Während die Mikrodramen-Industrie und die Produktion derartiger Videos mittels KI in China boomen, stellen technische Limitierungen und Nutzungsrechte eine Herausforderung für chinesische Monopole der Branche dar. Der „freie“ Markt hat aber wieder eine originelle Lösung gefunden: Menschen können ihre biometrischen Daten an Firmen vermieten.
Zahlen und Fakten
Mikrodramen sind in den letzten Jahren in China zu einem verbreiteten Trend geworden. Als Zielgruppe haben sie die „TikTok-Generation“ im Blick. Jede Episode dauert etwa eine Minute. Eine Serie kann mehr als 100 Episoden umfassen. Die Branche ist umsatzstark: der Markt wird auf einen Wert von 7 bis 14 Milliarden US-Dollar geschätzt. Es ist also viel Geld im Spiel. Der Rhythmus der Produktion muss schnell sein. Mikrodramen brauchen ca. 1 Woche um vollständig gedreht zu werden. Das ist aber für das Kapital nicht schnell genug, daher wird massivKI verwendet: Allein in den ersten 3 Monaten des Jahres wurde für 95% der 128.000 Mikrodramen bei der Produktion KI genutzt.
Die Herausforderung für das Kapital
Der Einsatz künstlicher Intelligenz hat die Profitabilität erhöht, allerdings hat er auch zwei Herausforderungen mit sich gebracht. Erstens waren die Gesichter der KI-generierten Figuren nicht immer individuell und ausreichend voneinander zu unterscheiden. Das kann die Zuschauerzahl negativ beeinflussen und somit die Umsätze senken. Zweitens kam es immer wieder zu Beschwerden und Klagen von Personen, die deutliche Ähnlichkeiten zwischen sich selbst und den KI-generierten Figuren erkannten. Beschwerden und Klagen bedeuten schlechte PR, mögliche Strafen und Entschädigungszahlungen.
Die Lösung des Kapitals
Natürlich erwartet man vom Kapital keine Lösungen, die primär darauf abzielen, das Leben der Menschen zu verbessern. Nichtsdestotrotz gibt es eine Reihe von Ansätzen, die durchaus vorstellbar wären. Zum Beispiel könnten KI-Anwendungen gezielt besser programmiert oder mit Skizzen von Künstlern gefüttert werden. Jedoch findet die Realität anders statt: um echte Individualität zu gewährleisten und Klagen zu vermeiden, wurden zuletzt mindestens zwei Online-Start-Ups gegründet, die dem Kapital eine Datenbank von echten Gesichtern – biometrischen Daten – zur Verfügung stellen. Das System ist einfach: man lädt seine Bilder nach dem Prinzip der Selbstbedienung hoch und wartet, bis irgendwelche Mikrodrama-Serien die Daten mieten. Reich wird man damit nicht. Bei manchen Plattformen bekommt man nur 15 US-Dollar pro Episode, wobei 10 % davon an die Plattform gehen. Somit kann man 13,50 US-Dollar dafür verdienen, dass das eigene Gesicht detailliert digital gespeichert und für Mikrodramen sichtbar gemacht wird. Cyberangriffe und zukünftige bösartige Nutzung dieser Daten können natürlich nicht ausgeschlossen werden.
Eine kurze Reflektion…
Natürlich muss man derartige Themen langfristig und kontinuierlich beobachten, um sich eine umfassende Meinung darüber zu bilden. Gleichzeitig gibt es aber Aspekte, die den Charakter derartiger Entwicklungen sofort erkennen lassen. Wir sind es im Kapitalismus gewohnt, dass Waren so dargestellt werden, als ob sie menschliche Eigenschaften besitzen und diese Eigenschaften auf die Menschen übertragen – etwa nach dem Motto: „Attraktives Auto? Kauf das Auto, damit du attraktiv wirst.“ Ein Aspekt des Warenfetischismus wäre das, in Marx’scher Sprache gesprochen. Die Entwicklung von Datenbanken mit biometrischen Daten für die Filmindustrie geht jedoch einen Schritt weiter. Waren werden nicht symbolisch mit menschlichen, abstrakten Eigenschaften aufgeladen, sondern nach konkreten physischen Merkmalen gestaltet. Vor nicht allzu vielen Jahren begann der Trend, dass Menschen in sozialen Medien und Online-Spielen digitale Avatare verwenden, die ihnen ähneln oder sie in idealisierter Form darstellen. Ein Markt für biometrische Daten zur Herstellung besserer KI-Charaktere macht die Einzigartigkeit des Individuums zunehmend zu einer ökonomisch verwertbaren Ressource. Im Rahmen dieser Umwandlung bleibt jedoch ein Rätsel: Wer ist wer? Spielen wir mit unseren Avataren – oder spielen die KI-Figuren mit uns? Und wer spielt mit den KI-Figuren? Das Kapital spielt mit uns allen. Hm, Marionetten des Kapitals im digitalen Zeitalter!
Quellen:aiweekly/tagesspiegel/restofworld/sky


















































































