Die Türkei und Saudi-Arabien unterzeichneten vergangenen Dienstag zwei Absichtserklärungen, um die Kooperationen im Transport- und Logistikbereich zu verstärken. Im Zentrum steht der Bau einer Eisenbahnstrecke, die als Alternative zur Straße von Hormuz dienen könnte und bedeutend für die Rivalitäten zwischen der Türkei und Israel um Vorherrschaft in der Region ist.
Riad/Ankara. 1908 wurde die legendäre Hedjazbahn zwischen Damaskus und Medina in Betrieb genommen. Sie war ein Prestigeprojekt des osmanischen Sultans Abdülhamid II., um den Handel mit entfernten Regionen des Reichs im Zuge der Entwicklung kapitalistischer Verhältnisse zu stärken. Über hundert Jahre später steht eine Neuauflage des Projekts im Raum. Der türkische Verkehrsminister Abdulkadir Uraloglu besuchte dazu vergangenen Dienstag seinen saudischen Amtskollegen in Riad.
Das erklärte Ziel des Projekts ist die Etablierung eines Handelskorridors als alternative zur Straße von Hormuz, die aufgrund des imperialistischen Krieges gegen den Iran seit März teilweise geschlossen wurde und den weltweiten Handel zum Stocken brachte. Längerfristig könnte die Eisenbahnstrecke bis in den Oman und somit zum indischen Ozean reichen. Die Absichtserklärungen sehen eine verstärkte Zusammenarbeit in den Bereichen des Schienen‑, Straßen- und Luftverkehrs zwischen den beiden Ländern vor. Im April unterzeichneten die Türkei, Syrien und Jordanien bereits ein ähnliches Übereinkommen.
Türkei gegen Israel
Die Türkei versucht sich mit dem Projekt als Knotenpunkt der Handels- und Warenströme in der Region zu etablieren. Während die historische Hedjazbahn auch über eine Zweigstrecke in das palästinensische Haifa verfügte, geht es der Türkei heute vor allem darum, die eigene Position gegenüber Israel zu festigen. Beide Staaten streben eine Vormachtstellung in der Region an, was zunehmend zu einer Verschärfung der innerimperialistischen Widersprüche führt. Der türkische Handelsminister Ömer Bolat fand dazu deutliche Worte. Es gehe darum, den „Einfluss Israels in der Region zu verhindern.“
IMEC: ursprünglich mit Israel
Im Fokus der Auseinandersetzung steht auch der Wirtschaftskorridor Indien-Nahost-Europa (IMEC). Dieser Korridor soll Warenströme von Indien über die arabische Halbinsel nach Europa führen und könnte die Transitzeit um bis zu vierzig Prozent verkürzen. Die USA unterstützen das Vorhaben als Alternative zur chinesischen Belt and Road Initiative. Der Plan sieht vor, Eisenbahnverbindungen von Saudi-Arabien über Jordanien bis nach Haifa zu errichten und würde somit die Türkei übergehen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kritisierte das Projekt daher in der Vergangenheit scharf und schlug vor, die Türkei miteinzubeziehen.
Karten neu gemischt
Israels Völkermord in Gaza und der Irankrieg legen der ursprünglichen Route des IMEC Steine in den Weg. Für Saudi-Arabien wird ein weiterer Normalisierungsprozess mit Israel zunehmend schwierig. Ein Handelskorridor über die Türkei und ohne Israel wäre also denkbar.
Gleichzeitig wäre die Landstrecke dieses Korridors wesentlich länger und würde somit zu höheren Transportkosten führen. Die Spannungen zwischen der Türkei und Griechenland in der Ägäis sind ein weiteres Problem, denn der Hafen von Piräus ist ein zentrales Glied im neuen Warenstrom nach Europa. Auch Italien, Frankreich und Zypern haben sich in den letzten Jahren klar für den IMEC über Israel ausgesprochen.
Quelle: Middle East Eye




















































































