Der Tod des Gaddafi-Sohnes wirft neue Fragen zur Sicherheitslage und zu den ungelösten Konflikten in Libyen auf. Ermittlungen laufen, die Umstände bleiben widersprüchlich.
Az-Zintan. Saif al-Islam Gaddafi, Sohn des 2011 gestürzten libyschen Langzeitherrschers Muammar Gaddafi, ist im Alter von 53 Jahren getötet worden. Libysche Behörden bestätigten am Dienstagabend, dass er in der Stadt Zintan, rund 136 Kilometer südwestlich von Tripolis, an Schussverletzungen starb.
Nach Angaben der libyschen Generalstaatsanwaltschaft wurde Saif al-Islam durch Schüsse getötet. Ermittler suchen nach Verdächtigen und haben forensische Experten an den Tatort entsandt. Weitere Details zu Tätern oder Motiv nannten die Behörden bislang nicht.
Gezieltes Attentat wahrscheinlich
Das Umfeld Saif al-Islams spricht von einem gezielten Attentat. In einer Erklärung seines politischen Büros heißt es, vier maskierte Männer seien in sein Haus eingedrungen, hätten die Überwachungskameras abgeschaltet und ihn nach einer Auseinandersetzung erschossen. Die Tat wird darin als „feige und hinterhältige Ermordung“ bezeichnet. Abweichend davon erklärte eine seiner Schwestern gegenüber libyschen Medien, er sei in Grenznähe zu Algerien ums Leben gekommen. Die widersprüchlichen Angaben unterstreichen die bislang unklare Lage.
Saif al-Islam Gaddafi galt über Jahre als die zweitmächtigste Person im libyschen Staat und war lange als politischer Erbe seines Vaters aufgebaut worden. Er studierte an der London School of Economics und präsentierte sich international als reformorientierter, westlich geprägter Akteur. In dieser Rolle leitete er unter anderem Delegationen, die Libyens Verzicht auf Massenvernichtungswaffen vorbereiteten.
Dieses Image zerbrach im Westen mit den Umsturzbestrebungen von 2011. Saif al-Islam stellte sich offen hinter den Kurs seines Vaters gegen landesweite Proteste und warnte öffentlich, Libyen werde „brennen“, sollte das Regime gestürzt werden. Der Internationale Strafgerichtshof erließ noch im selben Jahr einen Haftbefehl gegen ihn wegen mutmaßlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ein Gericht in Tripolis verurteilte ihn 2015 in Abwesenheit unter anderem wegen Anstiftung zur Gewalt und der Tötung von Demonstranten zum Tode.
Haft und Amnestie
Nach dem skandalösen Sturz Muammar Gaddafis, der mit Unterstützung der NATO erfolgte, versuchte Saif al-Islam 2011, nach Niger zu fliehen. Er wurde jedoch von einer Miliz aus Zintan gefasst und dort sechs Jahre lang festgehalten. 2017 kam er im Rahmen einer Amnestie frei und lebte seither weiterhin in Zintan.
Obwohl er kein offizielles Amt innehatte, blieb Saif al-Islam eine der zentralen Symbolfiguren der libyschen Politik nach 2011. Expertinnen und Experten warnen, sein Tod könne insbesondere unter Anhängerinnen und Anhängern des früheren Regimes neue Spannungen auslösen.
Politisch trat er zuletzt 2021 in Erscheinung, als er seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl ankündigte. Wegen seiner Verurteilung von 2015 wurde er jedoch von der Wahl ausgeschlossen; die Abstimmung selbst scheiterte letztlich an Machtkämpfen zwischen rivalisierenden Regierungen und bewaffneten Gruppen.
Mehr als 15 Jahre nach dem Sturz Gaddafis bleibt Libyen tief gespalten. Der gewaltsame Tod Saif al-Islam Gaddafis wirft erneut ein Schlaglicht auf die ungelösten Konflikte und die fragile Sicherheitslage des Landes.
Quellen: TheGuardian / AP


















































































