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Katholische Kirche verliert weiter Schäfchen

Die Römisch-Katholische Kirche in Österreich befindet sich ungebrochen in einem Schrumpfungsprozess. Schon in wenigen Jahren wird eine absolute Mehrheit der Bevölkerung ihr nicht mehr angehören.

Wien. Im Jahr 2020 verzeichnete die Römisch-Katholische Kirche in Österreich 58.535 Austritte. Dies ist zwar eine kleinere Zahl als 2019, bewegt sich aber im Bereich des Durchschnitts des letzten Jahrzehnts, da seit dem Rekordjahr 2010 (85.960) jeweils zwischen 50.000 und 60.000 Menschen die katholische Kirche verlassen haben. Freiwillige Eintritte gab es hingegen im vergangene Jahr nur 3.870 (2019: 4.898). Da auch die Kindestaufen rückläufig sind (2019: 44.947) setzt sich die Entwicklung fort, dass es in Österreich immer weniger Katholikinnen und Katholiken gibt: Die Zahl der Gläubigen schrumpft also weiter. Mit 31. Dezember 2020 gehörten 4,91 Millionen Österreicherinnen und Österreicher der Römisch-Katholischen Kirche an – gegenüber 2019 sind dies um rund 80.000 (1,5%) weniger, denn hier kommen natürlich noch die verstorbenen Personen hinzu. Mit dieser Gesamtzahl ist wohl ein neuer Negativrekord seit Reformation und Dreißigjährigem Krieg erreicht.

Auch ein sich mitunter sozial oder gar „progressiv“ inszenierender päpstlicher Oberhirte kann offensichtlich nichts daran ändern, dass schon bald nur noch weniger als 50 Prozent der österreichischen Bevölkerung katholisch sein werden, 2018 waren es noch 57 Prozent (5,05 Millionen). Anzumerken ist, dass dieser Rückgang freilich nichts mit einer oft diskutierten Ausbreitung des Islam (stabil bei ca. 8% der Bevölkerung) zu tun hat, denn es gibt kaum Konversionen von der katholischen Kirche zur Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. Die ausgetretenen Ex-Katholikinnen und ‑Katholiken reihen sich zumeist in die Gruppe der Konfessionslosen ein, die bei steigender Tendenz etwa 1,5 Millionen Menschen umfasst. Insofern darf man sich durchaus Gedanken darüber machen, wie zeitgemäß Religionen noch sind. Finanziell bringen die jährlichen Austrittswellen die katholische Kirche übrigens noch nicht in Bedrängnis: 2019 wurden immerhin 481 Millionen Euro über die Mitgliederbesteuerung („Kirchenbeiträge“) eingenommen.

Quelle: ORF

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