Drei von zehn Schüler:innen in Niederösterreich nahmen im Laufe des letzten Schuljahres Nachhilfe oder Lernhilfe in Anspruch. Die Eltern gaben dafür pro Kind durchschnittlich 790 Euro aus und sehen sich nicht nur finanziell überfordert. Dies sind die Ergebnisse einer Untersuchung der Arbeiterkammer.
Sankt Pölten. 54.000 niederösterreichische Schüler:innen benötigten während der Sommerferien 2024 und im darauf folgenden Schuljahr Nachhilfe oder Lernhilfe. Rund 31.000 Schüler:innen (57 Prozent) nahmen bezahlte Nachhilfeangebote in Anspruch, wofür Familien in Niederösterreich 25,1 Millionen Euro ausgaben. Nur rund 14.000 Schüler:innen (26 Prozent) konnten auf kostenlose, an Schulen angebotene Lernhilfen zurückgreifen. Rund 17 Prozent der Kinder hatte unbezahlte private Nachhilfe.
Eltern fühlen sich überfordert
Mehr als die Hälfte jener Eltern, die für die Nachhilfe bezahlen mussten, gaben an, dass sich diese Kosten für sie spürbar bis stark belastend auswirken. Tatsächlich ist der Bedarf an Nachhilfe noch höher, als in Anspruch genommen wird. Das führt dazu, dass zwei Drittel der Eltern mit ihren Kindern mindestens einmal oder mehrmals wöchentlich selbst lernen. Der überwiegende Teil der betroffenen Eltern sieht sich dadurch zeitlich stark belastet und zudem inhaltlich überfordert, so die Studienergebnisse der AKNÖ.
Reform der „Angstfächer“ gefordert
Im Ranking der „Angstfächer“ hat Mathematik traditionell die Nase vorn. 63 Prozent aller Nachhilfemaßnahmen beziehen sich auf dieses Fach, gefolgt von Deutsch (35 Prozent) und zunehmend auch Fremdsprachen (27 Prozent). Eine Reform bei den Inhalten der Lehrpläne beziehungsweise der Vermittlung des Unterrichtsstoffes ist laut Arbeiterkammer besonders in diesen Fächern dringend notwendig. Sie sorgen für zusätzlichen Druck, mindern den generellen Schulerfolg und betroffene Schüler:innen verbinden den Lernort Schule zunehmend mit negativen Gefühlen.
Weitere Verbesserungsmöglichkeiten
Darüber hinaus benannte die AKNÖ weitere Forderungen, die als mögliche Verbesserungen umzusetzen wären: Mehr Personalressourcen in Schulen, damit der Stoff ausreichend erklärt und geübt werden kann; der Ausbau von Nachmittagsbetreuungs- und Ganztagsschulangeboten muss mit entsprechend qualifiziertem Personal vorangetrieben werden; mehr Budget für Schulen, damit alle Schüler:innen mit guten und ausreichenden Lernmaterialien versorgt sind mit kostenlosen Angeboten wie Lerncamps in den Ferien sowie finanziellen Maßnahmen wie dem Schulstartgeld und der Erhöhung der Schüler:innenbeihilfe sollen Familien entlastet werden.
Quelle: OTS