Der 11. Februar 2026 markiert einen Einschnitt im katalanischen Bildungssektor. Hunderttausende Lehrkräfte, Beschäftigte und Unterstützer gingen in mehreren Städten auf die Straße, um gegen die fortschreitende Verschlechterung der öffentlichen Bildung zu protestieren. Die Mobilisierung war eine der größten seit Jahrzehnten und Ausdruck eines sich zuspitzenden sozialen Konflikts.
Hintergrund dieser Entwicklung ist eine seit Jahren voranschreitende Umstrukturierung des Bildungssystems. Seit der Verabschiedung der Bildungsgesetzgebung von 2009 wurde die öffentliche Bildung systematisch geschwächt und zugleich die private, staatlich subventionierte Bildungsinfrastruktur ausgebaut. Besonders deutlich zeigt sich dies im Bereich der beruflichen Bildung, wo das private Angebot in kurzer Zeit massiv ausgeweitet wurde.
Parallel dazu haben strukturelle Reformen – etwa zur „Autonomie der Schulen“, zur Rolle der Schulleitungen und zur Personalpolitik – die Arbeitsbedingungen des pädagogischen Personals erheblich verändert. Befristung, willkürliche Auswahlverfahren und steigender Leistungsdruck prägen zunehmend den Alltag. Gleichzeitig führen hohe Klassengrößen, Ressourcenmangel und wachsende soziale Probleme unter den Schülern zu einer massiven Arbeitsverdichtung.
Ein Abkommen gegen die Bewegung
Inmitten dieser wachsenden Mobilisierung kam es Anfang März zu einem Abkommen zwischen der Regionalregierung und den Gewerkschaften CCOO und UGT. Dieses wurde jedoch ohne breiten Konsens innerhalb der Bewegung abgeschlossen und stieß auf erheblichen Widerstand.
Zwar enthält die Vereinbarung einzelne materielle Verbesserungen – etwa schrittweise Gehaltserhöhungen, eine geplante Reduzierung der Klassengrößen und Anpassungen bei der Stellenvergabe. Doch Zeitpunkt und Zustandekommen des Abschlusses führten zu einer Spaltung der gewerkschaftlichen Front.
Im Zeitraum vom 16. bis zum 20. März kam es deshalb zu neuerlichen Streiks. Unter dem Motto „Verhandlung oder Rücktritt“ forderten die Beschäftigten die Wiederaufnahme echter Verhandlungen mit der Regionalregierung. Unterschiedliche Berichte sprechen von 15.000 bis 25.000 Streikenden auf den Straßen Kataloniens. Die Beteiligung war so hoch, dass je nach Quelle rund 44 % oder sogar deutlich mehr in den Streik traten. Schulen blieben vielerorts leer, während sich die Proteste auf zentrale Verkehrsachsen und das politische Zentrum konzentrierten.
Nach Einschätzung der Kommunistischen Partei der Arbeiter Kataloniens (PCTC) schwächte das Abkommen die Dynamik der Bewegung gezielt. Die Regierung habe es verstanden, den Druck umzulenken und Konflikte innerhalb der Gewerkschaften zu verstärken, anstatt die Ursachen der Proteste zu adressieren.
Die Situation offenbarte zugleich eine tiefere Krise der traditionellen sozialpartnerschaftlich orientierten Gewerkschaften. Während große Gewerkschaften weiterhin über erhebliche Strukturen verfügen, wächst die Distanz zu Teilen der Basis. Gleichzeitig gewinnen kleinere, oft stärker berufsbezogene Organisationen an Einfluss, ohne jedoch eine einheitliche strategische Orientierung zu bieten.
Privatisierung und soziale Spaltung
Ein zentraler Streitpunkt bleibt die fortschreitende Privatisierung des Bildungswesens. Nach Ansicht der PCTC ist diese Entwicklung kein isoliertes Phänomen, sondern Teil einer umfassenderen Verschiebung zugunsten kapitalorientierter Interessen.
Die Ausweitung privater Bildungsangebote, gekoppelt mit einer Unterfinanzierung öffentlicher Einrichtungen, verschärft soziale Ungleichheiten. Gleichzeitig werden Lehrkräfte stärker unter Druck gesetzt – etwa durch steigende Arbeitsbelastung, zunehmende Bürokratisierung und Perspektiven leistungsabhängiger Vergütungssysteme.
Hinzu kommen curriculare Veränderungen, die nach Kritik aus Teilen der Bewegung zu einer Absenkung wissenschaftlicher Bildungsinhalte führen. Dies treffe insbesondere Schülerinnen und Schüler aus Arbeiterfamilien und verstärke bestehende Bildungsungleichheiten.
Neue Eskalationsstufe: Polizei an Schulen
Ende April erreichte der Konflikt eine neue Qualität. Die katalanische Regionalregierung, geführt von der Partei der Sozialisten Kataloniens (PSC-PSOE), kündigte an, Polizeikräfte in Bildungseinrichtungen zu entsenden.
Offiziell wird dies mit zunehmenden Konflikten an Schulen begründet. Kritiker sehen darin jedoch einen Versuch, auf soziale Probleme mit repressiven Mitteln zu reagieren, anstatt deren Ursachen zu bekämpfen.
Die PCTC warnt, dass die Präsenz von Polizei – insbesondere der regionalen katalanischen Polizeieinheiten – das Schulklima nachhaltig verändern werde. Diese stehen immer wieder in der Kritik wegen Übergriffen, Fällen von schwerer Folter und Misshandlungen und dem exzessiven Einsatz von Gewalt inklusive Gummigeschossen. Es drohe eine Normalisierung von Kontrolle und Einschüchterung sowie eine verstärkte Überwachung des pädagogischen Personals.
Zugleich wird argumentiert, dass die Maßnahme in einem direkten Zusammenhang mit der wachsenden Organisierung und Streikbereitschaft im Bildungssektor steht. Schulen als große öffentliche Arbeitsorte geraten damit stärker in den Fokus staatlicher Kontrolle.



















































































