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Zum Tod von Otto Barić

Mit Otto Barić verstarb am 13. Dezember einer der markantesten Trainer der österreichischen Fußballgeschichte. Er steht für bemerkenswerte Erfolge mit Rapid und Salzburg, aber auch exemplarisch für gesellschaftliche Intoleranz, die den Fußball sowie Österreich und Kroatien mitprägen.

Zagreb. Am vergangenen Sonntag starb der ehemalige Fußballtrainer Otto Barić in der kroatischen Hauptstadt. Geboren wurde er passender Weise am 19. Juni 1932 in Eisenkappel/Železna Kapla, also in Österreich, wo er auch seine größten Karriereerfolge erreichte. Im Alter von vier Jahren verließ er mit seinen kroatischen Eltern Kärnten jedoch wieder und wuchs in Zagreb auf. Dort begann er nach dem Zweiten Weltkrieg auch mit dem Fußballspielen, nämlich im Nachwuchs von Dinamo. Die eigene aktive Laufbahn blieb überschaubar, von 1952 bis 1964 lief er für die beiden kleineren Hauptstadtklubs NK Metalac und Lokomotiva Zagreb auf. Beim letztgenannten Verein begann Barić sodann seine Tätigkeit als Trainer, danach war er vorerst im Unterhaus der BRD engagiert.

Erfolge in Österreich und Europa

Der erste Erfolg stellte sich erst ein, als er wieder nach Österreich kam: 1970 übernahm er Wacker Innsbruck und holte 1971 prompt den ersten Meistertitel nach Tirol. Von 1972 bis 1974 betreute er den LASK, ehe er als Coach in Jugoslawien arbeitete, u.a. in Zagreb (Lok und NK) sowie Vinkovci. 1980 wechselte er zu Sturm Graz, was der Durchgangspunkt zu einem größeren Karriereschritt war: 1982 wurde er in Hütteldorf verpflichtet, wo er bis 1988 den SK Rapid Wien trainierte (mit einer kurzen Unterbrechung durch ein missglücktes Gastspiel beim VfB Stuttgart 1985). Mit den Grünweißen holte er drei Meistertitel (1983, 1987, 1988) und drei Pokalsiege (1984, 1985, 1987). 1985 wurde auch der zunächst größte internationale Erfolg erreicht: 1984/85 schaffte es Rapid bis ins Finale des Europacups der Pokalsieger, wo man allerdings gegen den FC Everton mit 1:3 unterlag. Von 1988 bis 1991 war Barić abermals bei Sturm Graz sowie bei Vorwärts Steyr tätig. Mit der danach erfolgten Übernahme des Trainerpostens beim SV Austria Salzburg war dann eine weitere bemerkenswerte Erfolgsgeschichte verbunden: Er verschaffte den Salzburgern 1994 und 1995 nicht nur ihre ersten beiden Meistertitel, sondern erreichte nochmals ein Europacupfinale, nämlich 1995 im UEFA-Cup, nach grandiosen K.O.-Siegen (u.a. gegen Eintracht Frankfurt im Elfmeterschießen). Zum Titel reichte es trotzdem wieder nicht, in beiden Finalspielen gegen Inter Mailand setzte es ein 0:1. Dafür nahm man im folgenden Jahr an der Champions League teil.

