Israelische Luftangriffe auf Beirut sowie auf Städte im Süden und Osten des Libanon haben mehr als hundert Menschen getötet. Während die Kämpfe mit der Hisbollah eskalieren, verschärft sich zugleich die humanitäre Lage für die Zivilbevölkerung.
Beirut. Die Zahl der Todesopfer infolge israelischer Angriffe im Libanon ist nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums auf mindestens 123 gestiegen. Zudem wurden 683 Menschen verletzt. Die Angriffe sind Teil einer neuen Phase brutaler und blutiger Ausweitung israelischer Befugnisse.
In der Nacht griffen israelische Kampfflugzeuge mehrere Orte im Süden des Landes an, darunter Srifa, Aita al-Shaab, Touline, as-Sawana und Majdal Selem. Auch über den Städten Tyros und Bint Jbeil wurden israelische Flugzeuge gesichtet.
Weitere Angriffe trafen den Osten des Landes. So wurde die Stadt Douris im Bekaa-Gebiet im Morgengrauen bombardiert. Zudem meldete die israelische Armee einen weiteren Angriff auf den südlichen Vorort Dahiyeh in der libanesischen Hauptstadt Beirut.
Auch die südlibanesische Stadt Sidon wurde erneut Ziel israelischer Luftschläge. Laut Gesundheitsministerium wurden dort fünf Menschen getötet und sieben verletzt.
Drohungen und Zwangsumsiedlung
Die Hisbollah rief israelische Bewohner dazu auf, Orte innerhalb von fünf Kilometern zur libanesischen Grenze zu verlassen. Israel hatte zuvor die Bewohnerinnen und Bewohner der südlichen Vororte Beiruts aufgefordert, das Gebiet zu räumen. In der dicht besiedelten Zone Dahiyeh, in der etwa eine halbe Million Menschen leben, kam es daraufhin zu einer massenhaften Fluchtbewegung.
Die israelische Armee erklärte, sie habe dort bereits 26 Angriffswellen durchgeführt und dabei Infrastruktur der Hisbollah getroffen, darunter das Hauptquartier ihres Exekutivrats sowie ein Lager mit Drohnen.
Die Hisbollah kündigte an, die Angriffe auf den Libanon würden nicht unbeantwortet bleiben. Die Organisation erklärte, ihre Kämpfer hätten israelische Bodentruppen in mehreren Gebieten innerhalb des Libanon angegriffen, darunter Maroun al-Ras und Kfar Kila. Zudem seien ein israelisches Militärlager auf den Golanhöhen sowie ein Marinestützpunkt im Hafen von Haifa attackiert worden. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt.
Israel teilte unterdessen mit, dass es seine Grenzstädte nicht evakuieren werde und weitere Soldaten in den Libanon entsandt habe. Dies wird in Israel als eine defensive Maßnahme zum Schutz der israelischen Bevölkerung nahe der Grenze verkauft.
Wachsende humanitäre Krise und Kritik der UNO
Während die Kämpfe anhalten, verschärft sich die humanitäre Situation im Libanon. Zehntausende Menschen haben nach israelischen Evakuierungswarnungen ihre Häuser verlassen. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur NNA sind die südlichen Vororte Beiruts inzwischen nahezu menschenleer.
Viele der Vertriebenen suchten vorübergehend Zuflucht an Stränden oder auf Straßen, da es nicht genügend Unterkünfte gibt. Hunderte Familien warteten unter freiem Himmel, einige von ihnen bereits zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit, nachdem sie schon während der Kämpfe zwischen Israel und Hisbollah im Jahr 2024 fliehen mussten.
Die libanesische Regierung hat Notunterkünfte eingerichtet und die Bevölkerung aufgerufen, in den Norden des Landes zu ziehen. Allerdings fehlt vielen Menschen eine Transportmöglichkeit. In den betroffenen Vierteln leben neben Libanesen auch zahlreiche syrische und palästinensische Flüchtlinge.
Kritik kam auch von den Vereinten Nationen. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte äußerte Besorgnis über die großangelegten Evakuierungsanordnungen der israelischen Armee für den Süden des Libanon und die südlichen Vororte Beiruts. Solche massenhaften Vertreibungen von Hunderttausenden Menschen könnten Fragen im Hinblick auf das internationale humanitäre Recht aufwerfen, insbesondere im Zusammenhang mit Zwangsumsiedlungen.
Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz warnte vor den Folgen für besonders verletzliche Gruppen wie ältere Menschen, Kranke und Menschen mit Behinderungen, für die eine Evakuierung oft nur schwer möglich sei. Gleichzeitig unterstützt das Libanesische Rote Kreuz unter schwierigen Bedingungen die Evakuierung von Patientinnen und Patienten aus Krankenhäusern in den betroffenen Gebieten.
Quelle: AJ


















































































