Jugendkriminalität ist ein sehr komplexes Thema, das im öffentlichen Raum überwiegend emotionalisiert und weniger sachlich und lösungsorientiert diskutiert wird. Die Lösungen für dieses reale und in manchen Städten akute Problem, die vorgeschlagen und umgesetzt werden, sind mit Diskursen rund um Rache und Bestrafung und nicht unbedingt mit Resozialisierung verknüpft.
Das ist kein Zufall. Während Jugendkriminalität ein klares gesellschaftliches Problem ist, kann es von den Herrschenden so präsentiert und ausgenutzt werden, damit sie ihre Herrschaft hinauszögern – und die Herrschenden schämen sich nicht, sie nutzen jede Möglichkeit aus.
In El Salvador wurde die Brutalität von Bandenkriminalität mit mehr Brutalität vom bürgerlichen Staat beantwortet. Das Ergebnis? El Salvador befindet sich im Prinzip im dauerhaften Ausnahmezustand und wird diktatorisch regiert. Die Kriminalität wurde nicht bekämpft, aber die Herrschenden herrschen weiter. Für die Arbeitenden und das einfache Volk ist das eine lose-lose Situation (es gibt für unsere Klasse keine win-win Situation im Kapitalismus). Die negativen Entwicklungen in El Salvador sind keine Überraschung. Lateinamerika ist der Hinterhof der US-Monopole.
Schweden: Kinder im Hochsicherheitsgefängnis
Was bedeutet aber, wenn Kinder und Jugendliche ab einem Alter von 13 Jahren in einem Land, das konstant als vorbildlich und fortschrittlich gerühmt wird, ins Gefängnis kommen? Und was bedeutet es zusätzlich, wenn ca. die Hälfte dieser Kinder und Jugendliche mit psychischen Störungen diagnostiziert wurde? Die Rede ist von Schweden und zwar von der Entscheidung der derzeitigen Regierung, minderjährige Straftäter für schwere kriminelle Taten und Bandenkriminalität in das Hochsicherheitsgefängnis Kumla zu bringen.
Diese Maßnahme basiert weder auf wissenschaftlichen Erkenntnissen noch wird sie von tatsächlichen Experten unterstützt. Gefängnischef Herr Mwepu hat sich gegen diese Entscheidung positioniert. Experten aus dem Bereich Kinderrechte betonen, dass das Gehirn eines 13-jährigen biologisch noch nicht vollständig entwickelt ist und er daher Konzepte wie Verantwortung nicht gleich wie ein Erwachsener wahrnehmen kann. Auf Deutsch gesagt: in einem Rahmen für kriminelle Erwachsene gibt es kaum Möglichkeiten, das Leben eines Kindes oder eines Jugendlichen in konstruktive Bahnen zu lenken. Darüber hinaus sollte man nicht außer Acht lassen, dass Kinder und Jugendliche, die kriminelle Taten begehen, oft nicht nur Täter, sondern gleichzeitig Opfer sind: sie werden von Banden zwangsweise rekrutiert und selbst mit Gewalt konfrontiert. Man muss also den Teufelskreis der Jugendkriminalität brechen und ihn nicht in Kontakt mit dem Teufelskreis der Kriminalität der Erwachsenen bringen.
Maßnahme dient dem Wahlkampf
Der Grund für diese Entscheidung der Mitte-rechts-Regierung ist opportunistisch und absolut populistisch. In September 2026 finden in Schweden Wahlen statt und die ohnehin fragile Koalition will ihre Entschlossenheit zeigen, um das Wahlergebnis zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Also, das Ziel dieser Maßnahme ist es, die Wahlen zu gewinnen und nicht die Kriminalität in Schweden gründlich zu bekämpfen.
Die oben genannten Anzeichen von Fäulnis sind die aktuellsten aber keinesfalls die ersten im nordischen Land. Die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) hat bereits seit Jahren die vulgären und letztklassigen Werbekampagnen von Sugar-Daddy-Webseiten in Schweden aufgezeigt. Mit Slogans, die Studienkredite thematisieren, und mit ausdrücklicher Kommerzialisierung des weiblichen Körpers wurde in Schweden und in mehreren anderen Ländern versucht, Studentinnen für scheinselbständige Sexarbeit zu rekrutieren. Die übrigen Parteien warfen der KKE vor, die Rechte der Frauen und ihr Selbstbestimmungsrecht nicht anzuerkennen. Ja, ihr habt das richtig verstanden: bürgerliche Parteien unterstützen nicht das Recht auf kostenfreie Universitäten und Bildungseinrichtungen, sondern sie unterstützen das Recht auf Prostitution, damit die Studiengebühren und Lebenskosten bezahlt werden können.
Lange Rede, kurzer Sinn: Kinder und Jugendliche ins Gefängnis schicken, anstatt ihnen ordentliche Perspektiven anzubieten und Studentinnen, die mit irgendwelchen besserverdienenden Männern für einen Bachelor schlafen müssen. Ist das das Nordische Modell, das die Sozialdemokratie uns als Lösung gegen Neoliberalismus vorschlägt? Nein, danke!
Neue Ansätze in der frühen Sowjetunion
Das Kapital und seine Lakaien wollen weder, noch können sie sich mit der Jugend – und daher mit der Zukunft unserer Gesellschaft – ordentlich und lösungsorientiert beschäftigen. Marxisten-Leninisten haben in derartigen Verwaltungsmodellen von Kapitalismus nichts zu suchen. Kapitalismus gehört gestürzt. Nur so und zwar im Rahmen des Arbeiterstaates können wir neue, bessere Modelle von Resozialisierung entwickeln. Die Gorki-Kolonie als Arbeits- und Erziehungskommune für Straßenkinder und jugendliche Straftäter, ein Projekt des sowjetischen Pädagogen Anton Makarenko, hat von Anfang an positive Ergebnisse erbracht. Nicht nur haben Kinder und jugendliche Straftäter ihre kriminelle Vergangenheit nicht wiederholt, sondern haben sie auch produktive Arbeit gelernt und die FED-Kamera entwickelt – und das in 1934 (!) und zwar in weniger als 10 Jahren seit Gründung der Kolonie! Die Kinder und Jugendlichen vom Kumla-Gefängnis in Schweden bekommen nicht die Gelegenheit, Kameras aufzubauen; nach der Haftentlassung werden sie höchstwahrscheinlich keine Fähigkeiten und Perspektiven haben und entweder Kriminelle werden oder Sugar Daddies und/oder Mummies finden.
Quellen: The Guardian/Rizospastis




















































































