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„Nur ein einziges Mal möchte ich dich mit meinen eigenen Augen sehen.“ (Darth Vader)

David Prowse verkörperte einen der berühmtesten und eindrucksvollsten Antihelden der Filmgeschichte. Am 28. November 2020 starb er trotzdem in weitgehender Vergessenheit.

London. Der am vergangenen Samstag in London verstorbene David Charles Prowse war ironischerweise nicht gerade ein weltberühmter Schauspieler. Obwohl ihn ein Millionenpublikum in einer höchst markanten Rolle sah, kannten nur wenige Kinobesucher und TV-Konsumenten sein Gesicht, was gute Gründe hatte: Zum einen spielte er seine wichtigste Rolle mit einem permanenten, undurchsichtigen schwarzen Vollvisierhelm, denn ohne Ganzkörperrüstung, kybernetische Organe und integriertes Beatmungsgerät kann Darth Vader ja nicht überleben. Diesen verkörperte Prowse in der historisch ersten „Star Wars“-Trilogie 1977–1983, wobei er tatsächlich nur seinen Körper zur Verfügung stellte: George Lucas wählte den zwei Meter großen englischen Bodybuilder und Gewichtheber lediglich aufgrund seiner Statur aus. Schauspielern durfte Prowse nur bedingt, da er hierfür nicht gut genug war. Sein Textpart wurde im Nachhinein synchronisiert und von James Earl Jones eingesprochen, in den Lichtschwertkämpfen wurde er von Bob Anderson, Olympia-Fechter von 1952, gedoubelt. Und sogar am Ende von Episode VI („Die Rückkehr der Jedi-Ritter“), als Luke Skywalker auf dem zweiten Todesstern dem sterbenden Darth Vader – seinem Vater Anakin – den Helm abnimmt, ist nicht Prowses Gesicht zu sehen, sondern jenes von Sebastian Shaw, Mitglied der Royal Shakespeare Company. Prowse durfte nicht einmal selbst sterben – zumindest nicht auf der Leinwand. Das machte ihn zur tragischen Figur im Filmbusiness und im richtigen Leben.

Insofern wussten auch nur überinvolvierte Fans, wie David Prowse aussah oder wie seine Stimme klang, obwohl er in drei Blockbustern im Kostüm eines der berühmtesten Filmbösewichte der Kinogeschichte steckte. Man könnte auch sagen: Hollywood hat den aus einem proletarischen Vorort von Bristol stammenden Prowse als Körperdouble missbraucht – und dann wieder ausgespuckt: Es bedurfte einiger Überzeugungsarbeit von gutwilligen Kollegen, bis Lucas es zuließ, dass der eigentliche (optische) Darth Vader-Darsteller bei „Star Wars“-Conventions wenigstens anwesend sein durfte – schließlich sollte aus PR-Gründen jedermann die Darth Vader-Rolle mit Jones identifizieren, der nun mal die berühmten Worte sprach: „I am your father.“ – Freilich war auch die sonstige Schauspiel-Karriere von David Prowse überschaubar. Abgesehen von physisch relevanten Nebenrollen bzw. Gastauftritten in „Clockwork Orange“ (1971), „Zirkus der Vampire“ (1972), „Mondbasis Alpha“ (1976) oder „Jabberwocky“ (1977) waren seine prominentesten Engagements jene als Frankensteins Monster, als das er in gleich drei Filmen durch die Szenerie stapfte. Der ansonsten körperlich fitte Prowse litt fast sein ganzes Leben an Arthritis, später kamen Krebs und zuletzt Demenz hinzu. Nun starb er im Alter von 85 Jahren in London, und zumindest jetzt nahmen die Entertainment- und Society-Medien kurz wieder Notiz von ihm. Als Darth Vader hat er Filmgeschichte geschrieben, auch wenn ihm dies kaum Ruhm einbrachte.

Quelle: BBC

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