HomeInternationalesDie russische Eroberung Awdijiwkas und die Folgen

Die russische Eroberung Awdijiwkas und die Folgen

Das Ziel der russischen Armee, die ukrainische Artillerie weit genug von der Hauptstadt der Donezker Volksrepublik zu vertreiben, dürfte mit der Einnahme Awdijiwkas erreicht sein. Aus russischer Sicht wird eigenes Territoriums erobert, während die Ukraine die für uneinnehmbar gehaltene, seit 2014 ausgebaute Festungsstadt verliert. Selenskyj spricht unterdessen auf der Münchner Sicherheitskonferenz von der Notwendigkeit der Auslöschung Russlands.

Kiew/Moskau/Washington/München. Ab dem Abend des 16. Februar war klar, dass die ukrainischen Streitkräfte offiziell begannen, sich aus der Frontstadt Awdijiwka zurückzuziehen. Bereits zuvor versuchten Einheiten der ukrainischen Armee, eigenständig aus dem Hexenkessel zu fliehen. Die russische Armee hatte die Stadt zweigeteilt und aus dem südlichen Kessel, dem befestigten Gebiet „Zenit“ am südöstlichen Rand der Stadt, gab es fast keine Möglichkeit mehr, nach draußen zu kommen. Ein ukrainischer Soldat, der aus dem Gebiet entkommen konnte, schildert, dass die Einheiten schon am Abend des 15. Februar begonnen haben, auf eigene Faust zu entkommen, nachdem die versprochene Evakuierung ausblieb. Von zehn losgeschickten Soldaten seien drei Verwundete übrig geblieben. Am Morgen des 16. Februar sei „die Straße nach Awdijiwka übersät mit unseren Leichen“ gewesen. Verwundete mussten auf Befehl des Kommandos zurückgelassen werden, und wurden auch nicht evakuiert. Im Netz kursiert die Aufnahme einer Video-Telefonie eines Verletzten mit seiner Freundin, die zeigt, dass es russische Soldaten sind, welche die Verletzten schließlich evakuierten.

Was ist die Bedeutung der Stadt für beide Seiten?

Aber was ist die Bedeutung der Stadt für beide Seiten? Awdijiwka wurde nach dem Aufstand im Donbass gegen die Putschregierung im Gefolge des von den USA mit Millionen von Dollar orchestrierten Maidan-Protestes von 2014 schließlich von der ukrainischen Armee eingenommen und im Laufe der Jahre zu einer Festung ausgebaut. Von dort fand seit zehn Jahren der ständige Beschuss der nur 30 Kilometer entfernten Hauptstadt der Donezker Volksrepublik statt. Donezk, die Stadt, die von der Ukraine angeblich „befreit“ werden sollte, wurde wahllos beschossen, nicht militärische Ziel standen im Fokus, sondern die gesamte Stadt und ihre Zivilbevölkerung. Das zeigt auch, welche Pläne die Ukraine mit den vorwiegend russischsprachigen Gebieten im Donbass hatte. Die angestammte Bevölkerung sollte ausgelöscht oder vertrieben werden, damit nach der von Präsident Wolodymyr Selenskyj immer noch herbeifantasierten „Befreiung“ des Donbass vermeintlich „reinrassige“ Ukrainer angesiedelt werden können. Es kam anders. Im Oktober 2023, nach dem kläglichen Scheitern der in der Ukraine und im Westen als siegreiches Unternehmen zur Vertreibung der Russen propagierten „Gegenoffensive“ der ukrainischen Streitkräfte, begann Russland mit der Offensive auf die Stadt Awdijiwka, die als uneinnehmbare Festung galt. In zähen, für beide Seiten verlustreichen Kämpfen bewegte sich die russische Armee monatelang außerhalb der Stadt in einer Zangenbewegung nach Westen, bis vor einigen Wochen die Situation kippte. Durch ein stillgelegtes Kanalrohr gelang es der Freiwilligengruppe „Veteranen“ der russischen Armee, in den Süden der Stadt und in den Rücken der ukrainischen Linien zu kommen. Dieser Durchbruch und eine gleichzeitige Offensive im Norden der Stadt schnürten den Kessel der Russen um die Stadt immer enger, bis schließlich die letzten Zufahrtsstraßen in die Stadt unter russischer Kontrolle waren.

Mit dem großmäuligen Auftrag Selenskyjs, die Stadt zurückzuerobern, wurde die aus den Resten der Neonazi-Brigade „Asow“ und weiteren Spezialkräften gebildete „3. separate Angrifssbrigade“ kurz vor dem entgültigen Fall der Stadt in die Schlacht geworfen. Nur einen Tag nach Ankunft stellten die Asow-Offiziere fest, dass sie zu 180 und teilweise 360 Grad von russischen Spezialeinheiten umgeben sind, und sie befahlen den Rückzug ihrer Kräfte, ohne auf Befehle von oben zu warten.