Teamchef in drei Ländern

Danach ging es für Barić wieder nach Kroatien: 1995 und 1996 war als Assistent von Miroslav Blažević für die Nationalmannschaft mitverantwortlich, mit der man bei der Europameisterschaft 1996 in England immerhin ins Viertelfinale kam und dort knapp gegen den späteren Titelträger BRD ausschied. Mit Dinamo Zagreb – seinem Jugendverein – holte Barić als Cheftrainer 1996/97 das Double aus Meisterschaft und Pokal. Nach einem einjährigen Engagement bei Fenerbahçe Istanbul wechselte er 1998 ein letztes Mal nach Österreich, zunächst zum LASK, den er schon 25 Jahre zuvor trainiert hatte. Barićs große Chance auf internationaler Ebene kam nach einem 0:9 der österreichischen Nationalmannschaft in Valencia, in deren Gefolge Herbert Prohaska seinen Hut nehmen musste und Barić endlich zum neuen Teamchef wurde. Die laufende EM-Qualifikation war nicht mehr zu retten, die Ergebnisse blieben vorerst bescheiden. In der darauffolgenden WM-Qualifikation besserten sich jedoch die Resultate, in einem denkwürdigen de facto-„Endspiel“ in Israel schoss Andreas Herzog das ÖFB-Team in letzter Sekunde auf den zweiten Gruppenplatz und damit ins Play-Off. Hier mussten Barić und Österreich jedoch zwei bittere Niederlagen gegen die Türkei hinnehmen (0:1, 0:5), da sich die Türken gerade in ihrer Glanzzeit befanden: Bei der anschließenden WM-Endrunde erkämpften sie sich einen hochverdienten dritten Platz. Nach der verabsäumten Qualifikation übergab Barić den Teamchefposten an Hans Krankl, seinen ehemaligen Schützling bei Rapid. 2001/02 versuchte sich Barić nochmals in Salzburg, konnte an die früheren Erfolge aber nicht anknüpfen. Dafür trat er danach noch zweimal als Nationaltrainer in Erscheinung: Zunächst erfüllte er sich mit dem Chefposten beim kroatischen Team einen Lebenswunsch, bei der EM-Endrunde 2004 in Portugal blieb man trotz anständiger Leistungen aber bereits in der Gruppenphase hinter England und Frankreich zurück. Sein letztes Traineramt füllte Barić während der Qualifikation für die EM 2008 aus, doch Albanien hatte letztlich einfach nicht die Substanz, um die Endrunde in Österreich und der Schweiz zu erreichen, womit Barić ein überaus passender abrundender Abschluss verwehrt blieb.

Homosexuellenfeindliche Haltung

Man kann getrost behaupten, dass Otto Barić nicht nur einer der erfolgreichsten, sondern auch der prägendsten Trainer der österreichischen Fußballgeschichte war. Zu Buche stehen nicht nur in Summe sieben nationale Meister- und drei Pokaltitel sowie zwei Europacup-Finalteilnahmen, sondern eben auch eine Amtszeit als ÖFB-Teamchef. Und es sind nicht nur die rein sportlichen Aspekte, die Barić ausmachten: Er wurde früh zu einer zentralen medialen Figur, wozu sein lebhafter kroatischer Akzent, sein standardisiertes Einleitungsvokabel gegenüber Journalisten („Schauen Sie…“) sowie sein überstrapaziertes Lieblingswort „maximal(e)“ beitrugen – dies kam in Österreich gut an, weswegen Barić, v.a. in Wien-Hütteldorf und Salzburg, nicht nur aufgrund seiner Erfolge, sondern auch aufgrund seines Auftretens bis heute Kult- und Legendenstatus genießt. Stilsicher war der mitunter aufbrausende Barić dabei allerdings nicht immer, um es milde zu formulieren. Neben einigen aufsehenerregenden Disputen und Fehlverhalten in der damals noch nicht existenten Coaching-Zone zählen auch manche Aussagen und Haltungen des kroatisch-österreichischen Trainers zu seiner unrühmlichen Seite: Wiederholte homosexuellenfeindliche Äußerungen brachten Barić nicht nur verdiente Kritik, sondern auch eine Geldstrafe der UEFA ein. Das mag mit dem gegebenen Umfeld und der Sozialisation zu tun haben, doch stellt es dem Charakter von Barić freilich nicht gerade ein gutes Zeugnis aus, zumal er zeitlebens unbelehrbar blieb. Auch dies wird berechtigt in Erinnerung bleiben.

Otto Barić ist am 13. Dezember 2020 in Zagreb im Zuge einer CoViD-19-Erkrankung im Alter von 88 Jahren gestorben.

Quelle: Der Standard

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