Wer Uber fährt, trägt nicht nur Fahrgäste durch die Stadt, sondern oft auch das volle unternehmerische Risiko. Geringe Einkommen, fehlende Interessenvertretung, Rassismus und Übergriffe prägen den Arbeitsalltag vieler Fahrer. Ein Blick auf eine Branche, mit multiplen Problemen, von denen Fahrer in Österreich und Deutschland während Fahrten Redakteurinnen und Redakteuren erzählten.
Plattform und Prekarität
In Österreich sind täglich rund 4.000 bis 5.000 Fahrer auf der Uber-Plattform aktiv. Der sogenannte Fahrdienstvermittler ist in Österreich seit 2024 flächendeckend aktiv. Uber hat gleichzeitig nicht den besten Ruf und wächst langsamer als in anderen Ländern.
In Österreich kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen traditionellen Taxiunternehmen und Uber-Fahrern – es kam zu einer Reihe von Klagen und dann auch gesetzlicher Regulierung. Bei den Auseinandersetzungen geht es um Konkurrenz, darum, dass Uber teilweise billiger ist und die App sehr angenehm in der Bedienung. Es wurden immer wieder Arbeitsbedingungen vorgeschoben, aber es geht vielmehr darum, sich seine eigenen Umsätze zu sichern.
Uber-Fahrer ebenso wie Taxler sind vielfach selbstständig. Während beide in Österreich mit Taxen fahren sind Uber-Fahrer in Deutschland mit ihren privaten oder gemieteten Autos unterwegs. Beide sind auf sich gestellt und die US-Plattform oder Taxiunternehmen vermittelt sie. Sie sind zwar Mitglieder in der WKO, dort werden sie aber durch klassische Taxiunternehmer vertreten, Überfahrer sind ihnen ein Dorn im Auge sind. Aber so viel zur Vorgeschichte.
Selbstständig und doch abhängig – Alles ein Schein?
Uber-Fahrer haben in ihrem Arbeitsalltag mit ähnlichen Problemen, teilweise aber in verschärfter Form zu kämpfen wie Taxikollegen. Die Arbeitsbedingungen bei Uber sind für die Fahrer prekärer, wodurch noch ein höherer Anteil der Fahrer Migranten sind, als in der Personenbeförderung ohnehin schon.
Bei Fahrten mit Uber wird deutlich, wie prekär die Bedingungen sind: 15 Euro zahlt man für eine Fahrt, davon kommen ca. 10 Euro beim Fahrer an – wie man auf der App des Fahrers sieht. Hiervon zahlt er nochmal Steuern und Benzin oder Diesel sowie den Fahrzeugunterhalt. Diese Rechnung endet, wie ein Fahrer berichtet, bei den aktuellen Spritpreisen potenziell im Minus, geschweige denn wird der ganze Verwaltungsaufwand bezahlt, der mit Steuern und Co. einhergeht. In Österreich führen die Gebühren dazu, dass die selbständigen Fahrer, di in der Regel die Vermittlung durch Uber oder ein klassisches Taxiunternehmen in Anspruch nehmen Lange Fahrten stornieren oder in Wine ab einer gewissen Uhrzeit, wo es viele Lange Fahrten gibt die App deaktivieren, nachdem die Rückfahrten nicht berechnert und in Rechnung gestellt werden und somit am Fahrer hängen bleiben.
Die Vertretung der Uber-Fahrer in einem Bundesland reagiert auf Anfragen wohl auch mit dem Hinweis, dass man doch schlicht zu den regulären Taxiunternehmen kommen solle, um diese Probleme nicht zu haben. Gleichzeitig geht das für verschiedene Fahrer damit einher, dass sie sich ihre Schichten nicht mehr flexibel einteilen können. Ein Fahrer in Deutschland spricht davon: Wir haben leider keine Gewerkschaft, es handelt sich aber in Wirklichkeit in dieser Vermittlung durch ein internationales Monopol um eine Scheinselbstständigkeit.
Rassismus gehört zum Arbeitsalltag
Schlimmer wird die Lage der Fahrer aber auch durch den zunehmenden oder vielleicht auch immer unverhohlener stattfindenden Rassismus. Das kann man in Deutschland und Österreich beobachten und bekommt es erzählt, wenn man mit den Fahrern spricht. Die Beschreibungen, was einem so passiert, wenn man so schlecht verdient und sich die Nacht um die Ohren schlägt, sind nicht schön. Verbale Ausfälle, dass man nicht mit „Ausländern“ fahren möchte, Beschimpfungen mit dem N‑Wort und dass man wieder dahin solle, wo man herkommt, nehmen die Fahrer relativ sportlich. Sorgen macht ihnen, dass die Leute immer jünger werden, die sie rassistisch beleidigen und bedrängen. Sorge wird geäußert, dass die Kinder in Österreich und Deutschland geboren sind und man sich Sorgen um die Zukunft macht.
Wenn Beleidigungen in Bedrohungen übergehen
Bei verbalen Attacken endet es aber nicht. Ein Fahrer berichtet davon, dass er, der nicht weiß ist, in einem Villenviertel auf einen Kunden wartete, als es an sein Fenster klopfte. Er wurde darum gebeten wegzufahren, nachdem er erklärte, auf einen Kunden zu warten, wurde ihm mitgeteilt, dass die Polizei bereits angerufen sei.
Ein anderer Fahrer berichtet von physischen Übergriffen und dass er diese im Gegensatz zu Beleidigungen nicht dulde. Er hatte, um sich zu schützen, darüber nachgedacht, eine Boardkamera zu installieren, das ist aber illegal. Was er machen darf, ist, mit der App, die ihm die Plattform Uber zur Verfügung stellt, den Ton bei Fahrten aufzuzeichnen. Dieser Ton wird dann auf einer Cloud von Uber gespeichert und er könnte bei einem Vorfall die Aufnahme bei Uber beantragen. Dieser Überwachung gegenüber steht er jedoch skeptisch, weil man ja auch nicht weiß, was der Konzern mit den Aufnahmen sonst so macht. Eine Skepsis, die unter den Bedingungen der verschärften Ausbeutung im Gegenwartskapitalismus und in Zeiten der zunehmenden Angriffe auf die Rechte der Arbeiterklasse nicht nach einer Verschwörung klingt.
Keine wirkliche Interessenvertretung
Für Uber-Fahrer in Österreich und Deutschland ist der Arbeitsalltag also von prekären Beschäftigungsbedingungen geprägt. Geringe Einkommen, viel Administration, keine wirkliche Interessenvertretung, Rassismus und Übergriffe. Den Erzählungen zufolge spitzt sich die Lage weiter zu. Unterdessen scheffelt ein US-Konzern, mit Vermittlungsgebühren, die er für die Vermittlung von Fahrten erhält, Milliarden Gewinne im zweistelligen Bereich.
Unter vielen der Prekaritäten, die die Uber-Fahrer betreffen, leiden auch ihre Kollegen, die Taxis fahren. Es geht nicht um ein Ausspielen, wem es schlechter geht. Taxifahrer haben aber zumindest eine Gewerkschaft – die potenziell eine Klassenorganisation ist – und verschiedene zusätzliche Rechte, wenn sie abhängig beschäftigt sind. Die Diagnose bleibt jedoch: In den Erzählungen und Beobachtungen wird deutlich, die Lage spitzt sich auf verschiedenen Ebenen zu.

















































































