Nahezu 700 Palästinenserinnen und Palästinenser wurden im Januar aus ihren Wohnorten vertrieben. Laut den Vereinten Nationen ist die Gewalt israelischer Siedler zu einem zentralen Faktor der Zwangsvertreibung im besetzten Westjordanland geworden.
Ramallah. Nach Angaben der Vereinten Nationen hat die Vertreibung von Palästinenserinnen und Palästinensern im besetzten Westjordanland im Jänner ein Ausmaß erreicht, wie es seit Oktober 2023 nicht mehr verzeichnet wurde. Verantwortlich dafür sind vor allem Gewalt, Drohungen und Schikanen durch israelische Siedler sowie Maßnahmen des israelischen Militärs.
Zwangsvertreibungen auf Rekordniveau
Mindestens 694 Palästinenserinnen und Palästinenser wurden im Jänner gewaltsam aus ihren Häusern und Gemeinden verdrängt. Dies teilte das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) mit. Damit handelt es sich um den höchsten monatlichen Wert seit dem starken Anstieg der Vertreibungen im Oktober 2023, als im Zusammenhang mit dem Krieg in Gaza über 1.000 Menschen innerhalb eines Monats vertrieben wurden.
Besonders ins Gewicht fiel im Januar die Vertreibung der gesamten Hirtengemeinschaft Ras Ein al-Auja im Jordantal. Rund 600 Menschen aus 130 Familien verließen das Gebiet nach monatelanger, anhaltender Bedrängung. OCHA bezeichnete diesen Vorgang als die größte Vertreibung einer einzelnen Gemeinschaft infolge von Siedlerangriffen und Zugangsbeschränkungen in den vergangenen drei Jahren.
Auch andere Vorfälle trugen zur Eskalation bei. So griffen israelische Siedler Ende Jänner im Morgengrauen die Beduinengemeinschaft Shakara südlich von Nablus an und attackierten Bewohnerinnen und Bewohner in ihren Häusern.
Gewalt, Straflosigkeit und fehlende Aufmerksamkeit
Nach Einschätzung von OCHA ist brutale Siedlergewalt inzwischen einer der wichtigsten Treiber von Zwangsvertreibungen im Westjordanland. Ein Bericht der israelischen NGO Peace Now beschreibt, wie Siedler durch Viehhaltung gezielt Präsenz auf landwirtschaftlichen Flächen palästinensischer Gemeinden schaffen, um diesen schrittweise den Zugang zu entziehen. Dabei komme es immer wieder zu Zerstörungen von Eigentum, Olivenhainen sowie zu Verletzungen und Tötungen von Zivilistinnen und Zivilisten – ohne strafrechtliche Konsequenzen.
Kritik kommt auch von internationalen Hilfsorganisationen. Allegra Pacheco vom West Bank Protection Consortium erklärte, es fehle an wirksamem Druck auf die israelischen Behörden, um die Gewalt zu stoppen. Dies verstärke bei den Siedlern das Gefühl völliger Straflosigkeit. Zudem werde das Geschehen im Westjordanland international oft übersehen, da der Fokus stark auf Gaza liege, obwohl sich die Lage dort kontinuierlich zuspitze.
Neben der Siedlergewalt tragen auch militärische Maßnahmen zur Vertreibung bei. Im Jänner wurden laut OCHA weitere 182 Palästinenserinnen und Palästinenser obdachlos, nachdem das israelische Militär Wohnhäuser und andere Gebäude zerstört hatte, die als ohne Genehmigung errichtet bezeichnet wurden oder im Zuge länger andauernder Militäreinsätze betroffen waren.
Im Westjordanland – ohne das besetzte Ostjerusalem – leben heute mehr als 500.000 Israelis in Siedlungen und Außenposten, die nach internationalem Recht als illegal gelten. Gleichzeitig sind rund drei Millionen Palästinenserinnen und Palästinenser von Besatzung, Gewalt und zunehmender Vertreibung betroffen.
Quelle: AJ




















































































