Seit den 1990er Jahren wurden insgesamt 6.147 Exoplaneten, also Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt (Stand 13. März 2026). Von diesen gelten jedoch laut dem Habitable Words Catalog des Planetary Habitability Laboratory der University of Puerto Rico nur 70 als bewohnbar. Mit einer neuen Studie eines internationalen Forschungsteams unter der Leitung der University of St. Andrews in Schottland könnte nun ein neuer dazu kommen. Im Sternensystem Gliese 887 (auch GJ 887 genannt) in etwa 10,7 Lichtjahren Entfernung wurden nun insgesamt fünf Exoplaneten bestätigt – einer davon in der habitablen Zone.
Um die Bewohnbarkeit eines Planeten zu bestimmen, werden mehrere Kriterien herangezogen. Zwei der wichtigsten und prominentesten dieser Kriterien ist die Lage in der sogenannten habitablen Zone – die habitable Zone ist ein Bereich um einen Stern in einer Entfernung in der unter den richtigen Voraussetzungen flüssiges Wasser existieren könnte – und eine steinige Zusammensetzung des Planeten. Beide dieser Kriterien treffen auf den Planeten Gliese 887d zu. Er umkreist seinen Stern in 51 Tagen und hat mindestens das sechsfache der Erdmasse, wie das Forschungsteam im Fachjournal Astronomy & Astrophysics berichtet.
Im Sternensystem GJ 887 wurden bereits 2020 Planeten nachgewiesen – GJ 887b und GJ 887c – die jedoch den Stern sehr nah umkreisen und deswegen nicht als potenziell bewohnbar gelten. Neben diesen zwei bestätigten Planeten hat es noch Hinweise auf andere Planeten gegeben, die jedoch nicht bestätigt werden konnten – bis jetzt. Um die bisher nur vermuteten Planeten im System zu bestätigen hat das Forschungsteams insgesamt 113 neue Messungen am Stern durchgeführt, davon 101 mit HARPS (High Accuracy Radial velocity Planet Searcher) am La-Silla-Observatorium in Chile und 12 mit ESPRESSO (Echelle SPectrograph for RockyExoplanets and Stable Spectroscopic Observations) am Very Large Telscope in der Atacama Wüste, um das es vor einigen Monaten eine politische Debatte gab.
Dabei wurde die Methode der Radialgeschwindigkeitsmessung angewendet. Beim Umkreisen eines Planeten wird nicht nur der Planet von der Schwerkraft beeinflusst, tatsächlich wird auch der Stern selbst von der Schwerkraft beeinflusst und gerät dabei in ein leichtes Taumeln um einen gemeinsamen Punkt (das sog. Baryzentrum). Da die meisten Planeten nicht massereich genug sind und dementsprechend die Schwerkraft nicht stark genug ist, liegt das Baryzentrum oft im Stern selbst und statt einer gegenseitigen Kreisbewegung kommt es nur zum leichten Taumeln des Sterns. Dieses leichte Taumeln reicht jedoch aus, um mithilfe der Dopplerverschiebung des Sternenlichts – es wird etwas bläulicher wenn der Stern sich aus unserer Perspektive auf uns zu bewegt und etwas rötlicher wenn er sich von uns weg bewegt – auf bestimmte Eigenschaften der umkreisenden Planeten schließen zu können. Mithilfe von Spektrographie lässt sich auch die Zusammensetzung der Planeten grob bestimmen.
Das bemerkenswerte ist, dass sich Gliese 887 in relativer Nähe zur Erde befindet. 10,7 Lichtjahre gelten als stellare Nachbarschaft. Damit wurde nun ein zweiter möglicherweise bewohnbarer Planet in unserer unmittelbaren stellaren Umgebung bestätigt. Der erste war Proxima Centauri b, kreisend um unseren nächsten Nachbarstern Proxima Centauri im Drei-Sternen-System Alpha Centauri, „nur“ 4,2 Lichtjahre entfernt. Leider gilt wie für alle bisher entdeckten potenziell bewohnbaren Exoplaneten: zwar passen Mindestmasse und Umlaufbahn, doch über Atmosphäre, Oberflächenbeschaffenheit oder tatsächliche Temperaturen lassen sich aus den vorliegenden Daten noch keine Schlüsse ziehen. Für die Untersuchungen der konkreten Umstände auf den Planeten selbst ist die nächste Generation von Weltraumteleskopen geplant. Zum Beispiel das chinesische Earth 2.0 Observatorium (geplant für 2028), das für die 2040er-Jahre geplante Habitable Worlds Observatory der NASA und das europäische Projekt LIFE.
Quelle: Der Standard/Astronomy & Astrophysics



















































































