungskapitals sowie der westlichen imperialistischen Mächte, einen Frontstaat, die spätere Bundesrepublik, zu errichten, um hier unabhängig vom sowjetischen Einfluss eine monopolkapitalistische Entwicklung über den Krieg hinaus fortsetzen zu können. Der spätere westdeutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer (1876–1967) drückte es so aus: „Lieber das halbe Deutschlands ganz, als das ganze Deutschland halb“. Die westdeutsche Hälfte bestand allerdings aus zwei Drittel des deutschen Bodens und dem Großteil der Rohstoffe. Auch die industrielle Zerstörung war in der SBZ massiver als im Westteil des Landes.
Entnazifizierung nur in der SBZ
Abgesehen vom Umstand, dass eine weitgehende Entnazifizierung in allen Bereichen des gesellschaflichen und wirtschaftlichen Lebens nur in der SBZ betrieben wurde, arbeiteten die westlichen Besatzer offensiv auf eine Spaltung Deutschlands hin. Mit dem sogenannten Marshall-Plan wurde das Land (wie übrigens auch Teile Österreichs), in massive wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA gebracht.
Die von langer Hand geplante und 1948 einseitig von den westlichen Besatzern durchgeführte Währungsreform ließ das endgültige Aus für einen gemeinsamen deutschen Staat schon erahnen.
Die SED entsteht
Bereits 1946 kam es zur Vereinigung von KPD und SPD in der SBZ. Schon in den Konzentrationslagern und Gefängnissen des 3. Reiches (Schwur von Buchenwald) hatten Kommunisten und Sozialisten, vereinzelt auch Sozialdemokraten und andere Antifaschisten, erkannt, dass eine als Volksfront bezeichnete Einheitsfront innerhalb der Arbeiterbewegung, wie schon 1935 auf dem 7. Weltkongress der Kommunistischen Internationale beschlossen, als Form des Widerstands gegen den Faschismus in Europa (Italien, Frankreich, Deutschland) unabdingbar sei. Der Zusammenschluss der beiden deutschen Arbeiterparteien umfasste an die 1,3 Millionen Mitglieder, davon einen leichten Überhang aus der SPD. Bereits kurze Zeit später stellten allerdings die Kommunisten die Mehrheit, weil ein Teil der vormaligen SPD-Mitglieder die Beitrittserklärung zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) nicht unterschreiben wollte, was möglicherweise die Orientierung auf eine marxistisch-leninistische Partei neuen Typs bis zum Beginn der 1950er Jahre erleichterte.
Zuvor allerdings gab es massive Mitgliederzuwächse (die Partei umfasste ein Jahr nach der Gründung bereits 1,8 Millionen Mitglieder), was die Gefahr eines Eindringens antikommunistischer Elemente erhöhte. Auch anbetracht des Fehlens marxistisch geschulter Genossinnen und Genossen durch die gravierenden Verluste an Kadern während des 2.Weltkriegs. Bei vielen neu zur SED Beigetretenen mögen opportunistische Gründe für deren Entscheidung ausschlaggebend gewesen sein (vergleiche auch den überproportionalen Mitgliederzuwachs der KPÖ während der Zeit von 1946 bis zum Staatsvertrag 1955, bedingt durch den leichteren Zugang zu einem Arbeitsplatz in den sowjetisch verwalteten USIA-Betrieben als KPÖ-Mitglied).
Auf Initiative der SED fanden zwischen 1947 und 1949 drei Sitzungen des Deutschen Volkskongresses im Berliner Admiralspalast statt. Im Kongress waren verschiedene Parteien und Organisationen, auch aus der westlichen Besatzungszone, vertreten. Es ging unter anderem um den Erhalt eines gesamtdeutschen Staates auf antifaschistisch-demokratischer Grundlage. Auf dem zweiten Volkskongress wurde 1948 der Deutsche Volksrat installiert (aus dem später in der DDR die Volkskammer als sozialistisches Parlament entstehen sollte). Der Volksrat umfasste 300 stimmberechtigte Mitglieder aus der SBZ und 100 kooptierte Teilnehmer aus dem Westen. Es wurde unter Anderem die Erarbeitung einer Verfassung für eine Deutsche Demokratische Republik beschlossen. Viele der Vorschläge einer jahrelangen Diskussion aus der Bevölkerung fanden darin Berücksichtigung.
Zahlreiche deutsche Bürger hatten sich schon ab 1946, auch in den Westgebieten, an einer Diskussion und Erarbeitung einer gesamtdeutschen demokratischen Verfassung beteiligt. Die Resultate dieser breiten Diskussion wurden allerdings von den westlichen Besatzungsmächten nicht anerkannt.
BRD-Gründung schafft Tatsachen
Nach der einseitigen Gründung der BRD im Mai 1949 mit einem im kleinen Kreis beschlossenen Grundgesetz (welches bis heute statt einer demokratisch beschlossenen Verfassung in der Bundesrepublik Gültigkeit hat) verwendete die DDR bei ihrer durch die westliche Teilung des deutschen Staatsgebiets erzwungene Gründung am 7. Oktober 1949 die zuvor in der weitläufigen demokratischen Diskussion für ganz Deutschland angedachte Verfassung sodann als ihre eigene.
Der Weg zur Gründung der beiden deutschen Staaten war also bereits in der Entstehungsgeschichte durch massive demokratiepolitische Unterschiede geprägt und widerspiegelte so ganz gut die tatsächlichen Herrschaftsverhältnisse, einerseits der Vertreter des Kapitals, andererseits die der Macht der überwiegenden Mehrheit des Volkes.






















































