Ajdijiwka für Ukraine und NATO plötzlich unbedeutend

Was ändert sich für die Ukraine? „Es ist unwahrscheinlich, dass es politische Konsequenzen für die militärische Führung des Landes geben wird. Hier sind sie daran gewöhnt, Böses (Niederlagen) in Siege zu verwandeln. Wie im Fall von Mariupol oder Artemiwsk wird man den Ukrainern sagen, dass die Stadt keine strategische Bedeutung hatte. Überraschenderweise funktioniert es jedes Mal. Obwohl diejenigen, die an diesen Unsinn glauben, von Mal zu Mal weniger werden. Sie ist umgekehrt proportional zum Wachstum der Friedhöfe rund um ukrainische Städte und Dörfer“, schreibt die russische Tageszeitung Komsomolskaja Pravda. Auch im Westen versucht man früheren Mustern folgend die Bedeutung der Stadt nach der Niederlage herunterzuspielen.

Selenskyj träumt von der Auslöschung Russlands

In einer Ansprache auf der Zusammenkunft der Rüstungs- und Finanzkonzerne, der Waffenschieber, gekauften Politiker und Kriegshetzer, genannt „Münchner Sicherheitskonferenz“, gab der ukrainische Präsident wieder Einblick in seine wirre Weltsicht. „Unser Widerstand hat die Zerstörung der regelbasierten Welt verhindert.“ Mit Blick auf eine Zukunft ohne Krieg müsse Russland aber der Vergangenheit angehören, weil sich das Land nicht an die Regeln halte. – Russland muss der Vergangenheit angehören? Was soll das heißen? Auslöschung, Zerstückelung, Eroberung? Solche Fantasien haben nicht einmal dir irrsten Kriegshetzer in Berlin und Washington, zumindest sprechen sie nicht öffentlich darüber, außer sie verplappern sich, wie die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock. Es ist offensichtlich: Ein dritter Weltkrieg, atomare Zerstörung und Auslöschung großer Teile der Menschheit wäre dem Selenskyj-Regime recht, wenn es nur auch zur Zerstörung Russlands käme. Mit Provokationen aller Art, vor allem mit dem Zweck, die NATO in den heißen Krieg miteinzubinden, ist daher zu rechnen.

Schuld an der Niederlage ist der Westen

Selenskyj beschuldigte seine Unterstützer im Westen, schuld an der Niederlage in Awdijiwka zu sein, da sie ihm nicht genug Waffen geliefert hätten. Vor allem aber drehte sich in München aber alles um die bockigen Abgeordneten der Republikanischen Partei im US-Repräsentantenhaus. In einer Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten sprach die US-Vizepräsidentin Kamala Harris praktisch zu den Republikanern, was ziemlich sinnlos sein dürfte. Auch Präsident Joe Biden meldete sich aus Washington mit einem neuerlichen Appell an die Mehrheitsfraktion im Repräsentantenhaus zu Wort. Der deutsche Kanzler Scholz, NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg und andere westliche Politiker taten es ihnen gleich, wobei moralisch aufgeladene Worte nicht fehlen durften. Nicht zuletzt durch die Unterstützung Israels in seinem Genozid an den palästinensischen Bewohnern des Gazastreifens glauben diesen Teilzeit-Moralaposteln immer weniger Menschen auf der Welt.

Nach Russlands Verständnis erobert es eigenes Staatsebiet

Für die Russen bedeutet die Einnahme von Awdijiwka vor allem, dass die Stadt Donezk besser geschützt ist. Mit der normalen ukrainischen Artillerie ist sie jetzt nicht mehr erreichbar, mit Raketen schon, aber dagegen gibt es Luftabwehrsysteme. Die russische Armee wird sich an diesem Frontabschnitt wohl weiter an die Grenzen der Donezker Volksrepublik zubewegen, während die Offfensive auf der ganzen Länge der 1.000 Kilometer langen Frontlinie voranschreitet. Dem Verständnis Russlands nach erobert es eigenes Staatsgebiet, nachdem die Oblaste Lugansk, Donekz, Saporjischa und Cherson per Volksabstimmung der noch anwesenden Bevölkerung im Vorjahr in die russische Föderation eingegliedert wurden. 

