Innsbruck. Die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten machen sich auch im Innsbrucker Sozialmarkt deutlich bemerkbar. Seit 2022 sind die Preise für Lebensmittel und Energie im Schnitt um mehr als 30 Prozent gestiegen. Immer mehr Menschen geraten dadurch beim Einkauf von Dingen des täglichen Bedarfs unter Druck. Im Sozialmarkt Innsbruck kaufen inzwischen rund 600 Personen regelmäßig ein.
Marktleiterin Evi Obermair berichtet, dass seit etwa einem Jahr deutlich mehr Menschen auf das Angebot angewiesen sind. Zuletzt sei die Zahl erneut gestiegen. Man merke klar, dass es für viele Personen „sukzessive schwieriger“ werde, das Leben zu bewältigen.
Lebensmittel zu stark reduzierten Preisen
Im Sozialmarkt werden Brot, Gemüse, Obst, Milchprodukte und andere Waren zu einem Bruchteil des üblichen Handelspreises angeboten. Viele Produkte stammen aus dem Lebensmittelhandel, von Landwirtinnen und Landwirten, Cateringunternehmen oder Privatpersonen. Häufig handelt es sich um Ware zweiter Wahl, falsch verpackte Produkte, Lebensmittel nahe am Ablaufdatum oder überschüssige Waren.
Wer im Sozialmarkt einkaufen will, muss ein geringes Einkommen nachweisen. Für eine Einzelperson darf das Nettoeinkommen nicht mehr als 1.200 Euro im Monat betragen.
Angst vor Heizkosten im Winter
Neben den Lebensmittelpreisen bereiten vielen Kundinnen und Kunden die kommenden Energiekosten Sorgen. Laut Obermair ist das Thema warme Wohnung für viele Menschen zentral. Dabei gehe es nicht um besonders hohe Raumtemperaturen, sondern oft nur um 18 bis 20 Grad.
Diese Aussagen zeigen, wie eng der finanzielle Spielraum vieler Menschen geworden ist. Wenn selbst Grundnahrungsmittel und eine halbwegs warme Wohnung zur Belastung werden, ist Armut keine Randerscheinung mehr. Sie betrifft längst auch Menschen, die früher vielleicht nicht damit gerechnet hätten, auf günstige Lebensmittelangebote angewiesen zu sein.
Armut im Alter
Besonders auffällig sei laut der Marktleiterin eine neue Kundenschicht: einheimische Männer und deutlich mehr Frauen, die am Ende ihres Erwerbslebens stehen. Viele würden feststellen, dass die Pension deutlich niedriger ausfällt als erwartet. Nach Miete, Energie, Versicherungen und anderen Fixkosten bleibe oft kaum noch Geld für Grundnahrungsmittel.
Wer jahrzehntelang gearbeitet hat und am Ende trotzdem auf einen Sozialmarkt angewiesen ist, erlebt nicht nur individuelle Not. Es zeigt sich ein strukturelles Problem: Einkommen und Pensionen halten mit den realen Lebenshaltungskosten für viele Menschen nicht Schritt.
Sozialmärkte lindern Not, lösen sie aber nicht
Sozialmärkte leisten wichtige konkrete Hilfe. Sie ermöglichen Menschen mit geringem Einkommen, Lebensmittel günstiger zu bekommen und damit den Alltag etwas besser zu bewältigen. Gleichzeitig dürfen sie nicht zur Normalität werden. Wenn täglich hunderte Menschen in einer Stadt auf vergünstigte Ware angewiesen sind, verweist das auf ein tieferliegendes soziales Problem.
Dass überschüssige Lebensmittel weitergegeben werden, ist sinnvoll. Doch eine Gesellschaft, in der Überfluss auf der einen Seite und Armut auf der anderen Seite nebeneinander bestehen, muss sich grundsätzliche Fragen stellen. Menschen brauchen nicht nur Spenden und günstige Restwaren, sondern ausreichende Einkommen, leistbare Wohnungen, niedrige Energiepreise und eine soziale Absicherung, die tatsächlich vor Armut schützt.
Quelle: ORF






















































































