Gastbeitrag von Gerhard Oberkofler, geb. 1941, Dr. phil., Universitätsprofessor i. R. für Geschichte an der Universität Innsbruck.
Prinz Michael von und zu Liechtenstein gibt in Vaduz (Liechtenstein) die Zeitschrift „Der Pragmaticus“ (derpragmaticus.com) heraus. Chefredakteur dieser Zeitschrift ist seit 2021 Andreas Schnauder, dessen Kommentare online ohne Paywall gelesen werden können und der zuvor bei der für seine „Haltung“ bekannten Wiener Zeitung DerStandard tätig war. Für die Ausgabe 3/2026 von „Der Pragmaticus“ wünscht Andreas Schauder als Repräsentant der österreichischen Medienlandschaft in seinem Editorial „Viel Spaß bei der Lektüre!“.
Wer aber wird “Spaß“ beispielsweise beim Lesen des in dieser Ausgabe abgedruckten Artikels „Frauen ins Heer!“ (S. 30–33) von Sarit Zehavi haben? Sarit Zehavi ist Gründerin und Präsidentin des Alma Research and Education Center, das „auf die Sicherheitsherausforderungen entlang Israels Nordgrenze spezialisiert“ ist. Abgerüstet hat diese Kampffrau als Oberstleutnant und Geheimdienstoffizier der Armee Israels. Wieviele Palästinenserinnen und Palästinenser Sarit Zehavi in ihrer aktiven Zeit gezielt getötet hat, bleibt unbekannt.
Seit 1995 erfüllen israelische Frauen in den „Israel Defense Forces“ (IDF) bis hinauf in Führungspositionen ihre „Pflicht“ zum Töten. Das israelische Militär mit seinen Männern und mit den ihnen gleichgestellten Frauen führt einen genozidalen Krieg gegen das palästinensische Volk, das israelischen Faschisten als nicht gleichwertig gilt. Israels „wehrhafte Frauen“ töten Frauen und Mädchen des palästinensischen Volkes. Die noch lebenden palästinensischen Frauen und Mädchen leiden unter akuter und katastrophaler Ernährungsunsicherheit, wie die Organisation UN Woman in ihrem am 17. April 2026 veröffentlichten Bericht feststellt. Zwischen Oktober 2023 und Dezember 2025 wurden im Gazastreifen mehr als 38.000 Frauen und Mädchen getötet, was durchschnittlich mindestens 47 getötete palästinensische Frauen und Mädchen pro Tag sind. Die Anzahl der verletzten palästinensischen Frauen und Mädchen oder der noch unter den Trümmern der gezielt bombardierten Häuser liegen ist nicht annähernd bekannt.
Zwei Meldungen vom April d. J. über den von israelischen Soldatinnen und Soldaten begangenen Genocid in Gaza: „In den sechs Monaten seit der Vereinbarung des Waffenstillstands [in Gaza] wurden täglich mindestens zwei Kinder getötet oder verletzt“ („Save the Children UK“, 10. April 2026). „Es ist nicht das erste Mal, dass Israel Rettungskräfte daran hindert, zu Journalist*innen zu gelangen, die bei den Angriffen verletzt wurden. Journalist*innen sind Zivilist*innen und stehen unter dem Schutz des Völkerrechts. Israels eklatante Missachtung solcher Normen – und das Versäumnis der internationalen Gemeinschaft, das Land dafür zur Rechenschaft zu ziehen – ist verabscheuungswürdig“.(Jodie Ginsberg, Geschäftsführerin der Organisation „Committe to Protect Journalists“ (CPJ), 23. April 2026).
„Aus strategischer Sicht ist klar: Österreich sollte die Fesseln der Neutralität abschütteln“ (S. 13) propagiert in dieser Ausgabe des „Der Pragmaticus“ der frühere österreichische Generalstabsoffizier und Brigadier Gerald Karner. Dies, zumal „Todesgrüße aus Moskau“ (S. 27) Österreich erreicht haben sollen. Die zum Krieg aufrüstenden und hintreibenden österreichischen Medien wie „Der Pragmaticus“ nutzen die nach Applaus und Geld gierenden intellektuellen Bannführer, die sich wie „Österreichs Vorzeigephilosoph und wissenschaftlicher Leiter des Philosophicums Lech“ Konrad Paul Liessmann zuhauf als Experten anbieten. Der als „einer der größten zeitgenössischen Literaten Österreichs“ sich mit seinem „Salon“ (S. 76 f.) andienende Michael Köhlmeier argumentiert, dass die Hindernisse der Gegenwart „unsere intellektuellen Kräfte“ herausfordern, „unsere psychischen Kräfte – und unsere moralische Standfestigkeit“. Köhlmeier fühlt als Prototyp der zu Bellizisten gewordenen literarischen Kapital-Agenten aus der 68er-Bewegung sich in dem von der herrschenden Klasse propagierten Mythos angenehm aufgehoben. „Bei genauer Betrachtung erkennen wir,“, so Köhlmeier, „dass die Moral, die uns das christliche Abendland eingeimpft hat, die robusteste Barriere auf dem Weg zum Erfolg darstellt“ (S. 76).



















































