Die ukrainische Führung steht innen- wie außenpolitisch mit dem Rücken zur Wand. Immer unglaubwürdiger werden die Versicherungen gegenüber dem Volk, dass Russland massive Verluste erleide, während die Ukraine seine Soldaten schone. Die Menschen sehen auf den Friedhöfen die Realität. Das ständige Gerede von der Zurückeroberung sämtlicher einst ukrainischen Gebiete einschließlich der Krim glaubt ohnehin kaum noch jemand. Man hat zwei Jahre lang in der ukrainischen Bevölkerung optimistische Erwartungen geschürt, die jetzt in sich zusammenbrechen. Rückzugsentscheidungen der russischen Armee wurden in Siege der Ukraine umgedeutet, und jetzt verliert die Ukraine jeden Tag weiter Land an Russland.

Nichtsdestotrotz hält Selenskyj an seiner „Friedensformel“ fest, die als Grundbedingung für Verhandlungen den Abzug aller russischen Truppen vorsieht. In München versuchte er neuerlich, den chinesischen Außenminister für diese Idee zu gewinnen, was dieser antwortete, ist nicht bekannt. Selenskyj will eine große „Friedenskonferenz“ zur Unterstützung seiner Formel abhalten, ohne Beteiligung Russlands versteht sich. Selbstredend zeigen ihm immer mehr Staaten die kalte Schulter.

Um den Preis des Untergangs der SPD…

Die in der deutschen Bevölkerung inzwischen äußerst unbeliebte deutsche Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP hat nun den Ehrgeiz, sich an die Spitze der finanziellen und militärischen Unterstützer Kiews in Europa zu stellen, was sie zahlenmäßig ohnehin schon ist. Um den Preis des Untergangs seiner Partei, der SPD, trommelt Bundeskanzler Olaf Scholz weiter zum Krieg, schürt Hysterie vor einer russischen Gefahr fur Deutschland und Westeuropa und zeigt sich wieder einmal als williger Erfüllungsgehilfe Washingtons. 

Auch Österreich spielt eine unrühmliche Rolle, denn auch hier wird mithilfe künstlich erzeugter Kriegshysterie die Aufrüstung des Bundesheeres vorangetrieben. Nächste Woche soll ein Vertrag über die Lieferung hunderter gepanzerter Fahrzeuge mit einem US-Rüstungskonzern, der in Wien-Simmering die ehemaligs in öffentlicher Hand befindlichen Steyr-Daimler-Puch-Fabrik übernommen hat, unter Dach und Fach gebracht werden.

Rüstungsindustrie: Produktion nur gegen Cash

Die US-amerikanische und die europäische Rüstungsindustrie scharren in den Startlöchern für neue Aufträge ihrer Regierungen, denn Bestellungen der Ukraine werden nur entgegengenommen, wenn die Finanzierung im Voraus gesichert ist. Interessantes gibt diesbezüglich der Internationale Währungsfonds (IWF) von sich: Er kritisert, dass die Lücke zwischen den EU-Mittelbindungen und den Zuweisungen nach wie vor sehr groß ist (144 Milliarden Euro gegenüber 77 Milliarden). Dem jüngsten Update zufolge wurden die Hilfs- und Lieferzusagen der USA für die Ukraine faktisch ausgesetzt, da der US-Kongress kein neues Unterstützungspaket verabschiedet hat. Umso mehr wird eine Aufstockung der Zuwendungen der EU-Länder eingemahnt. Als Vorbilder werden vom Kieler Institut für Weltwirtschaft vor allem die besonders russophoben Nachbarländer der Russischen Föderation genannt: Estlands Unterstützung der Ukraine beläuft sich auf 3,5 Prozent des BIP des Landes. Dänemark liegt bei diesem Indikator mit 2,41 Prozent an zweiter Stelle. Es folgen Norwegen (1,72 Prozent), Litauen (1,54), Lettland (1,15), Finnland (0,71), Polen (0,69) und die Niederlande (0,67).

Zusätzlich belaufen sich die nationalen militärischen Ausgaben in den meisten NATO-Ländern auf über 2 Prozent des BIP, sodass klar ist, welche Prioritäten gesetzt werden. Für Sozialpolitik, Infrastrukturausbau und andere staatliche Ausgaben werden die Mittel gekürzt. In der BRD diskutiert die Regierung die Aufhebung der in der Verfassung verankerten „Schuldenbremse“ für die Ukraine-Hilfe. Als es um die Stopfung des 60-Milliarden-Loches im Staatshaushalt im Gefolge einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ging, war man dazu nicht bereit, sondern kürzte lieber bei Sozialausgaben und Agrarförderung.

Quellen: InoSMI/KP​.RU/ORF/Ukrajinska Prawda

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