Kurz nach der Abfahrt von Tunesien kentert ein Boot im Mittelmeer. Von rund 50 Menschen überlebt nur einer. Gleichzeitig wächst die Sorge um mehrere weitere Boote, die seit Tagen verschwunden sind.
Valletta/Lampedusa. Ein Mann ist nach eigenen Angaben der einzige Überlebende eines schweren Bootsunglücks im Mittelmeer. Er war Teil einer Gruppe von etwa 50 Menschen, die am vergangenen Donnerstag von Tunesien aus in See gestochen waren. In der Nacht zwischen Freitag, dem 23., und Samstag, dem 24. Januar, kenterte das Boot rund 24 Stunden nach der Abfahrt aufgrund schlechten Wetters. Der Mann überlebte, indem er sich an ein Wrackteil der gekenterten Holzbootkonstruktion klammerte. Als er in internationalen Gewässern von einem SAR-Motorschiff gerettet wurde, befand er sich allein an Bord und war nahezu unterkühlt.
Der Überlebende wurde nach Malta gebracht, wo er derzeit in ernstem Zustand im Krankenhaus behandelt wird. Sein Bericht schildert eine weitere tödliche Flucht über das Mittelmeer und reiht sich in eine Serie schwerer Unglücke an den Außengrenzen Europas ein.
Fast 400 Menschen vermisst
Nach Angaben der Organisation Alarm Phone soll das Boot des Überlebenden zu einer Gruppe von insgesamt acht Booten gehören, die in den vergangenen Tagen von Tunesien aus aufgebrochen sind. Insgesamt könnten mindestens 380 Migrantinnen und Migranten betroffen sein, die weder Malta noch Lampedusa erreicht haben und seither als vermisst gelten. Die Sorge um ihr Schicksal ist auch deshalb groß, weil der Zyklon „Harry“ in diesen Tagen schwere Wetterbedingungen in Sizilien sowie im Seegebiet zwischen der Insel und der nordafrikanischen Küste verursacht hat.
Unterdessen kam es zu weiteren Rettungseinsätzen im zentralen Mittelmeer. Die Organisation Sea-Watch rettete in der libyschen SAR-Zone 18 Menschen von einem Boot, das aufgrund des schlechten Wetters in Seenot geraten war. Unter den Geretteten befanden sich auch zwei kleine Kinder. Die italienischen Behörden wiesen Catania als sicheren Hafen zu; dort sollen die Geretteten noch gestern an Land gegangen sein.
Diese Ereignisse machen erneut deutlich, dass Schutzsuchende im Mittelmeer nicht ausreichend Hilfe erhalten und dass es sich um ein strukturelles Problem handelt, das Menschen dazu zwingt, eine lebensgefährliche Fluchtroute in Kauf zu nehmen.
Quelle: l‘Unità


















































































