Linz. Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat mehr als 1.500 Studierende in Oberösterreich zu ihren Lebensrealitäten, Herausforderungen und Erwartungen an die Hochschulpolitik befragt. Das Ergebnis: Mehr als drei Viertel der Befragten sind berufstätig und die meisten von ihnen müssen arbeiten, um sich das Studium überhaupt leisten zu können. Sie wünschen sich von der Politik wirksame Maßnahmen, um Studium und Arbeit vereinbaren zu können. Es stellt sich jedoch die Frage, ob der Befund nicht auch darauf hinweist, dass die ökonomische Situation sich zuspitzt und sich weniger die Frage stellt Studium und Beruf zu vereinbaren, sondern warum immer mehr Studierende arbeiten müssen und sich nicht auf ihre Ausbildung konzentrieren können.
Mehr als drei Viertel der befragten Studierenden in Oberösterreich sind berufstätig. Dieser Wert liegt deutlich über dem Österreich-Durchschnitt von 68 Prozent. Rund 23 Prozent von ihnen arbeiten in Form von Praktika oder Gelegenheitsjobs. 54 Prozent sind hingegen laufend neben dem Studium erwerbstätig. Die Hälfte dieser Gruppe arbeitet mehr als 20 Wochenstunden, jede und jeder Fünfte sogar 35 oder mehr Wochenstunden.
Vereinbarkeit von Studium und Beruf oft schwer zu organisieren
Drei Viertel jener, die neben dem Studium arbeiten, geben an, dass sie sich ihr Studium ohne Erwerbstätigkeit nicht leisten könnten. Sie arbeiten tendenziell in Berufen, bei denen weniger die Nähe zum Studieninhalt als die Flexibilität, Studium und Beruf vereinbaren zu können, im Vordergrund steht. Jeder und jede Dritte gibt an, dass sich Arbeit und Studium eher nicht gut bzw. nicht gut vereinbaren lassen. Am besten klappt die Vereinbarkeit bei geringfügiger Beschäftigung, sie nimmt allerdings mit den steigenden Arbeitsstunden deutlich ab. Die anhaltende Teuerung verschärft zudem die Situation, weil der Druck zur Existenzsicherung und damit zu mehr Beschäftigung steigt, gleichzeitig der Studienerfolg aber nicht leiden darf. Mittlerweile sparen sieben von zehn Befragten bei sozialen Aktivitäten und bei der Kleidung.
55 Prozent der laufend erwerbstätigen Studierenden beurteilen die Angebote für Berufstätige an ihrer Hochschule als eher nicht bzw. nicht ausreichend. Die Herausforderungen werden immer größer und die Krise des Kapitalismus trifft auch die Studierenden hart und die Teuerung, die zur Notwendigkeit von immer mehr Stunden neben dem Studium führt setzt Studierende unter Druck. Die Forderung „bessere Vereinbarkeit von Studium und Job“ greift hier eigentlich zu kurz. Wenn drei Viertel arbeiten müssen, dann ist das kein Organisationsproblem, sondern ein soziales Problem. Studierende die nicht aus einem Elternhaus mit einem hohen ökonomischen Status kommen können immer schwerlicher über die Runden und können somit auch immer schwerer.überhaupt leisten zu studieren. Soziale Ungleichheit wird so manifestiert.
Moritz Pamminger, der Vorsitzende der Jugendfront hält hierzu fest: „Wer gezwungen ist, 20, 30 oder mehr Stunden pro Woche zu arbeiten, kann sich nicht voll auf die Ausbildung konzentrieren – die vielbeschworene „Vereinbarkeit“ ist in Wahrheit Ausdruck eines Systems, das die Kosten der Ausbildung auf die Studierenden selbst abwälzt. Statt kosmetischer Maßnahmen braucht es daher einen grundlegenden Kurswechsel: eine existenzsichernde, inflationsangepasste Studienbeihilfe, leistbares Wohnen und den Ausbau öffentlicher Infrastruktur. Bildung darf nicht vom Geldbeutel abhängen. Studieren muss wieder möglich sein, ohne sich gleichzeitig in prekären Jobs aufreiben zu müssen.“
Quelle: Arbeiterkammer Oberösterreich




















































































