Wien. Der aktuelle Streit rund um sogenannte Gastpatientinnen und Gaspatienten zwischen Wien und Niederösterreich zeigt einmal mehr die tiefe Krise des österreichischen Gesundheitssystems. Während Gerichte darüber diskutieren, wer überhaupt zuständig ist, wird das eigentliche Problem bewusst ausgeblendet, ein Gesundheitssystem, das seit Jahren kaputtgespart wird und offen auseinanderbricht.
Der konkrete Fall um den es geht ist bezeichnend, ein Patient aus dem Bezirk Mistelbach bekommt eine längst geplante Hüftoperation kurzfristig abgesagt und zwar nicht aus medizinischen Gründen, sondern wegen seines Wohnortes. Wer die „falsche“ Postleitzahl hat, wird offenbar zu einer nicht zu bewältigenden Belastung erklärt, was nicht überraschend ist, nachdem in Wien schon seit einigen Jahren immer wieder Überlasuntsanzeigen von Beschäftigten in Spitälern getätigt und öffentlich werden. Dass Gerichte sich nun gegenseitig die Zuständigkeit zuschieben, unterstreicht nur die Absurdität der Situation. Für die Betroffenen bedeutet das vor allem eines, Unsicherheit, Verzögerung und im schlimmsten Fall gesundheitliche Verschlechterung.
Doch diese Entwicklung ist das Ergebnis jahrelanger Sparpolitik im Gesundheitsbereich im gesamten Bundesgeboet. Betten wurden reduziert, Personal eingespart, Stationen zusammengelegt und Kliniken geschlossen. Gleichzeitig steigt der Bedarf durch eine alternde Bevölkerung und zunehmende chronische Erkrankungen. Das Ergebnis ist ein System am Limit und darüber hinaus, es kostet potneitell Leben.
Statt dieses strukturelle Problem anzugehen, greifen politische Entscheidungsträger zunehmend zu Scheinlösungen. Eine davon ist die Einschränkung von Behandlungen für „auswärtige“ Patientinnen und Patienten. Doch diese Praxis ist nichts anderes als ein Versuch, Mangel zu verwalten, anstatt ihn zu beseitigen. Gesundheit ist ein Grundrecht und darf nicht von Landesgrenzen innerhalb eines Staates abhängen.
Verschleppte Behandlungen führen zu schwereren Krankheitsverläufen, längeren Ausfällen und höheren Folgekosten. Ein funktionierendes Gesundheitssystem ist keine Belastung für die Gesellschaft, sondern eine Voraussetzung für ihr Funktionieren.
Quelle: ORF




















































































