Kritik an Copa América in Brasilien

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(Rio de Janeiro - RJ, 07/07/2019) Presidente da República, Jair Bolsonaro, durante a final da Copa América 2019, entre as seleções do Brasil e Peru..Foto: Clauber Cleber Caetano/PR

Brasília. Die Ausrichtung des Fußballturniers Copa América steht in der Kritik. Ursprünglich sollten eigentlich Argentinien und Kolumbien Gastgebernationen des traditionellen kontinentalen Turniers zur Ermittlung des Südamerikameisters sein – und zwar bereits im Jahr 2020. Nach der Verschiebung um ein Jahr steht nun Argentinien aufgrund der aktuellen CoViD-Situation im Land auch heuer nicht mehr zur Verfügung, und in Kolumbien kam es zu so massiven Protesten, dass sich das Land ebenfalls von der Ausrichtung distanzierte.

Nun soll das seit dem Jahr 1916 stattfindende Turnier der südamerikanischen Nationalteams in Brasilien durchgeführt werden – wenig überraschend ist Präsident Bolsonaro, der für seine verharmlosende Position in Sachen Corona bekannt ist, gerne bereit, die prestigeträchtige Südamerikameisterschaft auszurichten. Bedenken aufgrund der hohen Infektions- und Todeszahlen scheint es seinerseits nicht zu geben, obwohl Brasilien nach den USA die zweithöchste Zahl an Todesfällen in Zusammenhang mit Corona verzeichnet und auch aktuell etwa 3.000 Tote pro Tag statistisch erfasst werden. Das Land hat das Infektionsgeschehen nicht unter Kontrolle, die Auslastung der Intensivstationen in den Städten, die als Austragungsorte ausgewählt wurden, liegt bei über 80 Prozent.

Kritik am geplanten Vorgehen wird nicht nur aus dem Ausland laut. Neben Medizinerinnen und Medizinern, diversen Politikerinnen und Politikern äußern sich auch die Sportler selbst kritisch gegenüber den Plänen. Der Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft, Casemiro (Real Madrid), deutete sogar an, dass das Team den Wettkampf boykottieren könnte, da es in der aktuellen Pandemiesituation unverantwortlich sei, ein solches Turnier in Brasilien auszurichten.

Gegenüber Al Jazeera News sprach der ecuadorianische Verteidiger Robert Arboleda (FC São Paulo) davon, dass die Kapitäne der Nationalmannschaften über ihre Teilnahme an der südamerikanischen Meisterschaft diskutieren, die vom 13. Juni bis zum 10. Juli ausgetragen werden soll. Hochkarätige Stars wie der Argentinier Sergio Agüero (Manchester City) oder der Uruguayer Luis Suárez (Atlético Madrid) haben sich ebenfalls besorgt geäußert, während die chilenische Nationalmannschaft einen Boykott in Erwägung zieht, da Teamchef Martín Lasarte sagte, in Brasilien zu spielen sei ein „gigantisches Risiko“.

Die Zahl der Todesfälle durch CoViD-19 hat in Lateinamerika und der Karibik eine Million Menschen überschritten, wobei sich die Pandemie in dem Teil der Welt mit der höchsten Pro-Kopf-Todesrate weiter verschlimmert. Gleichzeitig liegt die Impfquote etwas in Brasilien bei lediglich zehn Prozent. Nachdem u.a. die Fernsehrechte im Wert von 100 Millionen Dollar jedoch bereits verkauft sind, weigert sich der südamerikanischen Fußballverband CONMEBOL jedoch, das Turnier ein zweites Mal in Folge zu verschieben. Schließlich geht es auch bei solchen Großveranstaltungen um den Profit.

Quelle: Al Jazeera News / Al Jazeera News